Osnabrück  Tanztee am Sonntag: Wie die Boomer das Überleben des Osnabrücker Clubs Hyde Park sichern

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 17.12.2025 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Marco Nietiet ist Geschäftsführer des Hyde Parks in Osnabrück. Mit dem „Tanztee“ hat er ein erfolgreiches Format aus der Taufe gehoben. Foto: Thomas Wübker
Marco Nietiet ist Geschäftsführer des Hyde Parks in Osnabrück. Mit dem „Tanztee“ hat er ein erfolgreiches Format aus der Taufe gehoben. Foto: Thomas Wübker
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Tanztee im Osnabrücker Club Hyde Park – das ist, anders als der Titel vermuten lässt, eine Party-Reihe. Eine äußerst erfolgreiche dazu: Sie holt die Generation der Baby-Boomer zurück in die Disco. Die können am 21. Dezember das Revival eines anderen legendären Osnabrücker Clubs feiern.

Seit der Corona-Pandemie leiden viele Diskotheken und Clubs unter Besucherrückgang, viele haben geschlossen. Auch Marco Nietiet, Geschäftsführer des Hyde Parks und designierter Nachfolger der jahrelangen Chefin Conny Overbeck, spürt das: Den Diskotheken fehlt deutschlandweit der Nachwuchs, sagt er.

Das Fachmagazin „DJ Mag“ schrieb im November 2024, dass die „deutsche Clubkultur vor einer existenziellen Krise“ stehe. Und in einer Umfrage von LiveKomm, dem Bundesverband der Musikspielstätten, aus dem November 2025 sahen sich 70 Prozent der deutschen Musikclubs nicht in der Lage, ohne staatliche Förderung die nächsten zwölf Monate zu überstehen. Neben schwindenden Besucherzahlen belasten die Kosten für Mieten, Energie und Security die Club-Betreiber.

Neue Besuchergruppen zu erschließen, ist auch für Marco Nietiet eine Aufgabe. Tatsächlich setzt er auf die alten: Der Tanztee, der seit einem Jahr an jedem ersten Sonntag des Monats im Hyde Park stattfindet, richtet sich an die Boomer. Gespielt wird Musik aus den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren – der goldenen Ära des Hyde Parks also, der 1976 an der Rheiner Landstraße eröffnete und mittlerweile am Fürstenauer Weg residiert. Die Party startet beim Tanztee bereits um 19 Uhr – eine ungewöhnlich frühe Uhrzeit für eine Disco-Veranstaltung.

Mittlerweile halte der „Tanztee“ – und damit die Boomer – den Hyde Park am Laufen, sagt Nietiet, selbst erst 37 Jahre alt. „Der Club wird nicht mehr, wie früher, durch die Jugend getragen.“ Die Menschen, die heute um die 20 Jahre alt sind, hätten durch Corona einen anderen Lifestyle entwickelt. „Feiern und Leute kennenlernen ist für sie nicht so wichtig.“ Viele, die der sogenannten GenZ angehören, bleiben lieber zu Hause oder leben gesund, beobachtet Nietiet.

Mit dem Erfolg des Tanztees habe anfangs niemand gerechnet, sagt Nietiet. Es sei ein Versuch gewesen, der aber einschlug wie eine Bombe – und mittlerweile sogar vom größten Osnabrücker Club, dem Alando, kopiert wird, wie Nietiet sagt. Dort wird nun auch an jedem ersten Sonntag im Monat schon früh am Abend getanzt.

Vor dem Hyde Park bildet sich an einem Sonntag schon zu Beginn des Tanztees um 19 Uhr eine lange Schlange vor dem Eingang. „Viele alte Stammgäste kommen, aber auch neue Leute, die sich gefreut haben, endlich wieder zu der Musik von früher feiern zu können“, weiß Nietiet. Und so entstand die nächste Idee: eine Revival-Party eines anderen legendären Osnabrücker Clubs, des Rizz.

Die Idee hatte Detlev Mitschke. Der legte als DJ von 1982 bis 1988 in dem Club an der Neulandstraße auf und ist heute selbst regelmäßiger Gast des Tanztees im Hyde Park. „Man sieht, dass alte Clubs wie das Rizz und auch das Subway wichtige Läden für Osnabrück waren“, sagt Nietiet.

Bei der Rizz Revival Party wird Detlev Mitschke wieder in die Rolle des Plattenlegers schlüpfen und die Musik spielen, die in dem Club früher angesagt war – von Rock über Neue Deutsche Welle bis hin zu New Wave. „Das, was junge Leute damals halt hören wollten“, so bringt es der 60-Jährige auf den Punkt.

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