Berlin  Warum Markus Söder plötzlich Merz in Schutz nimmt

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 12.12.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Markus Söder lobt die schwarz-rote Bundesregierung und nimmt Friedrich Merz in Schutz. Ist das nur vorweihnachtliche Milde oder steckt mehr dahinter? Foto: Sven Hoppe/dpa
Markus Söder lobt die schwarz-rote Bundesregierung und nimmt Friedrich Merz in Schutz. Ist das nur vorweihnachtliche Milde oder steckt mehr dahinter? Foto: Sven Hoppe/dpa
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Markus Söder isst und singt weniger in den sozialen Medien. Und in Berlin ist er voll des Lobes für die schwarz-rote Koalition. Das hat einen Grund.

Auf die Frage, wie oft sich CSU-Chef Markus Söder noch neu erfinden kann, wird es so schnell keine Antwort geben. Sein Repertoire scheint unendlich zu sein. Weil er es nicht nur aus Sicht von Robert Habeck, der ihm ein „fetischhaftes Wurstgefresse” unterstellte, mit dem Essen und Singen in den sozialen Medien etwas übertrieben hatte, hält er sich damit neuerdings zurück. Der neue Söder schlägt vor allem in Berlin versöhnliche Töne an. 

Nach dem letzten Koalitionsausschuss war er es, der der Koalition bescheinigte, die richtigen Weichen zu stellen und „am laufenden Band zu liefern”. Er, der 2021 keine Gelegenheit ausließ, den damaligen Kanzlerkandidaten der CDU, Armin Laschet, alt aussehen zu lassen, verwahrt sich heute gegen „Merz-Bashing”. Wie ein Leibwächter stellt sich der CSU-Chef vor dem CDU-Kanzler auf. Dass er damit dazu beiträgt, Merz nebenbei ein bisschen schwach aussehen zu lassen, dürfte ihm gefallen. Söder ist schließlich noch immer Söder.  

Vor allem verdeckt es aber, dass es die Lieblingsprojekte des CSU-Chefs sind, die der CDU das Verhandeln mit der SPD in der Bundesregierung nicht leichter machen. Wer die Ausweitung der Mütterrente für unverhandelbar erklärt, kann von der SPD schlecht Zugeständnisse beim Rentenniveau verlangen. Und die milliardenschwere Absenkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie hilft auch nicht als Argument dafür, an anderer Stelle den Gürtel enger zu schnallen.

Während Söder in Berlin die Preise hochtreibt, rühmt er sich in Bayern dafür, keine neuen Schulden zu machen. Dass es wenig „CDU pur” in den Koalitionsvertrag geschafft hat, ist dem „CSU pur” an anderer Stelle geschuldet. Die freundliche Begleitung der Bundesregierung durch Söder ist teuer erkauft. 

In der CSU ist er an der Spitze weiterhin unangefochten. Weit und breit niemand, der ihm Konkurrenz macht. Die Frage ist, wie lange das noch so bleibt. Söder sieht sich ganz sicher nach wie vor als möglicher Kanzler in Reserve, sollte Merz vorzeitig scheitern oder altersbedingt nicht allzu lange im Amt bleiben. Dass Söder dann doch noch zum Zuge kommt, ist wegen der Vorbehalte gegen ihn in der CDU allerdings sehr unwahrscheinlich.

In Berlin macht derweil ein anderer CSU-Mann von sich reden: Alexander Dobrindt hat sich als Garant für die Migrationswende etabliert und ist über Unionskreise hinaus weithin geschätzt und respektiert. Bleibt das so, wäre er der geborene Nachfolger für Söder an der Spitze der CSU – wenn nicht sogar ein geeigneterer Kanzlerkandidat als Söder selbst.

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