Osnabrück  Verblödung kann Bildung nicht ersetzen – warum Ministerin Prien recht hat

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 16.12.2025 07:30 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Schlägt Alarm: Karin Prien (CDU). Die Bundesbildungsministerin will bundesweit verbindliche Bildungsziele. Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler
Schlägt Alarm: Karin Prien (CDU). Die Bundesbildungsministerin will bundesweit verbindliche Bildungsziele. Foto: IMAGO/Bernd Elmenthaler
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Bildungsministerin Karin Prien ruft die „Schicksalsfrage Bildung“ aus. Tatsächlich droht ein überlastetes System aus Kitas und Schulen die Zukunft des Landes zu verspielen. So darf es nicht weitergehen.

Bundesbildungsministerin Karin Prien hat ein besseres Bildungssystem zur Überlebensfrage für Deutschlands Volkswirtschaft und Demokratie erklärt. Das klingt drastisch, trifft aber ins Mark unserer gesellschaftlichen Zukunft. Es ist ein Weckruf.

Kindergärten und Kitas legen den Grundstein für die kognitive Entwicklung. Hier entstehen die Grundlagen für soziale Kompetenzen und emotionale Widerstandskraft, was wiederum spätere Erfolge in Schule und Beruf begünstigt. Wenn aber schon die Kleinsten sprachlich, motorisch und sozial in Rückstand geraten – wie sollen sie das aufholen? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans bekanntlich nimmermehr.

So wichtig es ist, den Fokus auf die frühe Bildung zu legen, so unvollständig bleibt er, wenn Bürger und Gesetzgeber nicht endlich das gesamte Bildungssystem als zusammenhängendes Fundament unserer Zukunft begreifen.

Bildung ist mehr als ein Sektor, sie ist als Infrastruktur für den Geist so entscheidend, wie es Energie, Verkehr oder Digitalisierung für das Land sind. Wer Bildung gleichwohl nur als Kostenfaktor sieht und nicht als Zukunftskapital, hat schon verloren.

Das Ergebnis: Lehrkräftemangel, marode Schulen, überfordertes Kita-Personal, das das Weite sucht, sprich: ein Bildungssystem, das dem Selbstverständnis von Deutschland widerspricht, ökonomisch wie gesellschaftlich unhaltbar.

Wer, wie Ministerin Prien, in rückläufigen Geburtenzahlen eine „demografische Rendite“ sieht, eine Entlastung also, die es zu nutzen gelte, um das System zu stabilisieren, hat immerhin den Ernst der Lage erkannt. Die Kinder, die heute in Kitas und Schulen lernen, sind die Träger des Landes von morgen, sind Forscher, Handwerkerinnen, Gründer, Lehrerinnen und Ingenieure, die das Land am Laufen halten. Jede Investition in Bildung ist eine Investition in Wettbewerbsfähigkeit, gesellschaftliche Stabilität und demokratische Resilienz.

Darum braucht Deutschland eine nationale Bildungsstrategie, die Kita, Schule, berufliche Bildung, Hochschule und Weiterbildung als ein Ganzes versteht. Bund, Länder und Kommunen müssen jenseits aller föderalen Eitelkeiten an einem Strang ziehen – mit verbindlichen Qualitätsstandards, verlässlicher Finanzierung und einer Perspektive, die über Wahlperioden hinausreicht. Eine planmäßige Verblödung kann schließlich keine Alternative sein.

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