Testkäufe im Landkreis Aurich So oft gab es Alkohol und Zigaretten für Jugendliche
Testkäufe zeigen, Jugendliche kommen in Aurich weiterhin an Alkohol und Tabakwaren. Besonders Automaten bereiten den Behörden zunehmend Sorgen.
Aurich - Noch immer bekommen Jugendliche unter 18 Jahren an zahlreichen Verkaufstellen im Landkreis Aurich Alkohol und Zigaretten verkauft, obwohl das gesetzlich verboten ist. Das haben die offiziellen Testkäufe des Landkreis Aurich in den Jahren 2024 und 2025 ergeben. Wie Kreisjugendpfleger Werner Voß im Kreis-Jugendhilfeausschuss berichtete, erhielten Jugendliche dabei in mehr als 30 Fällen Alkohol oder Tabakwaren. Neben den direkten Verkäufen an Jugendliche haben die Jugendschützer aber ein neues und wachsendes Problem: die Automatenverkäufe.
Aufgrund der dünnen Personaldecke bei der Polizei gab es im Jahr 2025 nur zwei Jugendschutzkontrollen an jeweils acht Verkaufsstellen – am 29. April in der Krummhörn und Hinte, am 12. August in Ihlow. In der Krummhörn und Hinte erhielten die Jugendlichen zweimal Tabak und zweimal Alkohol an Tankstellen und in Lebensmittelläden. In Ihlow erhielten die Testkäufer ebenfalls zweimal Alkohol in Lebensmittelläden und zweimal Tabakwaren an einer Tankstelle und einem Fachgeschäft für E-Zigaretten.
Verkäufer haben Ausreden parat
Im Jahr 2024 gab es insgesamt noch vier Kontrollen im Landkreis – am 12. März 2024 in Norden, am 16. April 2024 auf Norderney, am 15. Oktober 2024 in Großefehn und am 29. Oktober in Aurich. Das Resultat dieser Testkäufe war selbst für den Kreisjugendpfleger ernüchternd. In 23 Fällen erhielten die jugendlichen Testkäufer Alkohol und Zigaretten verkauft. Getestet wurde an Kiosken, in Supermärkten, an Tankstellen oder in anderen Verkaufsstellen wie Getränkemärkte oder Geschäfte für E-Zigaretten.
Um Ausreden waren die Verkäufer, die im Anschluss von den Kontrolleuren zur Rede gestellt wurden, nicht verlegen. Entweder hätten diese beim Geburtsdatum falsch gerechnet oder es seien zu viele Kunden im Geschäft und damit zu wenig Zeit für eine Ausweiskontrolle gewesen, erzählte Werner Voß.
Automaten werden immer größeres Problem
Ein viel größeres Problem als die Geschäfte sind für die Jugendschützer mittlerweile aber die Automaten. Mittlerweile stehen viele dieser Automaten am ZOB, an Schulen, an Jugendzentren oder stark frequentierten Stellen im Landkreis. Die Verwaltung hat mittlerweile mehr als 36 Standorte im Kreis gezählt, an denen mehr als 50 Automaten auf gestellt sind. Diese Zahl wachse aber weiter.
Auch diese Automaten werden laut Voß stichprobenartig geprüft. Das Ergebnis: Auch an diesen Automaten, die in der Öffentlichkeit stehen, wird Alkohol verkauft und ist somit auch für Jugendliche teilweise ohne Altersverifizierung zugängig. „Das stellt ein großes Problem dar“, sagte Voß. Auch auf nichtöffentlichen Flächen dürfe in Automaten kein Alkohol verkauft werden, betonte der Kreisjugendpfleger. Einige Automatenaufsteller versuchten, dieses Verbot zu umgehen, indem sie die Automaten in einen Container stellen, um so eine Art Verkaufsraum zu erschaffen. Denn in Verkaufsräumen hat der Gesetzgeber den Verkauf von Alkohol in Automaten erlaubt, erklärte Voß. Damit seien aber keine Überseecontainer gemeint, sondern kontrollierte Verkaufsräume. „Wer Alkohol in Automaten verkaufen möchte, kann das derzeit nur in Spielhallen oder ähnlichen Räumen verkaufen, in denen sich nur Erwachsene aufhalten“, sagte Werner Voß.
In Einzelfällen seien bei Automatenkontrollen aber nicht nur Alkohol, sondern auch verschreibungspflichtige oder apothekenpflichtige Medikamente sowie verbotene Vapes gefunden werden. Bei Verstößen, darauf wies Voß hin, drohen den Betreibern der Automaten empfindliche Strafen und Versiegelungen der Geräte. Von den in diesem Jahr angestrebten Ordnungswidrigkeitsverfahren in diesem Bereich würden derzeit noch fünf laufen.