Osnabrück  Gemeinsam auf und ab: VfL-Dauerrivale SV Wehen Wiesbaden ist auch ein Angstgegner

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 05.12.2025 07:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wie begossene Pudel saßen die Profis des VfL Osnabrück schon einige Mal nach Spielen gegen den SV Wehen Wiesbaden da - zum Beispiel nach dem 2:6 am 6. März 2020. Foto: imago images/Revierfoto
Wie begossene Pudel saßen die Profis des VfL Osnabrück schon einige Mal nach Spielen gegen den SV Wehen Wiesbaden da - zum Beispiel nach dem 2:6 am 6. März 2020. Foto: imago images/Revierfoto
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Gegen keinen anderen Verein hat der VfL Osnabrück in den letzten 20 Saisons so oft gespielt wie gegen den SV Wehen Wiesbaden. Am Samstag (14 Uhr, Bremer Brücke) begegnen sich die beiden Klubs zum 33. Mal. Die Bilanz ist aus Sicht des VfL – erschreckend. Auch im eigenen Stadion.

Alles begann mit einem Aufstieg im Parallelschwung. In der Saison 2006/07, der vorletzten Spielzeit mit zwei Regionalligen vor Einführung der eingleisigen 3. Liga, schafften Osnabrück und Wehen den Sprung in die 2. Bundesliga: Der VfL als Vizemeister der Regionalliga Nord, hinter dem FC St. Pauli und nach einem dramatischen Saisonfinale mit dem 2:1-Zittersieg gegen RW Ahlen.  

Im Gegensatz zur Nordstaffel, in der sich zwei Traditionsklubs mit Strahlkraft und großer Fanbase durchsetzten, hängten in der Regionalliga Süd zwei sponsorenfinanzierte Dorfklubs die Konkurrenz um München 1860, 1. FC Saarbrücken, Kickers Stuttgart und Darmstadt 98 ab.

Die größere Aufmerksamkeit galt der TSG Hoffenheim, einem Stadtteilverein aus Sinsheim. Dort hatte der SAP-Milliardär Dietmar Hopp in dem Verein, für den er selbst in der Kreisliga gekickt hatte, die Regentschaft übernommen und finanzierte das in Deutschland damals einmalige Projekt in großem Stil.

Den Titelgewinn musste die TSG im Aufstiegsjahr jedoch dem SV Wehen überlassen. Der Verein aus dem Stadtteil von Taunusstein wurde seit 1982 von Heinz Hankammer großzügig unterstützt. Der Inhaber des Wasserfilter-Herstellers Brita finanzierte auch den Umzug ins nahe Wiesbaden, wo in knapp fünf Monaten die Brita-Arena entstand, die in der nüchternen Erscheinung und der begrenzten Kapazität manchem Fußball-Romantiker missfiel, aber durchaus zum Emporkömmling ohne Tradition passte.

Pünktlich zum Saisonbeginn 2007/08 war das neue Stadion nicht fertig, so dass der SV Wehen Wiesbaden – wie sich der Verein nun nannte – die ersten Spiele in der Frankfurter Arena bestritt. Die Heimspielpremiere des SVWW am 17. August 2007 war zugleich das erste Duell mit dem VfL Osnabrück: 4.500 Zuschauer, darunter 1.000 Lila-Weiße, sahen im renovierten ehemaligen Waldstadion (51.500 Plätze) ein 1:1. Das Tor für den VfL erzielte Thomas Reichenberger, der zu Beginn seiner Profilaufbahn von 1995 bis 1997 in Wehen gespielt hatte.

Seitdem haben die beiden Vereine mit zwei Ausnahmen in jeder Saison in derselben Liga gespielt; das laufende Spieljahr ist das 17. gemeinsame: Vier davon fanden in der 2. Bundesliga statt, in der 3. Liga begegnen sich VfL und SVWW im 13. Jahr. Die ernüchternde Bilanz vor dem Duell mit der laufenden Nummer 33:  Neun Osnabrücker Siegen stehen 17 Niederlagen gegenüber, bei sechs Unentschieden und einem Torverhältnis von 32:50 aus Sicht des VfL.

Auch an der Bremer Brücke ist die Bilanz (6 Siege, 3 Unentschieden, 7 Niederlagen; Torverhältnis 20:24) negativ.  Zur allgemeinen Stimmungsaufhellung sei hier erinnert an den letzten Heimsieg gegen den SVWW: 12.000 Zuschauer feierten am 25. Februar 2023 ein beeindruckendes 4:1 des VfL im Topspiel und den Sprung auf den Relegationsrang; Ba-Muaka Simakala, Lukas Kunze, Joker Henry Rorig und Robert Tesche erzielten die Tore, Sven Köhler war als Dirigent auf der Sechs der überragende Akteur.

Höher gewann der VfL gegen den Dauerrivalen nur am 12. September 2015: Im dritten Spiel unter Trainer Joe Enochs, der Maik Walpurgis abgelöst hatte, gelang der dritte Sieg mit dem neuen Coach: Beim 4:0 gegen Wiesbaden gab sein alter Teamkollege Wolfgang Schütte seinen Einstand als Co-Trainer. 7.300 Zuschauer sahen Tore von Marcos Alvarez, Christian Groß, Dave Pisot und Massimo Ornatelli.

Unter Flutlicht kassierte der VfL zwei schockartige Heimpleiten gegen den SVWW. Am 28. Juli 2017 lief der VfL im ersten Saisonspiel an der Bremer Brücke beim 0:4 ins offene Messer. Die Atmosphäre war geprägt durch den Stimmungsboykott der Osnabrücker Ultras, die damit gegen ein DFB-Urteil nach einer Pyro-Aktion protestierten. Den Schlusspunkt unter das Debakel setzte der eingewechselte Robert Andrich.

Denkwürdig in mehrfacher Hinsicht war das Duell am 6. März 2020. Als der VfL in der dritten Minute bei strömendem Regen und unter Flutlicht durch einen Kopfball von Benjamin Girth in Führung ging, glaubten viele an einen wertvollen Sieg im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Doch nach 15 Minuten, in denen kuriose Ausrutscher von Felix Agu und Kevin Wolze zu Torgeschenken wurden, lag der VfL 1:3 zurück; zur Pause stand es 1:4, am Ende 2:6.

Doch die Fans verabschiedeten ihr Team nicht mit Pfiffen, sondern mit Aufmunterung und – mit Blick auf das für das am folgenden Samstag angesetzte Derby in Bielefeld – mit „Auswärtssieg“-Rufen. Es sollte jedoch über ein Vierteljahr dauern, bis der VfL auf der Alm antrat und ein 1:1 erkämpfte – vor leeren Rängen am ersten Geisterspiel-Spieltag unter den Bedingungen, die die Corona-Pandemie erzwang.

Der Gleichschritt der beiden Klubs ist umso erstaunlicher, weil sowohl der VfL als auch der SVWW nach dem Vormarsch in der 2. Bundesliga aus unterschiedlichen Regionalligen kommend zweimal gemeinsam auf- und zweimal gemeinsam abgestiegen: 2008/09 und 2023/24 standen die Rivalen gemeinsam im Fahrstuhl nach unten, 2018/19 und 2022/23 ging es für beide nach oben.

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