B 210 bei Jever Neue Blitzer sollen Raser ausbremsen
Sie sind jetzt scharf geschaltet: Fünf neue Blitzer sollen die B 210 zwischen Jever und Wilhelmshaven sicherer machen. Warum nie alle gleichzeitig aktiv sind – und es dennoch woanders blitzen kann.
Jever/Schortens - Längst nicht alle Verkehrsteilnehmer sind Fan der fünf neuen, stationären Blitzer entlang der Bundesstraße 210 – dabei sind sie vorrangig der Versuch, genau sie zu schützen. Ab sofort sind die Anlagen scharf geschaltet. Zu Beginn und am Ende der Strecke kündigt ein Hinweisschild die Blitzer an. Die B 210 zwischen Jever und Roffhausen mit dem Autobahnkreuz Wilhelmshaven ist sozusagen ein einziger Unfallschwerpunkt: „Auf der gesamten Strecke verteilt“, erläutert Dominik Tjaden, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, ereignen sich immer wieder teils schlimme Verkehrsunfälle. „Es zieht sich wie eine Perlenschnur an der B210 entlang.“ In der Vergangenheit war oft überhöhte Geschwindigkeit die Ursache dafür, dass Menschen verletzt wurden oder starben.
Die neuen Blitzer auf der B210 – die Standorte
Für viele Autofahrer von der Küste oder aus Richtung Wittmund und Aurich kommend ist die B 210 der schnellste Weg zur Autobahn. Geblitzt wird nun auf knapp zehn Kilometern Strecke aus Richtung Ostfriesland kommend ab der Abfahrt Jever-West in Höhe des Schurfenser Wegs, des Hookswegs, des Moorhauser Wegs sowie im Bereich des Autobahnkreuzes Wilhelmshaven. Die stationären Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung stehen zwischen den Ausfahrten, teilweise dort, wo das 2+1-System sich ändert – also dort, wo der zusätzliche Fahrstreifen endet und in entgegenkommender Fahrtrichtung beginnt.
Tempomessungen – Abzocke versus Sicherheit
Während eines Pressetermins in Roffhausen direkt neben der Fahrbahn taten einige Autofahrer laut hupend oder rufend ihre Meinung zu den neuen Anlagen kund. Dass sie damit vermutlich nicht ihre Begeisterung teilen wollten, ist auch Thorsten Hinrichs, Leiter Fachbereich Straßenverkehr beim Landkreis Friesland, klar. Er unterstreicht: Diese „massive Verkehrsüberwachung“ soll schwere und nicht zuletzt tödliche Unfälle vermeiden. Es geht um Sicherheit, nicht Einnahmen, betonen die Teilnehmer übereinstimmend, darunter Vertreter des Landkreises Friesland sowie Mitarbeiter des Herstellers Vitronic.
Die Kosten für die fünf Blitzer zwischen Jever und Roffhausen
Dass den Behörden in Bezug auf die Geschwindigkeitsmessungen immer wieder Abzocke vorgeworfen wird, ist angesichts der Summen, die für die Anschaffung der neuen Anlagen notwendig waren, zunächst nur wenig nachvollziehbar: Gut 450.000 Euro hat die Kreisverwaltung allein in die technische Ausstattung investiert. Weitere 90.000 Euro kosteten die Vorarbeiten wie das Gießen der Fundamente und das Verlegen der Stromkabel für die Anschlüsse, rechnet Hinrichs vor.
Fünf Blitzer, aber nur drei Messanlagen
Der Kreis Friesland hat angesichts der Kosten nur drei Messanlagen für fünf Geräte angeschafft – weil die Messanlagen das teuerste sind. Die mobile Technik wechselt in Zukunft mehr oder weniger regelmäßig den Standort, kündigt Hinrichs an. Wo die Einheiten gerade verbaut sind, soll möglichst geheim bleiben. Für viele Autofahrer reiche allein der Anblick der Anlage, um das eigene Tempo zu hinterfragen, weiß er: „Am Ende hat das ein bisschen mit Verkehrspsychologie zu tun.“ Um zu verhindern, dass die Fahrer in Höhe der stationären Anlagen abbremsen, zwischen den bekannten Standorten dann aber rasen, soll es auch weiterhin mobile Messungen geben. Unter anderem steht der Messanhänger, der sogenannte Enforcement Trailer, häufig in Höhe der Ausfahrt Schortens.
Wie schnell ist zu schnell – und wie teuer wird‘s?
Überall auf der betreffenden Strecke zwischen Wittmund und Roffhausen gilt für Autofahrer Tempo 100. Bei den Lastwagen ist das unterschiedlich: Zwischen Jever und Schortens gilt Tempo 60, ab Schortens aufgrund der baulichen Trennung der Fahrbahnen durch eine Leitplanke Tempo 80. Eine Toleranz von 3 Stundenkilometern Messungenauigkeit wird immer eingerechnet. Wie scharf die Messanlage eingestellt wird, entscheidet der jeweilige Betreiber. Generell gilt außerorts: Bis 10 km/h drüber werden 20 Euro fällig, bis 15 km/h kostet der Verstoß bereits 40 Euro. Bei maximal 20 km/h Überschreitung des Tempolimits liegt das Bußgeld bei 60 Euro, und darüber sind es dann schon 100 Euro und mehr. Danach drohen laut Bußgeldkatalog auch Fahrverbote.
Moderne Technik macht Randale zwecklos
Die Messungen werden von der Anlage übrigens direkt an den Betreiber übermittelt. „Eine Sabotage lohnt nicht“, sagt Thorsten Hinrichs. Das von der deutschen Firma Vitronic hergestellte Gerät kann zur Wartung heruntergefahren werden, ist sonst aber etwa drei Meter hoch. Schon die Höhe macht die Anlage vergleichsweise immun gegen Angriffe. Das ist anders als beispielsweise bei Säulen oder Messanhängern, in denen sich die Kamera meist auf Fahrzeughöhe befindet. Aufkleber und Farbschmierereien auf der Linse sind da keine Seltenheit, erzählt Tjaden. Diese seien aber schnell zu entfernen. Es gebe kaum Probleme mit Sachbeschädigung. Und das hat den einfachen Hintergrund, dass die Anlagen so robust sind: „Da kann ich einen Stein gegen werfen – da passiert nichts.“
Kontrollen ja – aber bitte nicht, wenn ich es eilig habe
„Jeder möchte die Geschwindigkeitsmessungen vor der eigenen Tür“, erzählt der Vitronic-Mitarbeiter Torsten Klinke und ergänzt. „Auf meinem Arbeitsweg aber bitte nicht.“ Dass nicht jeder Verständnis für seinen Job hat, damit könne er gut leben. Er führt eine Statistik ins Feld: Ein Verkehrstoter beschäftigt im Schnitt 100 Menschen, allein bei den Rettungskräften oder in der Justiz. Hinzu kommt das private Umfeld, das mit dem Verlust umgehen muss. „Wenn man das verhindern kann, ist das eine gute Sache.“