Osnabrück  Mut zum Freisein: So verzaubert „Aladin und die Wunderlampe“ am Theater Osnabrück

Matthias Liedtke
|
Von Matthias Liedtke
| 03.12.2025 07:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Markt der Möglichkeiten: William Hauf als Aladin (von links) mit Stefan Haschke als Händler und Sascha Maria Icks als Bäckerin. Foto: Stephan Glagla
Markt der Möglichkeiten: William Hauf als Aladin (von links) mit Stefan Haschke als Händler und Sascha Maria Icks als Bäckerin. Foto: Stephan Glagla
Artikel teilen:

Alle Jahre wieder gibt es zur Adventszeit am Theater Osnabrück ein Stück für die ganze Familie. In diesem Jahr überrascht „Aladin und die Wunderlampe“ mit wenig Aufwand, aber viel Ertrag – und einer klaren Botschaft.

Viele Mädchen träumen davon, einmal im Leben eine Prinzessin zu sein. Dass das vielleicht gar nicht so erstrebenswert ist, und schon gar nicht ein Leben lang, ist nur einer von vielen kleinen Denkanstößen, die „Aladin und die Wunderlampe“ liefert. Marcelo Diaz hat Peter Raffalts Bühnenfassung des berühmten Märchens aus „1001 Nacht“ auf die Bühne des Theaters Osnabrück gebracht.

Im Unterschied zu vielen vorherigen Stücken, die dort alljährlich zu Beginn der Adventszeit Familien auf die Ränge und ins Parkett locken sollen, fällt diesmal auf, dass die Inszenierung fast gänzlich ohne Lichterzauber, Knalleffekte oder sonstigen technischen Schnickschnack auskommt. Ohne dabei aber seine Wirkung zu verfehlen. Ganz im Gegenteil: Die Konzentration auf Schauspiel lässt die Geschichte umso mehr leben.

Selbst auf den obligatorischen Ohrwurm für den Nachhausweg kann der Osnabrücker „Aladin“ verzichten. Anflüge von Gesang währen nicht lang und die Musik von Daniel Huss dient eher der rhythmischen Untermalung der Handlung, als dass sie für sich stehen würde. Allein Projektionen auf eine zweidimensionale Glaskugel dienen als eine Art optische Klammer. Der klare Fokus auf die Schauspielerei erweist sich am Ende als ebenso mutig wie lohnenswert – und passt damit ganz hervorragend zur Geschichte.

Denn sie handelt vom Mut, sich um der eigenen Freiheit willen Erwartungen entgegenzustellen. Da ist auf der einen Seite Prinzessin Jasmin, die sich im goldenen Käfig des Sultanspalastes fremdbestimmt und eingesperrt fühlt. Und auf der anderen der Schneidersohn Aladin, der zum Unverständnis nicht nur seiner Mutter nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, sondern Dichter werden möchte – am besten ein berühmter, um von seiner Kunst leben und der Armut entkommen zu können.

Durch einen Trick schafft es die eine, dem einengenden Palast kurzzeitig zu entfliehen und trifft auf dem Marktplatz den anderen, der sich gerade aus einer Höhle befreien konnte – mit Hilfe des leichtfüßig über die Bühne gleitenden Lampengeistes Dschinn (bei der Premiere am Ersten Advent gespielt von Sascha Maria Icks), der ihm als Diener alle Wünsche zu erfüllen hat. Dort hineingeraten war er durch einen vermeintlichen Onkel, welcher sich als böser Zauberer Dschafar entpuppt, der es eigentlich selbst auf die Wunderlampe abgesehen hatte.

Nachdem sich die beiden dann begegnet sind und buchstäblich auf den ersten Blick ineinander verliebt haben, macht sich Aladin (William Hauf) den willigen Gefährten zunutze, indem er sich Reichtum erwünscht – um vor dem gutgläubigen Sultan (Stefan Haschke) ein Argument für den „Erwerb“ von dessen Tochter Jasmin (Sonja Giesecke) vorweisen zu können. Wohl wissend, dass echte Liebe mit keinem Gold oder Geld der Welt aufzuwiegen ist.

Der Kampf um die Lampe mit den magischen Kräften, die der von Allmachtsphantasien getriebene Dschafar (Emil Schwarz) durch eine Finte zwischenzeitlich zu erobern vermag, endet in einem überraschenden Pakt. Und Aladin besitzt am Ende nur noch das Größte, was es gibt: Liebe und Freiheit. Das versteht im Theater am Domhof jedes Kind. Dank einer Inszenierung, die durchweg die richtigen Prioritäten setzt – ohne die phantastische Bild- und Farbsprache des reduktionistischen Bühnenbilds von Anja Furthmann schmälern zu wollen.

Kein Requisit zu viel, dafür aber einzelne Himmelselemente, die den Blick auf das Weite richten – inklusive eines mitunter doppelten Halbmondes auf Erden, auf dem sich der Sultan räkelt oder die Prinzessin Zwiesprache mit ihrer Zofe Fatima hält. Die Kinder im Publikum lachen instinktiv, als der „befiehlt“, seine Tochter freizugeben. Und freuen sich über ein Happy End, das mehr ist als nur das.

Es ermutigt dazu, nicht dem schönen Schein zu erliegen, sondern auf das Herz zu hören und gegen gesellschaftliche Zwänge und Widerstände selbstbestimmt den ganz eigenen Weg in die persönliche Freiheit zu gehen. Nicht nur dafür gibt es am Premierenabend tosenden Schlussapplaus - von allen Generationen.

Ähnliche Artikel