Osnabrück  „Musik ist die Seele des Weihnachtscircus“: Wie zwei Osnabrücker die Roncalli-Show prägen

André Havergo
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Von André Havergo
| 25.12.2025 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schlagzeuger Richard Struck (links) und Bassist Manolo Cuesta Moreno gehören beim Osnabrücker Weihnachtscircus 2025 zum Roncalli Royal Orchestra. Foto: André Havergo
Schlagzeuger Richard Struck (links) und Bassist Manolo Cuesta Moreno gehören beim Osnabrücker Weihnachtscircus 2025 zum Roncalli Royal Orchestra. Foto: André Havergo
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Richard Struck und Manolo Cuesta Moreno aus Osnabrück machen Livemusik im Roncalli Weihnachtscircus. Mit ihren Instrumenten folgen sie jedem Stolpern der Clowns, jedem Atemzug der Artisten. Und erleben dabei etwas, das sie sonst nirgends finden.

In der Manege des Roncalli Weihnachtscircus in Osnabrück herrscht noch Stille. Auf der Orchesterbühne über dem Artisteneingang liegen Instrumente wie Trompete, Geige und Gitarre bereit. Bald wird hier Musik entstehen. Musik, die die Nummern untermalt, Clowns begleitet und die Stimmung lenkt. Doch zuvor treffen wir zwei Orchestermitglieder, beide eng mit Osnabrück verbunden – auf ganz unterschiedliche Weise.

Richard Struck wurde in Osnabrück-Dodesheide geboren. Schon als Kind entdeckte er mit Unterstützung seiner Eltern die Musik. Beide unterrichteten als Musiklehrer. Mit sechs schenkte ihm sein Vater eine kleine Trommel. „Und dann wurden es immer mehr Trommeln.“

Auch Manuel Cuesta Moreno, genannt Manolo, lebte von klein auf mit Musik. „Meine ganze Familie sind Musiker“, erzählt er. Sein Vater lehrte am Konservatorium, Bruder und Schwester spielten ebenfalls. Musik prägte den Alltag.

Manolo kam durch seine Familie zu Roncalli. Seine Schwester Adriana Cuesta Moreno war in Kolumbien bereits früh als Sängerin und Schauspielerin bekannt. Gemeinsam mit ihrem Mann Germán Díaz Guerrero, Posaunist und langjähriges Mitglied des Roncalli-Orchesters, wurde sie von Generalmusikdirektor Georg Pommer entdeckt.

Über diesen Kontakt kam Manolo 1991 aus Kolumbien nach Deutschland und stieg bei Roncalli ein. 2026 feiert er sein 35-jähriges Jubiläum. Seit zwölf Jahren lebt er in Bad Iburg.

Richard Struck ist dagegen neu im Roncalli Royal Orchestra. „Für mich ist der Weihnachtscircus die erste Runde“, sagt er. Möglich machte das eine alte Verbindung: Orchesterleiter Jan-Willem te Kiefte kannte ihn noch aus der Studienzeit in Amsterdam. „Das ist schon zehn Jahre her“, sagt Richard. „Eine lange verflossene Bekanntschaft, die sich wiederbelebt hat.“

Richard spielt Schlagzeug, Manolo Bass. Beide betonen das Besondere an der Roncalli-Musik: „Magie“, sagt Manolo. „Die Musik ist die Seele der Show.“ Anders als bei vielen anderen Zirkussen läuft hier keine Aufnahme – alles erklingt live. Wenn sich Tempo oder Situation in der Manege ändern, passt sich die Musik sofort an. „Wir im Orchester folgen dem Artisten.“

Besonders deutlich wird das bei den Clowns. Ein Stolpern, ein Blick, eine Pause – solche Momente lassen sich nur live exakt begleiten. „Diese Akzente hast du mit Playback nicht“, sagt Richard. „Das kannst du nicht so genau treffen.“ Auch die Reaktion des Zirkuspublikums spielt für das Orchester eine Rolle: „Da kommt Energie zurück.“

Richard lebt heute in Rotterdam, verbrachte zuvor viele Jahre in Osnabrück. Bei seiner Rückkehr spürt er sofort wieder Heimat. „Es fühlt sich gemütlich an.“ Familie und alte Nachbarn wollen zur Vorstellung kommen. Menschen, die ihn seit dem Kindergarten kennen.

Manolo lebt in Bad Iburg. Viele seiner Freunde arbeiten in Osnabrück, seine Freundin lebt ebenfalls hier. Während der Tourpausen fährt er oft nach Hause. Roncalli spiele meist in Städten der näheren Region, sagt er, und zählt Osnabrück, Bremen, Hannover oder Düsseldorf auf. „Da lohnt es sich, nach Hause zu fahren“, sagt Manolo.

Im Zelt, sagen beide, vergessen die Künstler die Stadt draußen schnell. „Hier drinnen fühlt man Osnabrück nicht“, sagt Manolo. Direktor Bernhard Paul hat eine eigene Welt geschaffen – eine Roncalli-Welt. „Wir leben diese Magie“, sagt er. „Ich denke dann nicht an die Stadt, sondern an diese Welt.“

Zirkus oder Stadtleben? Richard und Manolo antworten zögernd – und schließlich gleichzeitig: „Beides.“ Für Richard ist ein Mix der richtige Weg. Ganz mit Roncalli auf Tour zu gehen, wäre ein großer Schritt. „Wenn sie mich fragen“, sagt er, „denke ich darüber nach.“

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