Osnabrück Meistgelesen 2025: Fünf Blicke zurück
Ob klare Zustimmung oder vehemente Ablehnung – einige Beiträge der Kolumne „Rest der Republik“ erhielten im Jahr 2025 besondere Aufmerksamkeit. Chefredakteur Burkhard Ewert lässt sie Revue passieren.
Wieder endet ein Jahr, und wieder haben Sie mir im Rest der Republik Ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Sie haben gelesen, protestiert, zugestimmt, weitergeleitet und manchmal vermutlich auch den Kopf geschüttelt. Genau davon lebt dieser Newsletter, also vielen herzlichen Dank dafür!
Der Rest der Republik entsteht nicht im luftleeren Raum. Er lebt von Rückmeldungen, von Mails und Chats, von Gesprächen am Rande von Veranstaltungen, von Beobachtungen aus Regionen, die selten Schlagzeilen machen, aber fast immer etwas zu erzählen haben. Auch sind es mal Ihre persönlichen Hinweise, die mir zeigen, wo ein Thema zu kurz kommt oder ein blinder Fleck entstanden ist.
Bevor nun überall die großen Jahresrückblicke beginnen, mit den bekannten Bildern, den bekannten Gesichtern und den bekannten Erzählungen, lohnt sich ein kurzer Blick zurück auf das, was Sie in diesem Jahr in diesem Format besonders bewegt hat. Der Jahresrückblick aus dem Rest der Republik. Diese fünf Kolumnen aus dem Jahr 2025 stießen auf das größte Interesse:
Immer wieder, so hatte ich notiert, wundere ich mich über zerschlagene Scheiben an Bushaltestellen. Dass sie zerstört werden, ist das eine. Dass es die Scheiben überhaupt gibt, erstaunt mich nicht minder. Ganz auf Abtrennungen zu verzichten oder stattdessen Holz, Lochblech oder Plexiglas zu verwenden – all das erscheint mir sinnvoller, als überall im Land viel Geld für Glaswände auszugeben, die früher oder später doch wieder zu Bruch gehen.
Manchmal werden sie dann ersetzt, aber spätestens nach der zweiten Zerstörung bleiben sie weg. Warum dann nicht gleich so, fragte ich mich, und hatte mit dieser kleinen Beobachtung des alltäglichen Unsinns offenbar einen Nerv getroffen.
Diesen Text haben mir viele Menschen übelgenommen. Weil ich mich an Robert Habecks Frau persönlich abarbeiten würde, erhielt ich sogar Drohungen. Ich hatte damit nicht gerechnet. Andrea Paluch legt schließlich großen Wert darauf, nicht als Habecks Frau, sondern als eigenständige Person wahrgenommen zu werden. Als solche schreibt sie Bücher, und Bücher wiederum werden rezensiert – in meinem Fall kritisch.
Kindern mit dystopischen Schreckensgeschichten Angst zu machen, hat mir schon in der Bibel nicht gefallen. Entsprechend halte ich es weiterhin für keine gute Idee der Autorin, Kindern mit Horrormärchen ein Umweltbewusstsein einbläuen zu wollen. Ob mein Text nun gemocht wurde oder nicht: Er wurde intensiv gelesen.
Ob im „Tagesspiegel“, bei Audi, im Fernsehen oder in den Behörden unionsregierter Bundesländer: Die Gendersprache ist auf dem Rückzug. Ich würde behaupten, dass das inzwischen noch einmal mehr gilt als im März, als ich darüber eine Kolumne verfasst hatte: „Sprache wandelt sich, argumentierten die Befürworter von Gender-Formen. Das stimmt – aber eben nur dann, wenn diejenigen es wollen, die sie benutzen; nicht dann, wenn jemand Neuheiten auf Krampf verordnen will.“
Hier war der Wille offenkundig nicht vorhanden, und der Wandel wurde zumindest dort gestoppt, wo gendersprachliche Wendungen das Verständnis mindern oder schlichtweg unlogisch sind.
Die Kolumne mit diesem Titel war Stephan Weil gewidmet. Der SPD-Politiker kündigte im April seinen Rücktritt als Ministerpräsident von Niedersachsen an. Ich hatte ihn ungezählte Male interviewt, auf Reisen um die halbe Welt begleitet, aus der Nähe beobachtet, vielfach beschrieben.
Daher nahm ich mir die Freiheit, ihm und Ihnen zum Abschied meine ehrliche Meinung zu sagen, und zwar: Weil war ein herausragender Regierungschef. Das Land hat ihm viel zu verdanken, und ich dankte ihm dafür persönlich. Der Text rief ähnlich viel Protest hervor wie der über Andrea Paluch, diesmal allerdings von rechts. Ich kann es verschmerzen.
Ob Tempolimit, Luftqualität, Sonderfahrspuren oder die grundsätzliche Frage, ob Leute überhaupt ein Auto besitzen sollten: Je mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sind, umso stärker verlieren bisherige Argumente gegen den motorisierten Individualverkehr an Gewicht. Notorische Autogegner geraten in Zugzwang.
Auch diese Überlegungen interessierten viele Leser, denn in der Tat: Zahlreiche Repressionen gegen das Auto können ohne Abgase auf Dauer nicht gerechtfertigt werden, zumindest nicht anhand bisher vorgebrachter Gründe. Wenn man einmal in Ruhe darüber nachdenkt, erscheint das ganz klar.
In Ruhe nachdenken: Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den letzten Tagen des Jahres dazu kommen und ein wenig Muße finden. Und ich danke Ihnen, dass Sie in diesem Jahr ein wenig Zeit mit meinen Beiträgen – und mit mir – verbracht haben.