Jubiläum  Luise Schmidt aus Rhauderfehn feiert 100. Geburtstag

Clarissa Scherzer
|
Von Clarissa Scherzer
| 07.12.2025 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Luise Schmidt lebt mittlerweile im Reilstift in Rhauderfehn. Am 7. Dezember 2025 feiert sie ihren 100. Geburtstag. Foto: Clarissa Scherzer
Luise Schmidt lebt mittlerweile im Reilstift in Rhauderfehn. Am 7. Dezember 2025 feiert sie ihren 100. Geburtstag. Foto: Clarissa Scherzer
Artikel teilen:

Luise Schmidt blickt auf ein Leben zwischen Landwirtschaft, Familie und Traditionen zurück. Für ihren 100. Geburtstag hat sie besondere Wünsche – und freut sich auf das Zusammensein mit den Liebsten.

Rhauderfehn - Am Sonntag, 7. Dezember 2025, feiert Luise Schmidt, geborene Poelmann, ihren 100. Geburtstag. Die gebürtige Collinghorsterin lebt seit 2020 im Reilstift Rhauderfehn und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Auch im hohen Alter ist die Seniorin weiterhin von Menschen umgeben und zeigt sich lebendig interessiert an allem, was passiert.

Luise Schmidt ist die drittälteste von sechs Kindern und hat selbst zwei Söhne. Als Ziehtochter nahm die Familie Schmidt Marianne Gruber auf, die damals sechs Wochen alt war. Sie wuchs bei der Familie auf und hielt stets den Kontakt zu ihrer Pflegemutter. Heute besucht Marianne Gruber ihre Pflegemutter regelmäßig, einmal in der Woche, im Reilstift. „Ich habe immer gearbeitet“, erinnert sich die heute 99-Jährige. „Wir hatten ein bisschen Landwirtschaft, Hühner, Kühe, Schweine.“ Sie beschreibt die harte Arbeit auf dem Land, das tägliche Leben in Großwolderfeld und die Mühen der Landwirtschaft. Die Heuernte im Sommer und das Anpflanzen von Roggen und Kartoffeln gehörten ebenso dazu wie die Pflege der Tiere und das Ernten von Gemüse im Garten.

Von der Molkerei bis zur Gaststätte

Luise Schmidt absolvierte keine formale Ausbildung. „Statt eine Ausbildung zu machen, sollten Frauen damals arbeiten, da für sie die Ehe vorgesehen war“, sagt sie nachdenklich. So arbeitete Schmidt viele Jahre in der Molkerei in Ihrhove, wo sie jeden Tag mit dem Fahrrad von ihrem Heimatort zur Arbeit fuhr. Ihre Aufgabe bestand darin, zu notieren, wie viel Milch die Bauern an die Molkerei lieferten. Später arbeitete sie auch in der Gaststätte Reepmeyer in Flachsmeer, wo sie oft gemeinsam mit ihrem Mann bei großen Festivitäten aushalf. Doch für Hobbys blieb damals keine Zeit.

„Mein schönstes Erlebnis im Leben war, dass ich meinen Mann Behrend gefunden habe. Der war schon gut.“ Die beiden heirateten 1946, und 1996 feierten sie ihre goldene Hochzeit. „Das war eine große Feier“, berichtet die Seniorin mit einem Lächeln. Gemeinsam lebten sie in Großwolderfeld, wo sie die Landwirtschaft betrieben und das Leben meisterten. Auch ihre Kinder wuchsen in dieser Zeit heran, die Erinnerung daran bleibt lebendig. Die Schule, die Luise Schmidt in Ihrhove besuchte, bleibt für die Seniorin ein wichtiger Teil ihrer Kindheit. Erinnerungen daran sind in ihrem Gedächtnis tief verwurzelt. Besonders das Rechnen hatte es ihr angetan. „Ich mochte alles an der Schule, vor allem das Rechnen“, erzählt sie. Doch in Erdkunde war sie nicht so gut. „Der Lehrer sagte zu mir: ‚Old Schläif. Hest nich uppasst.‘“ Das berichtet sie immer wieder lachend. Eine weitere Leidenschaft ihres Lebens war das Singen. Vor allem zu Weihnachten, wenn sie mit ihrer Mutter „Am Weihnachtsbaume, die Lichter brennen“ sang, bevor sie in die Kirche gingen oder wenn der Weihnachtsbaum zu Hause erleuchtet war. Das Singen war eine Tradition, die sie sehr schätzte.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart

In den 1960er Jahren half Luise Schmidt beim Torfstechen im Moor, und viele Erinnerungen an dieses harte Leben auf dem Land begleiten sie noch heute. Ihre Mutter verstarb bereits in den späten 1940er Jahren, doch ihre Oma Gertje Holtz wurde über 102 Jahre alt. Ein großes Vorbild für die heute 99-Jährige. Dreimal wurde über die damals älteste Einwohnerin des Oberledingerlandes in der Zeitung berichtet. Inzwischen lebt Luise Schmidt im Reilstift Rhauderfehn, wo sie auf ihre 100 Jahre zurückblicken kann. Ihr Zimmer ist schlicht, und der Alltag ist ruhig. „Hören, sehen und laufen kann sie nur noch eingeschränkt, es geht ihr aber ihrem Alter entsprechend gut“, sagt Marianne Gruber. Schmerzen habe sie keine. Doch trotz der körperlichen Einschränkungen ist Luise Schmidt zufrieden: „Ich kann nicht klagen“, betont die Seniorin. Am liebsten sitzt sie in ihrem Rollstuhl im Flur des Reilstifts und nimmt am Leben teil.

Für ihren 100. Geburtstag hat sie bereits klare Vorstellungen: „Eierlikör aus Schokobechern und Berliner von Brookmann. Das war letztes Jahr ein Highlight für alle hier“, erinnert sich Marianne Gruber an die letztjährige Geburtstagsfeier der Seniorin. Luise Schmidt wünscht sich, dass auch in diesem Jahr wieder Eierlikör in essbaren Schokobechern auf dem Tisch steht. Eine kleine, aber für sie bedeutende Tradition. Auch wenn ihr Geburtstag auf einen Sonntag fällt, werden Bekannte, Familie und Freunde zusammenkommen, um diesen besonderen Tag mit der Jubilarin bei Tee und Kuchen zu feiern. Denn das Wichtigste für Luise Schmidt ist das Zusammensein mit ihren Lieben. Auch Vertreter der Gemeinde Rhauderfehn werden Luise Schmidt voraussichtlich an ihrem Ehrentag zu ihrem Jubiläum gratulieren, so Gruber.

Blick zurück und nach vorn

Was bedeutet es, alt zu sein? Luise Schmidt ist nachdenklich: „Je nachdem, wie die anderen mit einem umgehen“, antwortet sie. Und fügt mit einem Blick auf ihr eigenes Leben hinzu: „Ich kann nicht klagen.“ Dennoch gibt es auch Momente der Einsamkeit, wie sie berichtet. Die Seniorin sagt: „Man wartet an manchen Tagen nur darauf, dass es Essen und Tee gibt.“ Wenn die 99-Jährige könnte, würde sie gerne die Zeit zurückdrehen.

„Möchtest du noch mal jung sein?“, wird sie gefragt. „Ja, warum nicht? Noch mal zwanzig sein,“ antwortet die Seniorin fröhlich. Als junge Frau ging sie gerne zum Schützenfest nach Glansdorf, wo sie tanzte und das Leben genoss. „Das war immer so schön dort. Wenn ich wieder jung wäre, würde ich jetzt noch mal dort feiern und tanzen gehen.“

Ähnliche Artikel