Osnabrück  Nächste Hinton-Gala: Artland Dragons etablieren sich in der ProA-Spitze

Peter Vorberg, Malte Schlaack, Sven Schüer
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Von Peter Vorberg, Malte Schlaack, Sven Schüer
| 21.12.2025 15:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Amir Hinton (am Ball) ist aktuell absoluter Leistungsträger bei den Dragons. Foto: Rolf Kamper
Amir Hinton (am Ball) ist aktuell absoluter Leistungsträger bei den Dragons. Foto: Rolf Kamper
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Positive Schlagzeilen schrieben an diesem Hallensport-Wochenende nur die Artland Dragons und der BBC Osnabrück. Während die ProA-Basketballer langsam, aber sicher nach oben schauen dürfen, dominierte vor allem eine BBC-Spielerin. Derweil kassierten die Bundesliga-Basketballerinnen der Girolive-Panthers gleich zwei Tiefschläge am Wochenende. Und auch die Handballer des TV Bissendorf-Holte und die Volleyballerinnen des VC Osnabrück mussten Niederlagen verkraften.

Sind die Artland Dragons ein Spitzenteam in der ProA? An diesem Wochenende beantworteten die Zweitliga-Basketballer aus Quakenbrück diese Frage durchaus positiv. Tristesse herrscht indes bei den Girolive-Panthers gleich im doppelten Sinn. Und während der BBC Osnabrück sein Heimspiel gewann, verloren der TVBH und der VCO ihre Auswärtsspiele. Die Hallensport-Highlights des Wochenendes.

Die Artland Dragons bestätigen ihren Ruf als Offensivmaschine der ProA ein weiteres Mal eindrucksvoll. Im Verfolgerduell des Tabellenfünften gegen den Sechsten setzten sich die Quakenbrücker Basketballer gegen die Gießen 46ers mit 107:100 (50:43) durch. Es war der neunte Sieg im 13. Spiel, oder vereinfacht gesagt: Die Dragons gehören zu den Spitzenteams der Liga.

Darauf angesprochen sieht es Hendrik Gruhn etwas anders: „Ich glaube, dass es maximal zwei bis drei Spitzenteams gibt und da gehören wir nicht zu. Dafür fehlt uns noch etwas die Konstanz, was aber auch ganz normal ist.“ Was man auf jeden Fall festhalten kann: Die Dragons sind in einer herausragenden Form in der Offensive. In fünf der letzten sechs Spiele machte das Team mehr als 100 Punkte. Gegen Gießen einmal mehr hauptverantwortlich dafür war Amir Hinton, der für seine 33 Punkte nur 17 Würfe aus dem Feld benötigte. „Ich liebe es hier. Ich kann frei aufspielen, es ist nicht zu viel Druck. Das Team ist großartig, die Fans sind großartig, die Stadt ist großartig“, sagte Hinton, der mittlerweile auf einen Saisonschnitt von 20,1 Punkte kommt und in keinem der letzten sechs Spiele weniger als 20 Punkte erzielte.

Gegen Gießen zeigten die Dragons neben ihrer Offensivpower auch erneut eine weitere Qualität: Widerstandskraft. Nach einem 0:11-Lauf zu Beginn des vierten Viertels lagen sie 79:86 zurück und das Spiel drohte komplett zu kippen. Mit Hereinnahme der Starting Five um Hinton, Burnham und Spielmacher Buzz Anthony (10 Assists) drehten die Drachen die Angelegenheit aber wieder und feierten den verdienten Sieg.

Weihnachten ist damit für die Dragons noch nicht, da sie am Dienstag, also am 23. Dezember, nochmal ran müssen – und zwar im mehr als 600 Kilometer entfernten Tübingen. „Es ist absolut bodenlos von der Liga, die auf das Privatleben von Profiathleten einen Scheiß gibt. Wir werden am 24. um sieben 7 Uhr wieder hier sein und dann frei machen. Es gibt so viele Teams im Norden, warum müssen wir dann ausgerechnet an diesem Datum in Tübingen spielen und Bremerhaven in Kirchheim“, äußerte Gruhn deutlich sein Unverständnis für die Ansetzung. 

Eine Hiobsbotschaft erreichte die Bundesliga-Basketballerinnen der Girolive-Panthers Osnabrück schon vor dem Spiel beim Herner TC: Topscorerin Kristen Spolyar fällt für den Rest der Saison mit einem Kreuzbandriss aus. Die US-Amerikanerin hatte sich im Heimspiel gegen Nördlingen verletzt, die Diagnose erreichte das Team nun. „Wir müssen jetzt personell etwas machen“, kündigte Panthers-Coach Sasa Cuic bereits potenzielle Neuverpflichtungen an.

In Herne kassierten die Panthers dann am Samstag eine 54:59-Niederlage und die zweite Pleite in Folge. Dabei gewannen die OSC-Frauen das erste Viertel zwar deutlich mit 24:14 und gingen mit einer 39:30-Führung in die Pause. Nach dem Seitenwechsel brach das Team allerdings ein und verspielte den Sieg. „Die erste Halbzeit war okay und lief wie geplant. Ab dem dritten Viertel ging offensiv aber einfach gar nichts mehr“, resümierte Cuic. Die Wurfquoten erzählen dabei fast die ganze Geschichte: Die Panthers trafen nur einen von 18 Versuchen von der Dreipunktelinie und nur fünf von 15 Freiwürfen.

Hinzu kamen Foulprobleme der Starterinnen, sodass Cuic schon früh auf seine ausgedünnte Bank zurückgreifen musste. „Die Wechsel haben nicht geklappt. Es ist gerade eine schwere Phase für uns“, betonte der Panthers-Coach. Immerhin kehrte Lina Sontag auf den Court zurück und spielte 18 Minuten. Somit gehen die OSC-Frauen angeschlagen in die Weihnachtspause und am 30. Dezember (19 Uhr) ins Heimspiel gegen Spitzenreiter Rutronik Stars Keltern.

Einen schweren Stand hatten die Drittliga-Handballer des TV Bissendorf-Holte bei der klaren 23:30-Auswärtsniederlage gegen die HSG Varel. Zwar zeigte das Team von Trainer Timon Döring vor allem in der ersten Halbzeit eine starke Defensivleistung und ging mit einem 10:14-Rückstand in die Pause. Eine eher durchwachsene Abwehr im zweiten Durchgang und zu viele Fehler in der Offensive kosteten den TVBH letztlich aber einen Punktgewinn.

Zumal die Bissendorfer früh in der Partie auf Fabian Rußwinkel verzichten mussten, der nach nicht einmal sechs Spielminuten mit einer roten Karte vom Platz flog. Auch Ignacy Bak musste bereits nach guten 17 Minuten mit einem Platzverweis von der Platte, zusätzlich verletzte sich Keeper Roman Behrenswerth, sodass die Bissendorfer mit nur einem Torwart die Partie beendeten - eine zu hohe Hypothek, weshalb die Niederlage relativ deutlich ausfiel.

„Wir waren in der Chancenverwertung heute einfach nicht gut genug. Die roten Kartne tun natürlich weh, das haben Benny Meier und Leon Goldbeck aber gut kompensiert, vor allem defensiv. Die Niederlage ist verdient“, betonte Döring, dessen Team bis zum Heimspiel am 11. Januar (17 Uhr) gegen den OHV Aurich spielfrei hat.

Dass das Gastspiel der Zweitliga-Volleyballerinnen des VC Osnabrück beim SCU Emlichheim eine schwere Aufgabe werden würde, war den Verantwortlichen schon vorher klar. Am Ende kassierte der Aufsteiger beim neuen Tabellenführer eine deutliche 0:3-(16:25, 10:25, 9:25)-Niederlage. Dabei dauerte die Partie nichtmal eine Stunde.

Von Anfang an präsentierte sich Emlichheim nach der Niederlage am vergangenen Wochenende souverän und nahezu fehlerlos. Unterstützt wurden die Gastgeberinnen lautstark vom eigenen Publikum. Im zweiten Satz agierte der VCO kurz auf Augenhöhe, große Probleme in der Annahme ließen die Hoffnung auf einen Satzgewinn aber schwinden. Emlichheim hielt das Niveau auch im dritten Satz und brachte den ungefährdeten Dreisatz-Sieg sicher über die Ziellinie.

„Es war eine Lehrstunde, und wenn Emlichheim alles trifft, dann treffen sie alles. So war es heute. Der Gegner war uns heute in allen Belangen überlegen. Ganz kurz, Anfang des zweiten Satze, konnten wir mithalten, sonst nicht. Der Aufstieg in die 2. Liga ist mehr, als ich mir Anfang des Jahres erhofft habe. Und da haben wir trotz heute bisher krass abgeliefert“, zog VCO-Trainer Gunnar Kraus ein positives Fazit. Das neue Jahr startet für die Osnabrückerinnen am 10. Januar (19.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die City Girls Düsseldorf.

Die Zweitliga-Basketballerinnen des BBC Osnabrück sind ihrer Favoritenrolle im Heimspiel gerecht geworden und haben die BG Avides Hurricanes aus Rotenburg/Scheeßel in der Schlosswallhalle am Ende deutlich mit 74:53 geschlagen. Überragende Spielerin war einmal mehr Tonia Dölle, die 23 Punkte, 13 Rebounds, fünf Assists und vier Steals zum zehnten Saisonsieg beisteuerte.

Die Black Bulls taten sich lange schwer gegen die Hurricanes, die mit nur sechs Spielerinnen angereist waren. Das erste Viertel ging mit 16:14, das zweite mit 17:18 an den BBC. Erst im dritten Viertel spielten sich die Osnabrückerinnen einen Vorsprung heraus, der zwischenzeitlich zehn Punkte betrug. Im letzten Durchgang zogen die Gastgeberinnen dann endgültig davon, die Hurricanes mussten ihrer kleinen Rotation Tribut zollen. 25 Turnover auf Seiten der Gäste, 21 Offensiv-Rebounds der Black Bulls und zwölf Steals der starken BBC-Defense waren letztlich die größten Unterschiede der beiden Teams.

„Wir waren anfangs etwas hektisch und unsere Transition-Defense hatte große Löcher. Die Kabinenansprache ist entsprechend länger geworden. Aber im dritten Viertel hat man schon früh gemerkt, dass wir ruhiger geworden sind“, freute sich BBC-Trainer Radion Gross über die Leistungssteigerung und hob neben Dölle auch Emily Enochs (13 Punkte, drei von sieben Dreiern) heraus. Mit dem Sieg bleiben die Osnabrückerinnen den zweitplatzierten Wings Leverkusen auf den Fersen. Weiter geht es für den BBC am 10. Januar (19.30 Uhr) mit einem Auswärtsspiel beim sieglosen Tabellenschlusslicht Hürther BC

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