Wohnungsnot Immer weniger bezahlbare Wohnungen in Aurich
Das Problem des knappen bezahlbaren Wohnraumes ist der Stadt Aurich bekannt. Im nächsten Jahr wird sich der Bestand an Wohnungen mit Mietpreisbindung noch verringern. So will die Stadt gegensteuern.
Aurich - Auch wenn die Mietpreise in Aurich im letzten Jahrzehnt nicht so explodiert sind wie in Großstädten, beobachtet die Stadt „eine spürbare Verknappung von bezahlbarem Wohnraum“, so Pressesprecher Cord Cordes. Aufgefallen ist das durch vermehrte Anfragen nach Mietwohnungen sowie eine wachsende Warteliste.
Die Mietpreise in Aurich sind von 2010 bis 2024 weniger stark angestiegen als im Bundesdurchschnitt. Eigentlich ein Grund zur Freude – allerdings werde der Wohnraum, der noch bezahlbar ist, immer weniger, so Cordes. Ein Problem, das vor allem Haushalte mit geringem Einkommen betrifft. Derzeit gibt es in der Stadt laut Cordes 69 Wohnungen, die vom Land Niedersachsen gefördert wurden. Das führt dazu, dass sie einer Sozialbindung, also unter anderem einer befristeten Mietpreisbindung unterliegen. Die Mieten dürfen dann nur bis zu einer festgelegten Höhe steigen, sodass sie für Mieter mit Wohnberechtigungsschein geeignet sind.
Projekt „ISA“ soll Wohnungsnot entgegenwirken
Ab Anfang nächsten Jahres läuft laut Cordes ein Teil dieser Bindungsfristen aus. Somit werden diese Wohnungen wieder dem regulären Markt zugänglich. Ob die Mieten dann angehoben werden, müssten die Vermieter selbst entscheiden. Denn all diese 69 Sozialwohnungen befinden sich derzeit in Privateigentum. Außerdem unterliegen sie dann zwar nicht mehr den Förderauflagen, allerdings muss sich jeder an die gesetzlichen Möglichkeiten halten. „Eine Verknappung nach bezahlbarem Wohnraum, die die Notwendigkeit einer aktiven Wohnungspolitik unterstreicht“, bilanziert Pressesprecher Cord Cordes.
Um etwas gegen diese Wohnungsnot für einkommensschwache Haushalte zu tun, hat die Stadt die „ISA“ gegründet. Die Abkürzung steht für Immobilien Stadt Aurich GmbH & Co. KG. Mit dieser Wohnungsbaugesellschaft will die Stadt ihre eigenen Wohnungen sanieren oder neuen Wohnraum schaffen, der für Personen mit Wohnberechtigungsschein geeignet ist. Ihre Gründung ist laut Kämmerin Katja Lorenz inzwischen vollzogen, die Politik hat in allen nötigen Gremien der Übertragung von 54 Immobilien – in der Regel bebaute Grundstücke – in Erbpacht zugestimmt. Für diese Übertragung muss die ISA der Stadt im kommenden Jahr „formal“ rund 3,5 Millionen Euro überweisen. Dafür bekommt die ISA einen Konzernkredit von der Stadt. Sie bekommt allerdings dann auch die Mieteinnahmen aus den Objekten – und kann mithilfe der Stadt günstige Darlehen aufnehmen. Somit wird sie handlungsfähig, um Sanierungen und Neubauprojekte wie am Schlehdornweg/Hohegaster Weg anzugehen.
Neue Angebote entstanden meist über Quoten im Bebauungsplan
Ab Anfang nächsten Jahres soll die Gesellschaft starten, bestätigt Pressesprecher Cord Cordes. Die Aufgaben sind überschaubar: bestehenden Wohnraum sanieren und neuen, bezahlbaren Wohnraum errichten. Derzeit sind das noch Aufgaben der Stadt Aurich. Gelungen ist die Errichtung von neuem bezahlbarem städtischem Wohnraum in den vergangenen zehn Jahren aber nur in der Norderstraße. Ansonsten entstand in Aurich sozialer und bezahlbarer Wohnraum nur durch Investoren und entsprechende Quotenauflagen in neuen Bebauungsplänen, beispielsweise an der Skagerrakstraße oder an der Großen Schlinge in Sandhorst. Zugleich mehrte sich die Kritik, dass die Stadt ihre eigenen teils sehr alten Immobilien nicht ausreichend in Schuss hielt beziehungsweise planvoll sanierte.
Stadt führt Warteliste
Die künftigen Wohnungen werden laut Cordes vorrangig an Familien und Personen mit einem Wohnberechtigungsschein vermietet. Die Ausstellung eines solchen Scheins hängt von der Höhe des Einkommens ab. Personen, die auf Wohnungssuche sind, können sich durch das Ausfüllen einer Selbstauskunft auf eine Liste setzen lassen. Dadurch werden sie bei zukünftigen Vergaben von Wohnungen berücksichtigt.
Grund für das Projekt sind schnellere und flexiblere Umsetzungen, so Cordes. Durch die eigene Rechtspersönlichkeit bleibt die strategische Ausrichtung in städtischer Hand, während die „ISA“ selbständiger agieren kann. Außerdem sollen die Gewinne sofort in Sanierungs-, Neubau- und Modernisierungsprojekte investiert werden können.