Osnabrück  Bürgerverein befürchtet Schleichwege: Anwohner gegen Vollsperrung der Mindener Straße in Osnabrück

Jörg Sanders
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Von Jörg Sanders
| 23.12.2025 16:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Mindener Straße in Osnabrück gleicht stellenweise einer Buckelpiste Foto: André Havergo
Die Mindener Straße in Osnabrück gleicht stellenweise einer Buckelpiste Foto: André Havergo
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Wenn die Mindener Straße ab Sommer 2026 voll gesperrt wird, müssen Auto- und Lkw-Fahrer weite Umwege in Kauf nehmen. Der Bürgerverein Darum/Gretesch/Lüstringen befürchtet, dass vielmehr Schleichwege durch Wohnstraße genutzt werden – und fordert von der Stadt eine Alternative.

Ab Sommer 2026 wird ein Teilstück der Mindener Straße in Osnabrück für zwei Jahre voll gesperrt. Der Bürgerverein Darum/Gretesch/Lüstringen begrüße zwar die Bauarbeiten an der maroden Straße, reagiert aber mit Unverständnis auf die Vollsperrung. Das müsse doch auch anders gehen.

Kurz zur Erinnerung: In drei Bauabschnitten wird die Straße von der Schellenbergstraße bis zur Straße Auf dem Winkel ausgebaut. Der erste Abschnitt erstreckt sich vom Stadtweg/Burg Gretesch bis Auf dem Winkel. Er wird in fünf Unterbauabschnitte unterteilt, damit Anlieger weitestgehend zu ihren Grundstücken kommen.

Der erste Abschnitt wird ab Sommer 2026 und bis voraussichtlich Frühjahr 2028 teilweise voll gesperrt.

Insgesamt sind sieben Jahre Bauzeit veranschlagt.

Der Bürgerverein begrüße den Ausbau der Straße „ausdrücklich“ und halte ihn für „notwendig und sinnvoll“, teilte dieser mit. Aber er spreche sich gegen die Vollsperrung aus.

Denn er befürchtet, dass Auto- und Lkw-Fahrer nicht die ausgewiesenen Umleitungsstrecken nutzen werden, sondern Schleichwege, etwa durch die angrenzenden Wohnstraßen wie den Stadtweg, den Schledehauser Weg oder die Bauernschaft Lüstringen – und dann auch vorbei an Schulen und Kindergärten.

Denn die offiziellen Umleitungen der Stadt sind lang: Autofahrer werden während der Bauarbeiten über die Darumer und die Belmer Straße umgeleitet – ein Umweg von knapp acht Kilometern. 

Der Schwerlastverkehr wird über die A30 und A33, Abfahrt Lüstringen, geführt – und umgekehrt.

Die Akzeptanz der Umleitungen dürfte „erfahrungsgemäß gering sein“, befürchten einige Anwohner. Der Bürgerverein plädiert für halbseitige Sperrungen mit Baustellenampeln und Geschwindigkeitsbegrenzung. Damit hielten sich auch die Nachteile für die ansässigen Geschäfte im Rahmen.

Davon profitieren würde ferner der Busverkehr, denn auch dieser hat lange Umwege vor sich. Dem Bürgerverein zufolge könnte der Busverkehr bei einer halbseitigen Sperrung womöglich auf der Mindener Straße bleiben. Zahlreiche Anwohner seien auf die Linie angewiesen.

Nicht zuletzt würden Radfahrer – auch sie müssen Umwege in Kauf nehmen – auf den „zu erwartenden Schleichwegen gefährdet“, argumentiert der Bürgerverein.

Die Stadt habe durchaus eine halbseitige Sperrung geprüft, versicherte die Verwaltung im November dem Stadtentwicklungsausschuss. „Aufgrund der gültigen Regelungen der Arbeitsstättenrichtlinie sowie der Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen ist eine halbseitige Verkehrsführung unter Berücksichtigung der geforderten Sicherheitsabstände nicht zulässig.“

Zudem würden mehrere Arbeiten zeitgleich ablaufen, und der neu zu verlegende Regenkanal werde überwiegend in der Straßenmitte verlaufen. Auch deswegen sei eine Vollsperrung nötig.

Das sieht der Bürgerverein anders, die Regelwerke böten durchaus Spielräume, etwa reduzierte Fahrspurbreiten, sofern der Lkw-Verkehr ausgeschlossen wird.

Er fordert von der Stadt Belege, wo diese Spielräume nicht eingehalten werden könnten und warum eine halbseitige Sperrung mit Ampelregelung nicht umsetzbar sein sollte. Auf der Internetseite der Stadt soll sie diese Informationen „aus Gründen der Transparenz“ veröffentlichen.

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