Leer Ein Strom der Hilfe, der nicht abreißen soll
Die Initiative „Leer hilft Mykolajiw“ sammelt Spenden für die Ukraine. Davon kaufen sie Stromgeneratoren und Geschenke zu Weihnachten. Das wurde bislang erreicht.
Leer - Vor gut einem Jahr hat sich die Initiative „Leer hilft Mykolajiw“ gegründet – ganz spontan am Rande der Ukraine-Mahnwache, die regelmäßig montags auf dem Denkmalplatz in Leer abgehalten wird. Unternehmer Sascha Wolf und Pastor im Ruhestand Dr. Martin Heimbucher wollten mehr als nur Solidarität mit den Menschen im Kriegsgebiet zeigen. Sie wollten auch aktiv helfen.
„Auslöser waren die Nachrichten über russische Bombardements gegen die Infrastruktur ukrainischer Städte und besonders gegen die Stromversorgung“, berichtet Heimbucher. Sascha Wolf hatte gute Kontakte nach Mykolajiw. Als bedeutender Industriestandort war die Hafenstadt in der südlichen Ukraine gleich zu Beginn der Kriegshandlungen im Jahr 2022 Ziel russischer Raketen und Drohnen. „Wir nahmen uns vor, Geld zu beschaffen, um Notstromaggregate zu kaufen. Kindergärten und Schulen sollen ihren Betrieb bei Stromausfällen aufrechterhalten können“, so Heimbucher weiter.
Initiator starb unerwartet
Die Resonanz auf die Spendenaufrufe der Initiative war gleich zu Beginn unerwartet hoch. Aber schon bald gab es einen herben Verlust zu verkraften. Einige Wochen nach Gründung von „Leer hilft Mykolajiw“ starb völlig unerwartet Sascha Wolf. „Seitdem führen wir die Hilfe in seinem Sinne fort“, sagt Dr. Martin Heimbucher und verweist auf seine Mitstreiter Marieke Kimmich (Kirchenrat Loga), Bruno Schachner (stellvertretender Bürgermeister von Leer), Beate Stammwitz (stellvertretende Bürgermeisterin von Leer) und Achim Klann (Kirchenrat Loga). Unterstützung gibt es von Vertrauensleuten der Organisation „Mysto Syly“ in Mykolajiw und der Bremer „Stiftung Solidarität Ukraine“.
Auch die Leeraner ziehen mit: In den vergangenen zwölf Monaten hat die Initiative mehr als 46.000 Euro an Spenden eingeworben. Anfang dieses Jahres wurden zwei größere Notstromaggregate gekauft und nach Mykolajiw geschickt. Ein drittes wird Anfang 2026 in die Ukraine transportiert. Außerdem wurden Hilfsgüter für Kinder und Jugendliche in Schulen und pädagogischen Einrichtungen auf den Weg gebracht.
Film zeigt Dankbarkeit der Ukrainer
Bei der diesjährigen Adventsaktion schrieben mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger aus Leer persönliche Weihnachtsgrüße an Kinder in Mykolajiw. Außerdem legten sie 2265 Euro an Spenden zusammen. Die Initiative stockte die Summe auf 4500 Euro auf und kaufte davon Weihnachtsgeschenke für 250 Kinder. Die wurden von Bremen aus mit dem Lastwagen nach Odessa und von dort aus an den Bestimmungsort gefahren.
Dass die Hilfe ankommt, beweist ein Dankeschön-Film, den die Empfänger bei der Ankunft und Installation einer der Generatoren gedreht und an ihre Unterstützer in Leer geschickt haben. Wie wichtig die Geräte für die Menschen auch weiterhin sind, zeigen die jüngsten Entwicklungen. „Gerade in den letzten Tagen war Mykolajiw erneut Ziel massiver russischer Luftangriffe. Die Bewohner haben oft nur zwei bis vier Stunden Strom am Tag zur Verfügung“, weiß Heimbucher zu berichten. Das Video zeigt auch die Freude und Dankbarkeit der Schulbehörde, Eltern, Lehrer und Kinder für die materielle und moralische Unterstützung aus Ostfriesland.
Und die soll auch künftig nicht abreißen – ebenso wenig wie der Strom, der die Kindergärten und Schulen am Laufen hält.