Osnabrück Kreisliga Osnabrück Nord: Spannung garantiert, zwei Traditionsvereine wanken bedenklich
Das Kalenderjahr 2025 ist für die Osnabrücker Amateurfußball unter freiem Himmel endgültig in den Büchern - höchste Zeit für die NOZ-Medien, einen jeweils fünfteiligen Blick auf die Hinserie der laufenden Spielzeit zu werfen. Die Kreisliga Süd kommt als spannende Spielklasse daher, der ein herausragendes Team jedoch fehlt.
Realistisch betrachtet gibt es in der Kreisliga Nord vier Teams, denen die Meisterschaft zuzumuten ist: Der TV 01 Bohmte (38 Punkte) geht als Tabellenführer in den Winter, die Verfolger Eintracht Neuenkirchen (34), BW Hollage II (32) und TSV Wallenhorst (31) lauern in erreichbarer Nähe. Der Meisterschaftskampf im Nordkreis könnte sich zur spannendsten und langwierigsten Entscheidung des Osnabrücker Amateurfußballs entwickeln.
Ein nennenswertes Manko verbindet jedoch alle vier Aspiranten: Kein Team hinterließ in der Hinserie den nachhaltigen Eindruck, in der Breite über ausreichend Qualität für die Bezirksliga zu verfügen. Am ehesten ist dieser Sprung dem TV 01 Bohmte mit seiner vielbeinigen Offensivabteilung, aber einer alles andere als sattelfesten Defensive zuzutrauen. Es ist für eine der ältesten Mannschaften der Liga eine der letzten, vielleicht die letzte Möglichkeit, in dieser Zusammenstellung noch einmal im Bezirk auflaufen zu können.
„Der Mann mit dem goldenen Colt“ ist ein alter James-Bond-Film, der TV 01 Bohmte besitzt „den goldenen Kolb“: Stani Kolb schlüpft in die Rolle von Roger Moore und erlebt im goldenen Fußballeralter von 36 Jahren seinen zweiten Frühling - er ist der Anführer der oben angesprochenen „vielbeinigen Offensivabteilung“. Der wieselflinke Stürmer trifft vor allem in den wichtigen Partien und Momenten: Gegen alle drei Verfolger war Kolb spielentscheidend erfolgreich, in sechs Duellen erzielte er die wichtige 1:0-Führung. Der beeindruckend fitte Routinier führt nicht nur die Torschützenliste an, sondern ist auch der größte Hoffnungsträger für die Bohmter Meisterschaftsambitionen.
Im Gegensatz zur Kreisliga Süd besitzen alle vier Aufsteiger der Nordstaffel die Möglichkeit auf den Klassenerhalt. Überzeugend war die Hinrunde des TuS Haste, der viele Duelle gegen eine unter ihm stehende Mannschaft gewinnen konnte. Während der SSC Dodesheide II und der Quakenbrücker SC noch unter Formschwankungen leiden, pirscht sich GW Schwagstorf beinahe wöchentlich intensiver an das Kreisliga-Niveau heran: Angeführt von Carlos Wencker überzeugte die Mannschaft ab Mitte Oktober und besitzt als Außenseiter mittlerweile realistische Chancen, in der Liga zu bleiben.
Allerdings verdanken die Aufsteiger ihre Klassenerhalts-Chancen zwei namhaften Vereinen, die in der Hinserie arg ins Wanken geraten sind. Der FC SW Kalkriese und der SC Rieste stehen ohne größere Vorwarnung, aber mit vollkommener Berechtigung am Tabellenende und in der Rückserie unter Zugzwang. Während bei beiden Teams der Schuh in der Offensive drückt, fällt beim letztjährigen Rückserienmeister (!) aus Rieste die Defensive ab: Drei Gegentore pro Spiel zeugen von schlichtweg fehlender Qualität. Die „halbe“ Enttäuschung ist der Siebtplatzierte TuS Bad Essen - allerdings ist der bisher schwächere Saisonverlauf phasenweise erklärbar: Erst fünf Spiele gingen auf heimischen Geläuf über die Bühne, die chronische Schwäche gegen kampstarke Gegner hält allerdings auch 2025 weiter an.
Anders als in den Vorjahren wurden im Herbst 2025 viele Spiele der Kreisliga Nord witterungsbedingt abgesagt. Die Diskrepanz zwischen der Spielvereinigung Fürstenau (17) und dem SC Rieste (13) beträgt bereits jetzt vier Partien, die Tendenz ist erfahrungsgemäß im März ansteigend. Nur fünf der 16 Clubs verfügen über die Möglichkeit, ihre Partien auf Kunstrasen auszutragen. Im Falle eines nassen Monats März geht diese Schere immer weiter auseinander, mögliche Wettbewerbsnachteile inbegriffen. Rieste und Bad Essen haben weiterhin als die Mannschaften mit den wenigsten Partien beinahe alle auswärtigen Kunstrasenspiele bereits absolviert. Beiden Vereinen droht der Worst-Case mit einer enormen Belastung von bis zu 17 Spielen in neun Wochen.