Lesermeinung Renten | Verkehr | Klimaschutz

| 20.12.2025 08:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 10 Minuten
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Bei der OZ reden die Leserinnen und Leser mit. Hier haben wir Leserbriefe der vergangenen Tage gesammelt.

Ungleichheit zwischen Generationen

Wenn die Renten langsamer steigen als die Löhne, führt das zu einer Abkopplung der Rentner vom allgemeinen Wohlstand, steigender Altersarmut und einer sinkenden Kaufkraft im Alter. Langfristig schwächt dies die soziale Akzeptanz des Rentensystems und erhöht die Ungleichheit zwischen Generationen. So würde das Verhältnis von Standardrente zum Durchschnittslohn weiter fallen – Prognosen zeigen einen Rückgang von aktuell ca. 48 % auf 45 % bis 2037. Damit verlieren Rentner dauerhaft Anschluss an die allgemeine Einkommensentwicklung. Schon heute liegt die durchschnittliche Rente bei nur rund 1.152 Euro netto im Monat. Wenn Rentensteigerungen hinter den Löhnen zurückbleiben, reicht die Rente immer weniger für ein auskömmliches Leben, besonders für Menschen mit niedrigen Einkommen oder unterbrochenen Erwerbsbiografien. Wenn zukünftig die Renten nur die Inflation ausgleichen, aber nicht die Lohnsteigerungen, können Rentner weniger am Konsum teilhaben. Das wirkt sich auch fatal negativ auf die Binnenkonjunktur aus. Die Abkopplung könnte zu enormen politischen Konflikten führen: Rentner fühlen sich abgehängt, während Jüngere höhere Beiträge zahlen müssen, ohne dass die Älteren gleichwertig profitieren. Das gefährdet die Akzeptanz des Umlagesystems. Worauf Herr Fuest nicht eingeht, ist das Demografieproblem, dass ein strukturelles Langfristthema ist. Deutschland braucht eine integrierte Strategie, die Familienpolitik, Arbeitsmarkt, Migration und Technologie zusammen denkt.

Franz Josef Stuhrmann

Berumbur

Problem wird ausgeblendet

Wieder einmal stehen die Interessen der Radfahrer im Mittelpunkt – auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer, besonders der Autofahrer. Ich nutze selbst sowohl Auto als auch Fahrrad und halte Sicherheit für wichtig. Doch das eigentliche Problem wird ausgeblendet: Viele Rad-, Lasten- und E-Rollerfahrer sowie Fußgänger halten sich nicht an Verkehrsregeln. Rote Ampeln werden ignoriert, Gehwege befahren, ohne Handzeichen oder Blickkontakt zwischen Fahrspuren gewechselt. Fußgänger auf Zebrastreifen werden übersehen, E-Roller oft zu zweit oder dritt genutzt. Es braucht dringend mehr Kontrollen und Ahndung von Regelverstößen, bevor neue Sonderrechte und Flächen geschaffen werden. Stattdessen wird der motorisierte Verkehr weiter eingeschränkt. Die Reduzierung auf eine Spur führt zu mehr Staus, besonders auf der ohnehin überlasteten Heisfelder Straße. Leidtragende sind Pendler, Gewerbetreibende und alle, die auf das Auto angewiesen sind. Ein Umbau zugunsten des Radverkehrs verschärft die Probleme. Verantwortliche sollten dafür sorgen, dass sich alle an die Regeln halten. Besonders morgens herrscht an vielen Knotenpunkten Chaos, etwa am Bahnübergang Bremer Straße: Täglich gibt es dort gefährliche Verstöße durch Radfahrer, E-Rollerfahrer und Fußgänger. Kontrollen finden kaum statt, Verstöße bleiben meist folgenlos. Die Sicherheit aller verbessert sich nicht durch bauliche Maßnahmen oder Einschränkungen, sondern durch Einhaltung und Durchsetzung der Regeln.

Silke Hein

Leer

Klimaschutz geht vielfältig

Was wir tun und lassen, jeder Euro ist wie eine Stimme. Viele rauchen, nehmen viel Verpackung, Drinks statt Leitungswasser, reisen, konsumieren. Andere sind da frei – und nicht deshalb unglücklich. Klimaschutz geht vielfältig. Saniert man beispielsweise ein Gebäude gleich mit über 35 cm Dämmung, spart es Heizung plus den Neukauf alle 30 Jahre. Ansonsten ist das Fahrrad topp, normale Autos unter 3,9 Liter auf 100 km, und bald Viersitzer und Tandemsitzer unter 2,5 kWh pro Sitz. Klimaschutz hilft Wohlstand sichern, Frieden und gesunde Zukuft. Eine Weihnachtsbotschaft? Die Politik und Konferenzen wollen helfen, aber demokratisch liegt es auch an uns: Jeder (Nicht)kauf ist ein Beitrag.

Johannes Laubrock

Aurich

Was für ein Wochenende

Unter Punkt 3 in dem o.g. Beitrag von Herrn Burkard Ewert bezieht er sich auf die Aussage des Parteivorsitzenden der Grünen, dass man, kurz gesagt, die Erben von sehr vielem Vermögen zur Kasse bitten solle. Herr Ewert meint, dass die Erblasser (die Vermögenden!) viel geleistet haben (unbestritten), gespart, sich angestrengt und auf mehr verzichtet haben als andere, die ihr Geld nicht zusammen gehalten haben. Ja auf was denn verzichtet? Den dritten Porsche einen Luxusurlaub, Freizeit? Mir kommen die Tränen! Ein Erbe von Millionen soll auch noch Steuer bezahlen? Wie soll er sich dann noch von den verbleibenden Millionen Brot kaufen können? Mein Vater, als Arbeiter 30 Jahre auf dem Stahlwerk in Osnabrück, nach dem Krieg keine Chance als Konditormeister Geld zu verdienen, hat fünf Kinder großgezogen, viel in die Rentenkasse einbezahlt, konnte aber laut Herrn Ewert sein Geld nicht zusammenhalten, um Millionär zu werden.

Peter Gressler

Holtrop

Was hätten wir alles nicht erfahren...

Nun ist es wieder so weit. Ich muss meinem Herzen wieder einmal Luft machen und ein großes Dankeschön aussprechen. Ohne die Berichterstattung der Ostfriesen-Zeitung hätte ich auf Informationen verzichten müssen, ohne die ich die „Mächtigen dieser Welt“ und ihre Handlungen nicht verstehen würde. Denn zum Glück hat Chefredakteur Lars Reckermann die sich ihm bietende einmalige Gelegenheit zum Gespräch mit dem ehemaligen Chefredakteur der Bild-Zeitung, Kai Diekmann, nicht ungenutzt gelassen und in diesem Gespräch Aufschlussreiches über unsere Welt erfragt und dieses durch eine Reporterin für uns alle, die Leserinnen und Leser der OZ, festhalten lassen. Dafür ein weiteres Mal: Danke! Was hätten wir alle ohne dieses Gespräch nicht erfahren! Wir hätten nicht gewusst, dass der große Diktator Wladimir Putin eine oder sogar mehrere „knallenge“ Badehosen besitzt, tatsächlich nackt zum Baden schreitet und „keine Miene“ verzieht, auch wenn er dabei über spitze Steine gehen muss. Wir hätten auf die Information verzichten müssen, dass Donald Trump auch „charmant“ sein kann und „nicht alles falsch ist, was er sagt“. Und uns wäre entgangen, dass Kai Diekmann Günther Jauch zum Nachbarn hat, mit Vitali Klitschko befreundet ist und mit Helmut Kohl befreundet war. Wenn jemand, der außerdem „Benjamin Netanjahu, George Bush senior und junior, Bill Clinton, Barack Obama und Donald Trump“ getroffen hat, uns warnt, dass Putin „die ganze Ukraine will“, dann hat das Hand und Fuß. Die entscheidende Information des Gesprächs mit Herrn Diekmann aber, ohne die wir nicht hätten einschätzen können, dass dieser nun wirklich ein Mann von Welt ist, der uns unsere Welt erklären kann, ist die folgende: „Ein Relief am ehemaligen taz-Gebäude in Berlin zeigt Diekmann mit einem gigantischen Penis.“ Und „noch heute freut er sich, wenn japanische Touristen vor dem Gebäude stehenbleiben und Fotos machen“. Wir freuen uns, dass wir dies erfahren durften.

Heinrich Herlyn

Aurich

Wiesmoor hat sich verändert

Wenn man, beginnend mit dem Jahre 2006, sich mal die Umgebung von Wiesmoor betrachtet, stellt man fest, dass sich einiges verändert hat. Die Außenbereiche von Wiesmoor blinken in der abendlichen Röte in ein Meer von roten Signallampen an den Windenergieanlagen. Für die Sicherheit (welche Sicherheit?) wahrscheinlich notwendig, man kann es aber auch mit Sicherheit anders praktizieren. Für die Anwohner in den betroffenen Gebieten kein schönes Leben. Dass Windenergie auch Lärm macht, steht völlig außer Frage, aber im Genehmigungsverfahren werden alle Zahlen und Darstellungen schön geschrieben, selbst hochrangige Institute sehen diese Lärmbelastungen, die immer wieder auftreten, als kritisch an. Dazu kommt noch der Zustand vom sogenannten Schattenwurf, der auch gesetzlich geregelt ist. Wenn der Wind kräftig weht, dann drehen sich die Anlagen auch kräftig. Werden hier die Sicherheitsvorkehrungen immer penibel genau eingehalten? Ich sage nein. Wie sieht es mit den finanziellen Dingen aus? Kann man als Einzelner , als Investor , mit dem Einstieg in die Windenergie Geld verdienen? Wer entscheidet über die Ausschüttung der Gewinne? Nur die Gesellschaft. Ich sage, ganz wenige werden davon profitieren, wenn überhaupt, es ist nur ein Abschreibungsmodell. Der arme Bürger, der sein Geld in die Windenergie steckt, wird schnell merken, wo sein Geld bleibt. Der Fiskus freut sich. Ob wir nun in Ostfriesland Retter unserer Energieprobleme werden, liegt einzig und allein an uns, ob und wie viel wir hier an Strom produzieren wollen. Die Richtlinien zur Erzeugung von erneuerbarer Energie sind in Niedersachsen und vor allem in Ostfriesland prozentual bei weitem übertroffen. Dafür hinterlassen wir eine Landschaft und eine Umwelt, die auf Jahrzehnte kaputt ist. Die ganze Natur erfährt gerade in Ostfriesland, Wiesmoor an der Spitze, ein Fiasko. Wollen wir das unseren Nachfahren hinterlassen? Das Planspiel der Stadt Wiesmoor, nun einen eigenen Windpark zu betreiben, endet finanziell in einem Chaos. Es wäre angebracht, sich durch Haushaltskonsolidierungen finanziell besser bewegen zu können, anstelle von weiteren Kreditaufnahmen für einen Windpark.

Wolfgang Sievers

Wiesmoor

Mit Gegenargumenten rechnen

Es ist zu begrüßen, dass sich junge Menschen in den Prozess der politischen Meinungsbildung einbringen, es gilt aber auch mit Gegenargumenten zu rechnen. Was meint eigentlich Herr Quentin Voß mit der Bemerkung „Jetzt sollen wir auch noch für Kriege, die wir nicht angefangen haben, sterben gehen“? Das klingt so, als wenn Herr Voß der Ansicht wäre, dass man sich nach Belieben aus einer politischen Gemeinschaft, deren Wohltaten man in Friedenszeiten genießt, in brenzligen Situationen verabschieden könnte. Besonders in dieser Jahreszeit klingt es wenig verheißungsvoll: Nur in seltenen politischen Konstellationen deckt sich privates Glück mit einer Harmonie politischer Verhältnisse!

Klaus Ritzer

Aurich

Unsere Kinder schützen

In der aktuellen Debatte um Aufrüstung und Wehrpflicht scheint ein entscheidender Punkt vergessen zu gehen: Der Schutz des Lebens unserer Kinder. Wir beobachten eine schleichende Gewöhnung an das Szenario Krieg, die zutiefst verstörend ist. Wir sind kriegsmüde. Wir wollen keine Generation, die in Uniformen denkt, sondern eine, die Brücken baut. Unsere Kinder dürfen nicht die Zeche für das Versagen internationaler Diplomatie zahlen.

Friedhelm Christoffers

Jheringsfehn

Rot-Grün uneins

Von der SPD auf Landesebene ist derzeit keine überzeugende Politik zugunsten der Umwelt zu erwarten! Wie soll man anders die Forderung von Ministerpräsident Lies verstehen, den Meeresschutz zugunsten der Gasförderung abzuschwächen? Der grüne Koalitionspartner zeichnet sich zur Zeit aus durch eine wahrscheinlich wirkungslos bleibende Unmutsäußerung angesichts der Gasförderungspläne. Allzu hart möchte man dem Koalitionspartner wohl nicht zusetzen. Die Grünen scheinen nicht zu sehen, dass sie sich mit dieser Politik selber überflüssig machen!

Klaus Ritzer

Aurich

Deutschland hat ein Strukturproblem

Wir lernen dieser Tage viel über Babyboomer. Sie hatten offenbar Glück, haben zur falschen Zeit gespart, leben vom Exportüberschuss und sie bilden sich den Fachkräftemangel nur ein. Eine bemerkenswert bequeme Erzählung. Dass Vermögen nicht vom Glück allein entsteht, sondern aus Jahrzehnten durchgehender Erwerbsarbeit, Beitragszahlungen, Produktivitätssteigerungen und oft auch Verzicht, passt offenbar nicht ins Bild. Ebenso wenig die Tatsache, dass genau diese Generation die heutigen Sozial- und Rentensysteme finanziert hat – für alle nachfolgenden Jahrgänge. Der Fachkräftemangel wird kurzerhand zur Einbildung erklärt, weil es statistisch mehr Arbeitslose als offene Stellen gibt. Dass es sich dabei um völlig unterschiedliche Qualifikationen, Regionen, Altersgruppen und Belastbarkeiten handelt, wird großzügig ignoriert. Erfahrung, Praxiswissen und Verlässlichkeit lassen sich eben schlecht in einer Quote abbilden. Besonders irritierend ist der Ton der Debatte. Hier wird nicht analysiert, sondern zugespitzt. Nicht erklärt, sondern etikettiert. Wer Generationen gegeneinander ausspielt, gewinnt keine wirtschaftliche Zukunft, sondern Zustimmung auf Kosten des Zusammenhalts. Deutschland hat kein Glücksproblem und kein Einbildungsproblem. Es hat ein Strukturproblem. Und das löst man nicht, indem man Erfahrung abwertet, Arbeitsrealitäten vereinfacht und populistisch agiert.

Manfred Kluth

Bunde

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