Paris Brigitte Bardot ist tot: Ein Filmidol zwischen Ruhm und Radikalisierung
Brigitte Bardot war Filmidol und weltweites Sexsymbol. Nach dem Rückzug aus dem Kino wurde sie zur radikalen Tierschützerin mit extremen Positionen. Wie aus der Ikone „BB“ eine polarisierende Figur wurde.
Sie war eine dieser wenigen Frauen, die zeitlos und unsterblich erscheinen. Für die Attribute wie „Leinwandgöttin“ gefunden wurden und deren Name oder Initialen international zu einer wieder erkennbaren Marke geworden sind. „Initialen BB“, so hieß auch ein Lied des französischen Chansonniers Serge Gainsbourg, komponiert für seine damalige Lebensgefährtin Brigitte Bardot. Am Sonntag gab ihre Tierwohl-Stiftung bekannt, dass die Schauspielerin im Alter von 91 gestorben ist.
Der Schmollmund, die mit dunklem Eyeliner umrahmten Augen, die blonde Mähne – Bardot verkörperte lange die begehrenswerte und zugleich frei begehrende Frau schlechthin. Während der letzten Jahrzehnte akzeptierte sie medialen Rummel allerdings nur noch, wenn er der Sache dienen konnte, der sie sich in der zweiten Hälfte ihres Lebens ganz verschrieben hatte, nämlich dem Tierschutz.
Geboren in Paris, wuchs Brigitte Bardot in einem streng katholischen Elternhaus auf. 15 Jahre war sie alt, als sie der Regisseur Marc Allégret auf der Titelseite der Zeitschrift „Elle“ entdeckte und zum Vorstellungsgespräch einlud. Es kam nicht sofort zu einer Zusammenarbeit, doch sie lernte Allégrets Assistenten Roger Vadim kennen und lieben. Ihren Eltern musste Bardot versprechen, ihn nicht vor ihrem 18. Lebensjahr zu heiraten. So geschah es auch. Vadim wurde der erste ihrer vier Ehemänner.
Noch vorher hatte sie einen ersten Auftritt in „Crazy for love“ („Le Trou normand“) von Jean Boyer, es folgten weitere Film- und Theaterrollen. Der Durchbruch kam 1956 mit der Hauptrolle in „Und ewig lockt das Weib“ ihres Gatten Vadim an der Seite von Curd Jürgens und Jean-Louis Trintignant, mit dem sie prompt eine Affäre begann. Der Film wurde weit über ihr Heimatland hinaus ein Erfolg.
Fortan haftete das Image der unschuldig-provokanten, barfuß tanzenden Mädchen-Frau an Bardot, die lange vor der 68er Revolution eine neue sexuelle Freizügigkeit symbolisierte. Sie wurde zur Trendsetterin, die das Vichy-Karo und leichte Ballerinas in Mode brachte und war 1958 bereits die am besten bezahlte französische Schauspielerin.
Sie spielte in „Viva Maria!“ von Louis Malle an der Seite der ebenfalls vom Publikum vergötterten Jeanne Moreau, in „Die Wahrheit“ von Henri-Georges Clouzot oder in „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard, jettete um die Welt, reihte die Liebhaber aneinander.
Mit dem deutsch-schweizerischen Industriellen-Erben Gunther Sachs, ihrem dritten Ehemann, avancierte sie zum Glamour-Paar, nahm mit Serge Gainsbourg kecke Lieder wie „Bonnie and Clyde“ auf und stand Modell für die Nationalfigur Marianne, deren Büste als Symbol Frankeichs in allen Rathäusern des Landes prangt.
Bardot selbst erlebte all den Ruhm als Belastung, schrieb sie später in ihren Memoiren: „Der Kult um meine Person und dieses Leben, in dem es immer nur um mich ging, nahmen mir die Luft zum Atmen.“ Nach 45 Filmen und mehr als 70 Liedern kündigte „BB“ 1973 abrupt ihr Karriere-Ende an.
Sie zog sich in ihr Anwesen in Saint-Tropez zurück, wo sie bis zuletzt etliche Hunde, Katzen und Pferde, Schafe und Tauben hielt. Seit 1992 hatte sie dort mit ihrem vierten Ehemann Bernard d’Ormale gelebt, einem früheren Berater des Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen.
Ihr unermüdlicher Einsatz für Tiere begann 1976 mit dem Kampf gegen die Robbenjagd in der Arktis. Tatsächlich überzeugte sie nach einer atemlosen Kampagne den damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d`Estaing davon, 1977 den Import von Robbenhaut und -pelz zu verbieten, die Europäische Gemeinschaft folgte später.
Mit ihrer eigenen Stiftung führte Bardot einen politischen Kampf, der sich gegen die Gefangenschaft von wilden Tieren, den Transport von Schlachttieren, gegen Pelze, Tierversuche, die Robben- und die Waljagd richtete. Sie sei „mehr Tier als Mensch“, erklärte sie einmal, fühle sich einer „so anmaßenden und blutrünstigen Gattung“ wie der menschlichen nicht zugehörig.
Bekannt für ihre politischen Positionen am äußersten rechten Rand, wurde sie mehrmals aufgrund schockierender Aussagen zur Immigration und zum Islam wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. Keine halben Sachen, keine Gefälligkeiten – auch das war „BB“, so sehr sie während ihrer gut 20 Jahre währenden Karriere davon gelebt hatte zu gefallen.