Osnabrück Skepsis bei E-Mobilität: Warum Burkhard Weller trotzdem E-Autos von BYD aus China anbietet
Der Osnabrücker Burkhard Weller ist einer der erfolgreichsten Autohändler in Deutschland. Das Aus für das Verbrenner-Aus findet er richtig. Doch auch E-Autos gibt er nur noch 20 Jahre. Warum er trotzdem künftig die chinesische Marke BYD in seinen Filialen anbietet.
Wer Burkhard Weller kennt, wird bestätigen: Dieser Mann kennt sich durch seine 47-jährige Erfahrung als Autohändler wie kaum ein anderer in der Branche aus. Und der vitale 71-Jährige überrascht auch mal: Dem batteriebetriebenen E-Auto gibt Weller noch gut 15 Jahre – und hat sich dennoch entschieden, nun auch die chinesische Marke BYD zu führen.
„Der Wille, ein Auto zu haben, ist ungebrochen. 82 Prozent aller Deutschen wollen nicht auf die individuelle Mobilität verzichten“, beruft sich Weller auf aktuelle Umfragewerte. 50 Millionen Pkw seien in Deutschland zugelassen.
Der Markt stagniert, ist seit ein paar Jahren gesättigt. Durch die Offensive chinesischer Marken wird der ein oder andere europäische Hersteller Volumen abgeben müssen. Das sieht auch Weller so. „Ich glaube, dass China in Zukunft einen gewissen Marktanteil in Deutschland haben wird“, begründet er seine Entscheidung.
An einigen der 43 Weller-Standorte wurde bereits die Marke MG erfolgreich eingeführt. Dort, wo es die Marke nicht gibt, wird nun BYD aufgenommen. Wellers Credo: Ein Chinese pro Haus reicht.
Dass deutsche Autohersteller die Antriebswende zum E-Auto verschlafen haben sollen, das trägt Weller nicht mit. „Europa hat auf den Markt reagiert und überhaupt nichts verschlafen. Warum soll ich anbieten, was keiner haben möchte?“, fragt er. Und argumentiert: In Deutschland sei die Nachfrage nicht wirklich da gewesen, die stark begrenzte Reichweite der E-Autos war nicht alltagstauglich, zudem habe es an Ladesäulen gefehlt. „Da war ja nichts. Die Lade-Infrastruktur musste erst geschaffen werden. Und das kommt jetzt.“
Aktuell beobachtet Weller, dass sich die grundsätzliche Einstellung gegenüber dem E-Auto ändert. 37 Prozent der verkauften Neuwagen in seinen Häusern sind entweder Elektro-, Hybrid- oder Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge. Die Zielgruppe: Firmenkunden und ländliche Bevölkerung.
„Das E-Auto ist nicht aufzuhalten. Es setzt sich durch. Wer eines hat, will es nicht mehr missen“, sagt Weller und verweist darauf, dass es selbst in der Mittelklasse nun E-Autos mit großer Reichweite gibt.
Doch wie ist seine persönliche Einschätzung: Wären Verbrenner mit E-Fuels nicht klimaneutraler als mit kohlestromgeladenen Autos, die vielleicht auch noch aus China kommen? „Wenn man die gesamte Verbrauchskette misst, ist das so“, räumt er ein. Allerdings entstehe schon ein Markt für alte Autobatterien: Sie werden eingesetzt, um Strom aus Erneuerbaren Energien zu speichern und Netzschwankungen auszugleichen.
Und obwohl in den Häusern der Weller-Group nun verstärkt auf E-Autos gesetzt wird, hält Weller selbst Batterien nur für eine Zwischenlösung der kommenden 15, maximal 20 Jahre. „Ich glaube fest an E-Fuels und an Wasserstoff. Das ist die weitere Zukunft“, so der Firmenchef.
Damit technologieoffen weiter geforscht werden kann, hält er auch das Aus für das Verbrenner-Aus, das die EU beschlossen hat, für richtig. „Das Verbrennerverbot ist überflüssig. Die Bundesrepublik hat hier die EU auf die richtige Spur gebracht.“
Doch den CO2-Ausstoß gegen Null fahren, das möchte auch Weller. Und berichtet von den neuesten Visionen: von Solarlacken oder Solarfolien fürs Auto. Von synthetischen Kraftstoffen, also E-Fuels, die aber günstiger produziert werden müssten.
Aufgrund dieser Weiterentwicklung kann Burkhard Weller die aktuelle Aufregung nicht nachvollziehen: „Es gibt doch bereits Tage, an denen Deutschland 70 Prozent oder mehr seiner Energie aus Windkraft und erneuerbaren Quellen deckt. Das alles geht doch alles schon in die richtige Richtung. Jeden Tag Step für Step. Wir müssen nur etwas geduldiger sein.“