Osnabrück „Nicht zu viel Schnaps trinken!“ – Carol Schuler über Weihnachten und Vergleiche mit Amy Winehouse
Im Fernsehen kennt man Carol Schuler vor allen Dingen aus dem Zürcher „Tatort“. Jetzt ist sie aber erst einmal im Weihnachtskrimi „Dahlmanns letzte Bescherung“ (22. Dezember ZDF, Mediathek ab sofort) an der Seite von Jürgen Vogel, Anja Kling und Heino Ferch zu sehen. Im Interview verrät sie auch, wie sie zum „Tatort“ gekommen ist, obwohl das zunächst gar keine Traumrolle für sie war.
Film, Fernsehen und Theater sind ihre Welt. Aber auch als Musikerin kann sich Carol Schuler sehen und vor allen Dingen hören lassen. Im Interview verrät sie, was sie antreibt.
Frage: Frau Schuler. Ihr aktueller Film heißt „Dahlmanns letzte Bescherung“ und ist ein Weihnachskrimi zum Fest. Weihnachtskrimi klingt aber gar nicht festlich, oder?
Antwort: Darüber habe ich mich beim ersten Lesen auch gewundert, aber auch gefreut, weil es eben nicht so ein typischer Weihnachts-Wohlfühlfilm ist, wie man es sonst häufig kennt. Tatsächlich ist es eine Mischung aus Whodunnit-Krimi und schwarzer Komödie. Ich mag so was ja persönlich lieber als die ganz kitschigen Weihnachtsfilme und bin gespannt, ob das Publikum das auch so sieht. Ich finde, das ist wirklich ein sehr schöner und dann zuweilen auch richtig weihnachtlicher Film geworden. Es geht nicht nur um Mord und Totschlag, sondern auch um Familie und Zusammenhalt.
Frage: Das ist ja beinahe auch ein Bühnenstück. Worum geht es da kurz zusammengefasst?
Antwort: Der Patriarch Alfons Dahlmann, gespielt von Thomas Thieme, lädt seine Familie zu Weihnachten auf sein Jagdschloss ein. Alle denken, das wird ein normales Weihnachtsdinner. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse und am nächsten Morgen ist der Patriarch nicht mehr am Leben. Ein Schneesturm ist über das Land gefegt. Niemand kann weg. Und dann ist das genau so wie in klassischer „Knives Out“-Manier – keiner kann rein, keiner kann raus, einer der Anwesenden muss es gewesen sein.
Frage: Wie waren denn die Dreharbeiten?
Antwort: Toll, das hatte tatsächlich ein wenig was von Klassenfahrt-Feeling. Wir waren eine Stunde von Wien entfernt irgendwo in einem Golfhotel untergebracht, wo außer uns tatsächlich niemand war. Da saßen wir wochenlang zusammen und hatten wirklich eine tolle Zeit. Wir sind da schon fast als Familie zusammengewachsen.
Frage: Jetzt sieht man Sie als Schauspielerin ja neben Ihren vielen Film- und TV-Rollen auch regelmäßig auf großen Theaterbühnen. Was treibt Sie da an und wie schaffen Sie das überhaupt?
Antwort: Ach, das geht eigentlich für mich gar nicht anders. Ich komme ja vom Theater, habe mit sechs Jahren das erste Mal auf der Bühne gestanden. Theater ist für mich etwas, das ich niemals missen möchte. Ich merke, wenn ich viel drehe und weniger auf der Bühne stehe, da fehlt mir etwas. Theater hat eine ganz andere Unmittelbarkeit. Der Kontakt mit dem Publikum ist mir sehr wichtig. Deshalb versuche ich auch, so viel wie es geht Theater zu spielen. Ja, und wie schaffe ich das? Da muss man halt versuchen, das mit den Dreharbeiten so gut wie möglich zu koordinieren.
Frage: Was Film und Fernsehen betrifft, da kennt man Sie ja mittlerweile am besten als Feldweibel Ott aus dem Schweizer „Tatort“.
Antwort: (lacht) Feldweibel? Ein sehr deutsches Wort, lange nicht mehr gehört. Gefällt mir aber.
Frage: Ja, das heißt doch so, oder? Kommissar gibt’s da doch nicht.
Antwort: Wir sagen Ermittler, Mordermittler. Aber Feldweibel find‘ ich auch gut.
Frage: Wie sind Sie denn zu der Rolle gekommen?
Antwort: Durch eine ganz klassische Casting-Einladung. Da wurde eine Schauspielerin aus Zürich und Umgebung gesucht und eine aus der französischsprachigen Schweiz. Es gab einen Castingprozess, der über viele Runden ging, und dann hat es tatsächlich geklappt.
Frage: Nun habe ich mal gelesen, Sie haben in einem Interview gesagt, „Tatort“-Ermittlerin sei für Sie früher gar keine Traumrolle gewesen. Stimmt das?
Antwort: (lacht) Ja, ja. Darauf werde ich immer wieder angesprochen. Dieses Interview habe ich ungefähr ein Jahr, bevor ich die Casting-Anfrage bekommen habe, gegeben ...
Frage: Gut gealtert!
Antwort: Gut gealtert, und jetzt fällt‘s wieder auf mich zurück. Lustigerweise habe ich mich wirklich nie in dieser Rolle gesehen. Davor war ich meistens auf Rollen abonniert, die eher auf der anderen Seite des Gesetzes standen. Und das war für mich dann auch der Grund, das eben doch auszuprobieren. Es ist eine echte Herausforderung, eine Ermittlerin als eine interessante Figur mit Ecken und Kanten darzustellen, die nicht nur im Verhörraum sitzt und Fragen stellt. Und das macht mir, was ich vorher nicht gedacht hätte, sehr viel Spaß. Natürlich auch in Kombination mit meiner Kollegin Anna Pieri Zuercher ist das eine sehr große Freude, weil wir uns von Anfang an sehr gut verstanden haben.
Frage: Und jetzt drehen Sie wieder?
Antwort: Ja, mittlerweile den zwölften „Tatort“. Der elfte ist bereits abgedreht und kommt wahrscheinlich im Frühjahr ins Fernsehen.
Frage: Sie sind ja nicht nur Schauspielerin, sondern auch Musikerin und Sängerin. Ich habe mir mal ein paar Ihrer Musikvideos angeschaut und angehört. Großartig! Was treibt Sie da an?
Antwort: Vielen Dank! Ja, das ist meine ganz eigene kreative Ausdrucksform, wo mir gar niemand reinredet. Auch bei den Musikvideos führe ich immer selber Regie. Beim Film ist es eine Zusammenarbeit von vielen Leuten und bin ich abhängig vom Drehbuch und der Regie. Bei der Musik bin ich kreativ mein eigener Chef. Ich hatte meine erste Band mit 13. Das ist etwas, was ich schon immer gemacht habe und immer machen werde. Mittlerweile kann ich Musik und Schauspiel auch miteinander verbinden. Auf der Theaterbühne. Und für den „Tatort“ habe ich sogar schon mal einen Song komponiert.
Frage: Hatten Sie eigentlich Gesangsunterricht? Ist das in der Schauspielschule mit dabei?
Antwort: Ja, in der Schauspielschule ist Gesangsunterricht mit dabei. Aber ich hatte auch bereits mit 12, 13 Jahren angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen.
Frage: Sie wurden ja schon oft mit Amy Winehouse verglichen. Stört Sie das?
Antwort: Das hat abgenommen, seit sie leider gestorben ist. Für mich ist das ist immer noch ein sehr großes Kompliment. Sie war ja wirklich eine Wahnsinnskünstlerin.
Frage: Dann noch mal zurück zum Thema Weihnachten. Was bedeutet Ihnen Weihnachten und wie feiern Sie?
Antwort: Früher als Kind haben wir das immer traditionell mit der Familie gefeiert. Aber für mich ist Weihnachten jetzt nicht mehr so wichtig. Mit großem Baum und Geschenken und so, das mache ich schon lange nicht mehr. Ich feiere Weihnachten eher unkonventionell.
Frage: Im Weihnachtskrimi sagt die Enkelin des Patriarchen, ‚Weihnachten mit euch ist wie Folter‘. Haben Sie vielleicht noch ganz allgemein einen Tipp, was man Weihnachten tun oder lassen sollte, damit das Fest nicht aus dem Ruder läuft?
Antwort: (lacht) Hm, gute Frage. Ich glaube, das Problem bei diesen ganzen familiären Weihnachtsfeiern ist, dass unterdrückte Gefühle, die nie kommuniziert wurden, an so einem Abend rauskommen. Vielleicht hilft es ja, ein paar Leute von außerhalb der Familie dazu einzuladen. Als Puffer sozusagen. Und ansonsten – nicht zu viel Schnaps trinken!