Staus in Leer  Warnstreik legt Jann-Berghaus-Brücke lahm

| | 16.12.2025 15:31 Uhr | 5 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Warnstreik der Gewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten hat am Dienstag die Jann-Berghaus-Brücke lahmgelegt. Foto: Oliver Bär
Ein Warnstreik der Gewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten hat am Dienstag die Jann-Berghaus-Brücke lahmgelegt. Foto: Oliver Bär
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Ein Streik mit Brückensperrung sorgt seit Dienstagmorgen für massive Staus in Leer. Pendler brauchen Geduld – Radfahrer und Fußgänger stehen vor einem unüberwindbaren Hindernis.

Leer - Wer am Dienstagmorgen, 16. Dezember 2025, aus dem Rheiderland oder Emsland nach Leer pendeln wollte, brauchte Geduld und starke Nerven. Schon am Emstunnel und auf den Zufahrten stockte der Verkehr, die Blechlawine schob sich nur langsam voran. Laut Verkehrsmanagementzentrale mussten Autofahrer stadteinwärts mit Verzögerungen von mehr als 20 Minuten rechnen. In Richtung Rheiderland lief es dagegen deutlich flüssiger.

Von 6 bis 23 Uhr blieb die Jann-Berghaus-Brücke am Dienstag gesperrt. Foto: Oliver Bär
Von 6 bis 23 Uhr blieb die Jann-Berghaus-Brücke am Dienstag gesperrt. Foto: Oliver Bär

Die Gründe für das morgendliche Verkehrschaos waren vielfältig. Zum einen blieb die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems seit sechs Uhr morgens dicht, ein Warnstreik der Gewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten legte die Verbindung lahm. Wer auf die andere Seite der Ems wollte, hatte nur noch den Emstunnel als Option. Doch auch dort ging es nicht reibungslos: Zeitweise war eine Fahrspur gesperrt, was die Situation zusätzlich verschärfte. Hinter dem Tunnel staute sich der Verkehr an der Abfahrt Leer West an der Einmündung zu Deichstraße, wo die Polizeiinspektion Leer/Emden mit mehreren Beamten versuchte, das Chaos zu bändigen. „Wir wollten die Behinderungen so gering wie möglich halten“, erklärte Polizeisprecherin Svenja Temmen.

Zu wenig Leute, zu viele Aufgaben

Währenddessen sammelte sich auf dem Parkplatz an der B 436 vor der Jann-Berghaus-Brücke eine Gruppe von rund 50 Streikenden. Die Stimmung war angespannt, der Frust greifbar. „Wir stehen hier, weil die Arbeitgeber offenbar nicht bereit sind zu verhandeln. Die sind ohne ein Angebot zur ersten Verhandlungsrunde erschienen. Was soll das?“, ärgerte sich Hans-Jürgen Janssen, stellvertretender Bezirkschef der Gewerkschaft und Mitarbeiter der Straßenmeisterei Leer. „Da fehlt komplett die Wertschätzung unserer Arbeit.“

Der Protestzug der rund 50 Landesbeschäftigten führte zum hochgeklappten Brückenteil. Foto: Oliver Bär
Der Protestzug der rund 50 Landesbeschäftigten führte zum hochgeklappten Brückenteil. Foto: Oliver Bär

Michael Janßen von der Straßenmeisterei Oldenburg und Olaf Ewald aus Delmenhorst sind sich einig: Der öffentliche Dienst werde kaputtgespart. „Wir sind viel zu wenig Leute und die Aufgaben und die Verantwortung werden immer weiter nach unten delegiert“, kritisiert Janßen. Für einen Moment hellt sich die Stimmung auf, als die Kollegen der Autobahngesellschaft in voller Montur eintreffen. Zwar geht es heute nicht um ihren eigenen Tarifvertrag, doch „selbstverständlich stehen wir solidarisch hinter den Kollegen aus dem Landesdienst“, betont Uwe Ulfers, Straßenwärter bei der Autobahnmeisterei Leer. Auch bei der Autobahn GmbH stehen bald Tarifverhandlungen an.

Keine Umleitung für Fußgänger und Radfahrer

Warum die Jann-Berghaus-Brücke bis 23 Uhr für den Schiffsverkehr geöffnet und damit für Autos, Radfahrer und Fußgänger gesperrt bleibt, erläutert der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Herrmann-Josef Siebigtetroth: „Wir fordern, dass der Tarif der Landesbeschäftigten endlich an die Tarife der Beschäftigten bei Bund, Kommunen und der Autobahn GmbH angeglichen wird.“ Es könne nicht sein, dass Menschen, die die gleiche Arbeit leisten, in manchen Bereichen 10 bis 15 Prozent weniger verdienen. Die Forderung ist klar: 7 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 300 Euro. Für Auszubildende sollen es 200 Euro mehr und eine unbefristete Übernahme sein.

Er kämpft dafür, das Landesbeschäftigte das gleiche Geld erhalten, wie die Beschäftigten bei Bund und Kommunen: Gewerkschaftsboss Herrmann-Josef Siebigtetroth. Foto: Oliver Bär
Er kämpft dafür, das Landesbeschäftigte das gleiche Geld erhalten, wie die Beschäftigten bei Bund und Kommunen: Gewerkschaftsboss Herrmann-Josef Siebigtetroth. Foto: Oliver Bär

Für Autos und Lastwagen wurde eine Umleitung über die A 31 eingerichtet. Radfahrer und Fußgänger hingegen mussten einsehen, dass die Ems an diesem Dienstag ein unüberwindbares Hindernis blieb, eine Ausweichroute gab es für sie nicht. Die Brücke blieb von 6 bis 23 Uhr hochgeklappt, um dem Schiffsverkehr Vorrang zu gewähren, wie die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich mitteilte. Immerhin: Brückenwärter waren weiterhin vor Ort, um im Notfall, etwa bei einer Störung im Emstunnel, schnell reagieren zu können.

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