Eiserne Hochzeit In New York geboren, in Hesel die Liebe gefunden
Ein Junge aus New York und ein Mädchen aus Pommern verlieben sich in Hesel? Wilfriede und Arnold Leerhoff öffnen ihr Fotoalbum – und erzählen von Momenten des Glücks in ihren 65 gemeinsamen Ehejahren.
Hesel - „Wir haben uns nicht gesucht, aber gefunden“, sagt Arnold Leerhoff. Dass er und seine Frau Wilfriede Leerhoff, von allen Friedchen genannt, sich gefunden haben, ist auf den ersten Blick erstaunlich. Und doch feiern die beiden an diesem Mittwoch, 10. Dezember 2025, ihre eiserne Hochzeit und viele glückliche Ehejahre zusammen. Davon zeugen zahlreiche Bilder im Wohnzimmer des Ehepaares – ganz zu schweigen von den Erinnerungen, in denen die beiden strahlend schwelgen. Es wirkt wie Schicksal, dass der Junge aus New York und das Mädchen aus Pommern sich in Hesel getroffen, verliebt und geheiratet haben.
Aus den USA und durch die Kriegswirren nach Hesel
„Ein Leben hat Höhen und Tiefen“, sagt Arnold Leerhoff. Ein stetes Glück war für ihn Friedchen Leerhoff: „Die beste Frau, die ich mir wünschen konnte, für 70 Jahre an meiner Seite zu haben.“ Aber es waren Tragödien, die die Wege von Arnold und Friedchen nach Hesel und schließlich zueinander führten. Arnold Leerhoff ist in New York geboren. Als sein Vater früh verstarb, zog seine Mutter mit ihm und seinen zwei Brüdern zurück nach Hesel. Arnold Leerhoff besuchte hier die Schule und ging in Leer als Tischler in die Lehre.
Friedchen Leerhoff, geborene Kell, floh in den Kriegswirren mit ihrer Familie aus Pommern. „Ich war sieben Jahre alt. Zu Fuß sind wir bis nach Schwerin gelaufen“, erinnert sich die heute 87-Jährige. In Rendsburg machte sie ihren Schulabschluss. Schließlich über eine Bekannte ihrer Eltern kam sie nach Hesel. Hier arbeitete sie als Köchin im Kinderheim „Am Walde“.
„Ich wusste vom ersten Tag an, dass es passt“ – Spazieren im Wald
„Kloster Barthe war damals der Treffpunkt der Jugend“, so der 92-Jährige. Es gab weder ein Tanzlokal noch eine Disco in Hesel. Und so haben sich Friedchen Kell und Arnold Leerhoff das erste Mal vor sieben Jahrzehnten bei einem Spaziergang getroffen. „Ich wusste vom ersten Tag an, dass es passt“, sagt der Ehemann. „Wir haben uns danach weiter getroffen, in unserer Freizeit, abends und am Wochenende.“ Die einzige Möglichkeit im Sommer tanzen zu gehen, war damals das Schützenfest in Hesel.
Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ging es auch manchmal nach Schwerinsdorf. Das Fahrrad hatte Friedchen Leerhoff zur Konfirmation bekommen und mit nach Hesel genommen. „Das war unsere einzige Möglichkeit von A nach B zu kommen. Der Gepäckträger war nicht allzu bequem“, sagt Arnold Leerhoff und lächelt verschmitzt. Gerne fuhr das Paar auch mit der Kleinbahn an den Wochenenden nach Leer ins Deli Kino. In der letzten Sitzreihe saßen sie am liebsten.
Paar durchlebte Zeit der Trennung – Postkarten geschrieben
Wie ernst es den beiden war, wurde auf die Probe gestellt: Friedchen Leerhoff zog es beruflich nach Bad Salzuflen, um in einer Hotelküche zu arbeiten. Eine fünfstündige Zugfahrt entfernt. „Das war für uns keine schöne Zeit der Trennung“, erinnert sich Arnold Leerhoff. In dem Jahr schickte sich das spätere Ehepaar gegenseitig Postkarten.
Nach einem Jahr kam die 87-Jährige wieder näher nach Hesel und arbeitete in Oldenburg. In der Zwischenzeit machte sich Arnold Leerhoff gemeinsam mit einem seiner Brüder, Bernhard Leerhoff, selbständig. 1957 gründeten die beiden Tischler zusammen in Hesel einen Zwei-Mann-Betrieb.
Hochzeit mit Plattenspieler gefeiert
1959 war es dann soweit: Das Paar verlobte sich. Im Dezember 1960 wurde geheiratet – zur Trauung und zum Standesamt fuhr Bernhard Leerhoff das Hochzeitspaar im neuen Firmenbulli. Etwa 30 Gäste kamen zur Feier. „Getanzt haben wir zum Plattenspieler“, erinnert sich die beiden. In den folgenden Jahren baute das Paar ein Eigenheim und bekam zwei Kinder. „Aus dem Acker hinterm Haus haben wir einen Rhododendronpark gemacht“, erzählt der 92-Jährige – ein Hobby, das er mit seiner Frau teilt. Oft haben die beiden zusammen im Garten gearbeitet, auch mithilfe von Sohn und Tochter. „Wir hatten damals keinen Fernseher oder Telefone. Aber auch eine einfache Zeit kann schön sein“, sagt Arnold Leerhoff.
Währenddessen entwickelte sich die Firma der Brüder immer weiter. In 40 Jahren wurde aus der Zwei-Mann-Tischlerei die Möbelwerkstatt Leerhoff mit 15 Mitarbeitern. „Ich hatte das große Glück, dass Friedchen mir immer den Rücken freigehalten hat – Haus, Kinder und alles, was dazugehört“, sagt Arnold Leerhoff dankbar. Noch heute ist das Haus voller selbst gemachter Dinge: einem Adler aus Eichenholz, einem Stammbaum, auf dem alle Namen der Kinder, fünf Enkel und neun Urenkel stehen, und die Tür, die Arnold Leerhoff auch selbst geschnitzt hat. Auch im hohen Alter liebt er es mit Holz zu arbeiten. Seinen Enkeln hat er Wickelkommoden für deren Kinder angefertigt – die letzte erst im vergangenen Jahr.
Vom Glück und von der Würze
Friedchen Leerhoff hat aus ihrem Beruf auch etwas mit in die Ehe gebracht: „In 65 Jahren kam nie etwas auf den Tisch, das nicht geschmeckt hat“, betont Arnold Leerhoff. Das größte Glück ist für die Leerhoffs die Familie. Stolz und voller Liebe erzählen die beiden von ihren Urenkeln: „Mit ihnen ist es etwas ganz Besonderes“, sagt Friedchen Leerhoff und lächelt. Die schönsten Erinnerungen, da ist die Antwort schnell gefunden: „Mit unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln.“
Dazu zählen zum Beispiel die gemeinsamen Urlaubsfahrten – zunächst mit den Kindern durch Deutschland und Österreich, später zur Silbernen und Goldenen Hochzeit nach Gran Canaria. Einmal reiste Arnold Leerhoff mit seinem Sohn nach Kanada, um seinen Bruder Georg ein letztes Mal zu sehen.
Und ihr Tipp für eine glückliche Ehe? „Es kommt immer auf den richtigen Partner an. Auch mal streiten gehört dazu – das ist die Würze in einer Ehe. Aber am Ende muss man bereit sein, nachzugeben“, sagt Arnold Leerhoff, schaut zu seiner Frau und lächelt. Für ihre Enkel und Urenkel wünschen sich die beiden, dass sie ebenso glücklich und zufrieden durchs Leben gehen, wie sie selbst.
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