Osnabrück Osnabrück will Personal in Kitas aufstocken: Wie das trotz Erziehermangel klappen kann
In Kindergartengruppen wird es in Osnabrück ab August 2027 ein klein wenig entspannter zugehen: Die Stadt will die Erzieher durch die Einführung einer dritten Kraft entlasten. Aber wie passt das mit dem Fachkräftemangel zusammen?
Sowohl für Kita-Fachkräfte als auch für Kinder ist das eine gute Nachricht: Ab August 2027 wird in Osnabrück der Betreuungsschlüssel in den Kindergärten besser. Die Stadt will die schrittweise Einführung einer sogenannten „Dritten Kraft“ in Ganztagsgruppen für über Dreijährige finanzieren.
Das bedeutet: Es werden dann nicht länger nur zwei Fachkräfte für 25 Kinder zuständig sein, sondern drei. 20 Wochenstunden pro Gruppe bekommen die Kitas künftig für die Drittkraft finanziert. Ein Drittel der Kosten dafür übernimmt das Land Niedersachsen.
Die Einführung der Drittkraft hat der Osnabrücker Rat in seiner Dezembersitzung neben der Abschaffung der Elternbeiträge für Krippe, Kindertagespflege, Kita und Hort beschlossen. Während die Beitragsfreiheit hochumstritten war, fiel der Beschluss zur Qualitätsverbesserung in den Osnabrücker Kitas einstimmig aus.
Die Stadt rechnet derzeit mit einem zusätzlichen Personalbedarf von 47 Vollzeitstellen für die Drittkräfte, die sich auf deutlich mehr Köpfe verteilen werden. Wie passt das mit dem Fachkräftemangel zusammen?
„Wir gehen davon aus, dass die Arbeit dadurch attraktiver wird“, sagt Kerstin Schlüter, Leiterin des Fachbereichs für Kinder, Jugendliche und Familien, im Gespräch mit unserer Redaktion. Zwar sei es schwierig, gutes Personal zu finden, „aber wir und die freien Träger tun auch ganz viel dafür“, betont Schlüter.
Die Stadtverwaltung hält die Einführung der Drittkraft jedenfalls für den richtigen Schritt. „Wir brauchen mehr Qualität in der Betreuung“, betont Fachbereichsleiterin Schlüter. Das sehen auch alle Ratsfraktionen so. Fachverbände fordern eine bessere personelle Ausstattung der Kitas schon lange.
Ob das Personal in den Osnabrücker Kitas künftig ausreicht, hängt auch damit zusammen, welche Betreuungszeiten die Kitas anbieten. Die Stadt hatte die Kernbetreuungszeiten bei ihren eigenen elf Kitas wegen des Personalmangels schon vor rund drei Jahren gekürzt, um im Gegenzug eine verlässlichere Betreuung mit weniger Ausfällen zu gewährleisten.
Familien, die mehr als sechs Stunden Betreuung am Tag benötigen, können weiterhin Randzeiten dazubuchen, meist von 14 bis 16 Uhr. Einige Kitas freier Träger folgten dem Beispiel der Stadt, aber längst nicht alle.
Zum Kitajahr 2026/27 soll die Stadtverwaltung nun ein System entwickeln, um den tatsächlichen Betreuungsbedarf festzustellen und gezielter steuern zu können – auch das hat der Osnabrücker Rat beschlossen. Hintergrund ist, dass momentan kaum jemand einschätzen kann, wie sich die Abschaffung der Kitabeiträge auswirkt.
Die Stadt Osnabrück rechnet mit Kosten in Höhe von drei Millionen Euro für die Drittkraft pro Jahr und wird zwei Millionen davon selbst stemmen müssen. Eine Million Euro wird das Land Niedersachsen zahlen. Es finanziert die Drittkraft in Kindergartengruppen ab August 2027 nur anteilig, und außerdem nur in Ganztagsgruppen mit einer Kernbetreuungszeit von mehr als sechs Stunden.
Die Einführung der dritten Kraft in Kindergartengruppen ist nicht die einzige Maßnahme zur Qualitätsverbesserung, die der Osnabrücker Rat jetzt beschlossen hat. Die Erzieher bekommen auch ein wenig mehr Zeit für Vorbereitung, Dokumentation und Elterngespräche. Die Stadt hebt diese sogenannte „Verfügungszeit“ von 7,5 Stunden pro Woche und pro Gruppe auf 10 Stunden an.