Hasbergen Ein Trio, fünf Turniere, 20 Titel: der Osnabrücker Hallenfußball und seine Faszination
Ein Schlitzohr, eine Rakete und ein Stratege: So beschreiben sich die Fußballer Sven Köllner, Tardeli Malungu und Andreas Schüttpelz gegenseitig. Sie kennen die Hallen der fünf Osnabrücker Turniere nahezu in- und auswendig. Dort sorgte das Trio fast überall für Furore und gewann viele Titel. Warum das Spiel unterm Hallendach für sie so besonders ist und welche Zutaten man für einen Turniersieg braucht.
Ein Trio mit eingebauter Titelgarantie aus dem Amateurfußball weiß ganz genau, wie man die vier großen Osnabrücker Hallenturniere und das darauffolgende Hallenmasters gewinnt. Sogar mehrmals, mit verschiedenen Mannschaften von der Oberliga bis in die Kreisliga, als Siegtorschütze im Finale oder als Bezwinger des VfL Osnabrück: Sven „Jeff“ Köllner, Tardeli Malungu und Andreas Schüttpelz schwelgen in Erinnerungen, als sie auf der Tribüne der Hasberger Sporthalle von oben auf den Hallenboden blicken – dort, wo in wenigen Tagen der 35. Hüggelcup stattfindet.
Gemeinsam mit dem Indoor-Cup in Belm, dem Fortuna-Cup in Ankum und dem Addi-Vetter-Cup in Osnabrück läutet das traditionsreiche Turnier „eine besondere Zeit im Amateurfußball“ ein, wie Schüttpelz betont. Der 54-Jährige war bis zum Sommer 2024 für ein Jahr Trainer beim westfälischen Kreisligisten SC Preußen Lengerich. Er gehört mit Köllner zu einem kleinen Kreis von Spielern, die das „Privileg hatten“, bei allen Turnieren gespielt zu haben. Gemeinsam stehen sie zudem hin und wieder noch für die Traditionsmannschaft des VfL Osnabrück auf dem Platz, für den Köllner in der Jugend auflief und Schüttpelz fünf Jahre NLZ-Trainer war.
„Die Hallenspielzeiten habe ich sehr genossen. Wenn es draußen kalt wurde, war drinnen unterm Hallendach immer viel Feuer drin“, betont der 50-jährige Köllner, der noch bei den Altherren in Gaste-Hasbergen aktiv ist. Auf die Frage, wer der drei Fußballer die meisten Titel einheimste, fängt er kurz an zu rechnen und gibt eine Vermutung ab: „Wahrscheinlich Andreas. Er hat bei den meisten Vereinen gespielt, obwohl ich auch ein paar Klubs hatte.“
Doch die richtige Antwort fällt auf Malungu, obwohl er nie beim Addi-Vetter-Cup spielte. Der noch aktive Stürmer des TSV Venne gewann sechsmal die Vorturniere (dreimal mit TuS Bersenbrück den Fortuna-Cup, zweimal mit TSV Venne den Indoor-Cup und einmal mit Viktoria Georgsmarienhütte den Hüggelcup) und sogar dreimal das Masters. „Ich habe mich mehr gefreut, als ich mit Venne den Indoor-Cup gewonnen habe, als mit Bersenbrück den Fortuna-Cup. Denn mit dem TuS musste man als Oberligist das Turnier als Favorit gewinnen, da gab es keine Ausreden“, erklärt der 35-Jährige. Er musste in diesem Jahr etwas überredet werden, beim Indoor-Cup teilzunehmen, denn in seinem Alter überlege man sich das genau – doch er freue sich dabei zu sein.
Er kann sich noch gut an die „richtig geile Stimmung“ bei seinem ersten Turnier mit der Viktoria in Hasbergen erinnern. „Als ich das erste Mal den Hüggelcup gespielt habe, dachte ich: ‚Was ist das denn, so viele Menschen und eine so laute Atmosphäre?‘ Da hat man einfach Bock“, betont Malungu. Er lief draußen sogar gemeinsam mit Schüttpelz für den heutigen Bezirksligisten auf, doch das Hallenturnier gewann Letztgenannter mit drei anderen Klubs (SF Oesede, Tura Melle und TuS Glane).
„Tardeli war A-Jugendlicher und ich hochbetagter Senior. In meinen zwei Jahren in Hütte sind wir im Hüggelcup nie übers Halbfinale hinaus gekommen, der Erfolg kam dann ein Jahr später. Da war ich enttäuscht, aber ich habe mich auch für die Jungs gefreut“, sagt Schüttpelz, der auf dem Feld als Allrounder bekannt war. Dafür gewann er einmal den Addi-Vetter-Cup mit dem TuS Haste, einmal den Fortuna-Cup mit dem TuS Bersenbrück und dreimal das Masters mit drei Klubs (TuS Bersenbrück, Tura Melle, TuS Glane). Als er Anfang der 1990er Jahre mit dem Hallenfußball anfing, habe es dabei zunächst noch kein Masters gegeben.
„Ich liebe schnellen Fußball. In der Halle hat man ein hohes Zuschauerinteresse, ein actionreiches Spiel und man kann in kurzer Zeit immer etwas erreichen, nicht wie in der langen Saison. Es gibt keine Option, außer zu gewinnen“, erklärt Schüttpelz, der beim Masters und Fortuna-Cup zwei- und einmal wertvollster Spieler und jeweils bester Torschütze war. Die Torjägerkanone sicherte sich auch Stürmer Köllner, der zweimal den Addi-Vetter-Cup (mit dem SV Rasensport und TuS Haste) und einmal den Indoor-Cup mit den SF Schledehausen gewann: Sogar dreimal schoss er beim Addi-Vetter-Cup und einmal beim Indoor-Cup die meisten Tore.
Noch öfter schaffte dies abermals Malungu, der beim Fortuna-Cup dreimal und beim Indoor-Cup zweimal bester Torjäger wurde. Doch nicht nur eine starke Offensive ist nötig, um ein Turnier zu gewinnen: ein starker Torwart, eine stabile Defensive, gleichwertige Wechsel und eine gewisse Ernsthaftigkeit gehören dazu, wie alle drei Fußballer betonen. „Es gehört sonst viel Glück dazu“, sagt Köllner, der früher mehr trickreiche Straßenkicker sah. Dafür sei das Spiel heute taktischer geprägt und es fallen weniger Tore.
In ihrem Gedächtnis sind viele Fußballmomente verankert: Sei es Köllners Doppelpack mit dem TuS Haste beim 2:0-Sieg gegen den VfL Osnabrück im Jahr 2003, Malungus 3:1-Treffer für Venne im Finale des Indoor-Cups gegen Hollage vor elf Jahren oder das 3:2 von Schüttpelz für Bersenbrück im Masters-Finale gegen TuS Glane mit seinem Bruder Peter im Tor.
Unvergessen bleibt dem 54-Jährigen auch der Addi-Vetter-Cup vor 1000 Zuschauern in der alten Schlosswallhalle. „Das war beeindruckend, weil es so laut war, dass man seine Mitspieler nicht verstehen konnte.“ An diese Augenblicke werden sie sich auch Ende Dezember zurückerinnern, wenn sie überwiegend auf der Tribüne sitzen, auf den Hallenboden blicken und die Tore ihrer Nachfolger bestaunen werden.