Osnabrück Nervenkitzel, Komik, Eleganz: Roncalli feiert umjubelte Galapremiere 2025 in Osnabrück
Der Roncalli Weihnachtscircus 2025 in Osnabrück ist gestartet. Mit Clowns, Luftakrobatik und Live-Musik erlebt Osnabrück einen Abend, der ohne große Gesten auskommt – und gerade deshalb lange nachhallt.
Schon beim Betreten der Halle liegt ein besonderer Zauber in der Luft. Der Holzsteg vibriert leicht unter den Füßen, es riecht nach Popcorn und die Vorfreude ist zu spüren. Am Samstagabend startete Roncallis Weihnachtscircus – und Osnabrück taucht für einige Stunden in eine andere Welt ein.
Zum zehnten Mal gastiert Bernhard Paul mit dem Roncalli Weihnachtscircus in Osnabrück. Der 78-jährige Zirkusdirektor steht im Halbdunkel der Manege und wirkt wie jemand, der einen vertrauten Ort betritt. Offiziell ist Roncalli längst Teil der Stadt: Oberbürgermeisterin Katharina Pötter erklärte die Wagenburg bereits zum „24. Stadtteil Roncalli“, Ortseingangsschild inklusive.
Unter der Kuppel versammelt Paul ein internationales Ensemble, das Auszeichnungen von Monte Carlo bis Peking mitbringt. Und den Boden der Friedensstadt mit der gleichen Aufmerksamkeit betritt wie ein frisch poliertes Parkett. Tierisch gut, auch ohne Tiere.
Den Auftakt gestalten die drei Clowns Gensi, Oriolo und Matute. Mit feinem Humor, direktem Spiel und viel Publikumsnähe führen sie durch den Abend. Besonders Matute überzeugt mit ungefilterter Offenheit und körperlichem Einsatz – eine Mischung aus Rocky Balboa und Louis de Funès. Bis zum Schlusstusch spielen die drei Schelme mit dem Publikum.
Zwischen den clownesken Szenen hebt die Manege ab. Das Strapaten-Duo Turkeev schwebt nahezu lautlos durch die Höhe. Nur das leise Surren der Seile verrät die körperliche Anstrengung hinter der Eleganz.
Zhenyu Li balanciert auf schwankenden Stäbchentürmen und scheint dabei die Schwerkraft zu ignorieren. Im Publikum entsteht jene gespannte Stille, in der Staunen hörbar wird. Fachlich heißt diese Kunstform Equilibristik.
Ungläubiges Kopfschütteln auf den Rängen: Jongleur Noel Aguilar hält bis zu sechs Kegel gleichzeitig in der Luft – ein kleines Sonnensystem im Takt der Musik. Alisa Shehter, Luftringartistin aus Israel, zeichnet sanfte Bewegungen in den Raum. Das Trio Rêve verbindet diese Leichtigkeit mit klassischer Anmut.
Dann wird es mechanisch-magisch: Die Adem Crew marschiert ein. Vier Körper greifen wie Zahnräder ineinander, jede Bewegung sitzt. Apropos Schmerzgrenze: Andrey Romanovski zeigt „Klischnigg“, die Kunst der extremen Körperverformung. Während sich der Artist in ein schmales Rohr faltet, reiben sich Zuschauer in der Menge die Augen, andere gleich den Rücken.
Durch den Abend begleitet das Roncalli Royal Orchestra mit live gespielter Musik. Das hauseigene Ballett sorgt für fließende Übergänge und verleiht dem Programm eine Eleganz, die an klassische Kinopaläste erinnert.
Als zum Ende der Veranstaltung die Lichter heller werden, wirkt das Erlebte nach. Das Publikum bleibt sitzen, niemand drängt zum Ausgang. Der Roncalli Weihnachtscircus zeigt in Osnabrück, wie stiller Weihnachtszauber aussehen kann – leise, poetisch und nachhaltig.