London Rekord bei Darts-WM: Das sind die deutschen Hoffnungsträger
Die Darts-WM in London ist seit Donnerstag in vollem Gange, insgesamt greifen auch acht Deutsche ins Geschehen ein. Wir stellen sie vor.
Seit Donnerstag fliegen im Londoner Alexandra Palace („Ally Pally“) wieder die Pfeile: Die Darts-WM 2026 ist gestartet – und ist größer denn je. Bei der 33. Auflage der Professional Darts Corporation (PDC) nehmen erstmals 128 Spieler teil – dem Sieger winken eine Million Pfund (1,1 Millionen Euro) an Preisgeld (Sport1 und DAZN übertragen live).
Auch aus deutscher Sicht gibt es einen Rekord: Acht Spieler kämpfen um Preisgeld und Titel, so viele wie nie zuvor. Doch wer sind sie, und wie stehen ihre Chancen? Unsere Redaktion stellt sie vor.
Der erste deutsche Spieler machte bereits am Donnerstag den Auftakt: Arno Merk bestritt das WM-Eröffnungsspiel – und sorgte für die erste große Überraschung. Denn der 33-Jährige schaltete in der 1. Runde den favorisierten Belgier Kim Huybrechts aus. Mit 3:1 in Sätzen gewann der Deutsche, der sich über die Super League (das nationale Qualifikationsturnier) die WM-Teilnahme gesichert hatte.
Für Merk, der bisher kaum auf der Profi-Tour auftauchte, ist es die erste Teilnahme bei einer WM, der Sieg gegen Huybrechts der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere. Sein nächstes Spiel absolviert der Niedersachse am 23. Dezember. Gegner ist dann der Sieger der Partie zwischen dem Schotten Peter Wright oder der Niederländerin Noa-Lynn van Leuven, eine von fünf Frauen im Starterfeld. Vor allem gegen den zuletzt schwächelnden Wright, immerhin zweimaliger Weltmeister, wäre Merk erneut krasser Außenseiter – aber nicht chancenlos.
Er ist der erfolgreichste deutsche Spieler bei einer WM: Gabriel Clemens nimmt bereits zum achten Mal beim Turnier im Londoner „Ally Pally“ teil. Und der „German Giant“ machte seinem Spitznamen im Januar 2023 alle Ehre. Denn damals erreichte der Saarländer sensationell das Halbfinale. Dort unterlag er dem späteren Weltmeister Michael Smith. Bis heute ist Clemens‘ Halbfinaleinzug die beste Platzierung eines Deutschen.
Aktuell ist vom Glanz dieser Tage nicht viel zu sehen. Clemens ist auf Platz 47 der Order of Merit (die offizielle Darts-Weltrangliste) abgerutscht. „Dat Jahr war beschissen. Das kann man nicht viel anders sagen. Wenn ich wüsste, was ich ändern kann, könnte ich es ändern“, sagte der 42-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
Im vergangenen Jahr scheiterte er bereits in seinem Auftaktspiel. Am Samstagabend ist Clemens gegen den US-Amerikaner Alex Spellman gefordert. Trotz seiner verkorksten Saison ist er klarer Favorit.
Am Sonntag greift mit Lukas Wenig bereits der dritte Deutsche ins Geschehen ein. Der 31-Jährige spielt bei seinem WM-Debüt gegen Niederländer Wesley Plaisier. Auch für Wenig ist es der allererste Aufritt bei einer WM.
Der Marburger erlebte ein durchwachsenes Jahr, brachte sich aber rechtzeitig zum Highlight des Jahres in Form. Wozu er zu leisten imstande ist, zeigte „Luu“ vor wenigen Wochen beim Grand Slam of Darts, wo er sich sensationell ins Viertelfinale spielte. Gegen Plaisier ist alles drin, bei einem Sieg könnte das Duell mit Ex-Weltmeister Gerwyn Price warten.
Er war jahrelang das Gesicht des Darts in Deutschland: Max Hopp feierte bereits 2013 sein WM-Debüt – im Alter von nur 16 Jahren. 2015 gewann der „Maximiser“ zudem die Junioren-WM. Der ganz große Durchbruch blieb dem Wiesbadener allerdings verwehrt, weiter als in die dritte Runde ging es bei der WM bisher nie.
In den vergangenen Jahren wurde es ruhig um den heute 29-Jährigen. Er verlor den Anschluss an die Darts-Weltspitze, spielte mehrere Jahre nur unterklassige Turniere. Er verlor zudem seine Tour Card, die ihn zur Teilnahme an den Profi-Turnieren berechtigt. Doch im Januar 2025 holte Hopp sich diese zurück und krönte seinen Aufwärtstrend mit der Qualifikation für seine neunte WM – damit ist er deutscher Rekordteilnehmer.
Am Montag, 15. Dezember startet er gegen den Engländer Martin Lukeman ins Turnier. Ein Einzug in die dritte Runde ist auch in diesem Jahr durchaus drin. Dort würde dann wahrscheinlich mit Chris Dobey (Platz 8 der Weltrangliste) ein echtes Schwergewicht warten.
Er ist die deutsche Nummer zwei: Ricardo Pietreczko ist aktuell 33. der Weltrangliste und stand im vergangenen Jahr als einziger Deutscher im Achtelfinale. Der 31 Jahre alte Berliner mit dem Spitznamen „Pikachu“ hat sich in der erweiterten Weltspitze etabliert.
Pietreczko geht als Favorit in sein Auftaktspiel am Dienstagabend (16. Dezember) gegen den Portugiesen José de Sousa. Ein Lauf wie im vergangenen Jahr ist „Pikachu“ durchaus zuzutrauen.
Auf ihn sollten die deutschen Darts-Fans ganz genau schauen: Niko Springer gilt als der neue deutsche Hoffnungsträger. Der „Meenzer Bub“ gewann direkt in seinem Debüt-Jahr als Profi einen Titel auf der European Tour – als erst vierter Deutscher überhaupt. Auf dem Weg zum Titel besiegte er unter anderem Luke Humphries, die Nummer zwei der Weltrangliste.
Bei seinem WM-Debüt im vergangenen Jahr scheiterte Springer noch in der ersten Runde, gegen den Australier Joe Comito ist er am Dienstagabend klarer Favorit. Behält der 25 Jahre alte Mainzer die Lockerheit auf der großen Bühne, ist ihm viel zuzutrauen. Allerdings wartet wahrscheinlich in Runde zwei mit dem Nordiren Josh Rock einer der Geheimfavoriten.
Am Mittwochabend (17. Dezember) greift dann auch die deutsche Nummer eins ins Turnier ein: Martin Schindler hat sich mit konstanten Leistungen in die Weltspitze gespielt. Der Strausberger kletterte in diesem Jahr bis auf Platz 13 der Weltrangliste, so hoch wie kein Deutscher zuvor.
In London will „The Wall“ sein starkes Jahr krönen. Im vergangenen Jahr scheiterte Schindler in seinem Auftaktspiel, weiter als bis in die dritte Runde ging es für den 29-Jährigen bisher nicht. Gegen den Engländer Stephen Burton ist der Deutsche klarer Favorit, auch sonst für Schindler viel möglich.
Mit 23 Jahren ist Dominik Grüllich der jüngste Deutsche im Teilnehmerfeld. In seinem Debütjahr auf der Pro Tour gelang ihm im April sogar fast der erste Turniersieg, er musste sich im Finale allerdings Jonny Clayton geschlagen geben.
Bei seiner ersten WM-Teilnahme trifft Grüllich, der aus Wolnzach stammt, auf den Niederländer Jermaine Wattimena. Ein Sieg wäre eine große Überraschung.