Osnabrück  Da half das Abitur am Osnabrücker Carolinum wenig: Frank Felix Fugger bei „Wer wird Millionär?“

Karin C. Punghorst
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Von Karin C. Punghorst
| 03.01.2026 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Frank Felix Fugger ist in Osnabrück zur Schule gegangen. In der Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch hatte er einen Blackout. Foto: RTL / Stefan Gregorowius
Frank Felix Fugger ist in Osnabrück zur Schule gegangen. In der Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch hatte er einen Blackout. Foto: RTL / Stefan Gregorowius
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Blackout im Scheinwerferlicht: Trotz Abi am Osnabrücker Carolinum scheiterte Frank Felix Fugger bei „Wer wird Millionär?“ an vermeintlich simplen Fragen. Warum er heute dennoch lacht und was sein Sohn damit zu tun hat.

Frank Felix Fugger hatte gleich zu Beginn seines Auftritts bei „Wer wird Millionär?“ eine lange Leitung und bei der 4000-Euro-Frage stand er buchstäblich auf dem Schlauch. Was war los? Der gebürtige Hasberger erklärt, woran er scheiterte, was seine ehemaligen Schulkameraden in der alten Heimat über seinen Auftritt sagen und warum sich sein fünfjähriger Sohn besonders über den Gewinn von 500 Euro freut.

Vielleicht passten die Fragen nicht in den Kanon einer klassischen Allgemeinbildung. Jedenfalls wirkte der Kandidat, der in Osnabrück sein Abitur gemacht hat, so verunsichert, dass er bei der 4000-Euro-Frage schon seinen dritten Joker einsetzen musste. Am Ende half es aber nichts: Nach 25 Minuten war der Auftritt mit einem Gewinn von 500 Euro beendet.

Das war die erste Frage: „Wer ist tierisch temperamentlos?“ Selbst Moderator Günther Jauch wirkte beim Vorlesen der Antworten, als müsste er seine Zunge in die richtige Position bringen, um eine verständnisvolle Aussprache hinzubekommen: Pahndarsch, Zehbrasch, Gorillarsch oder Lahmarsch?

Natürlich der Lahmarsch. Aber das lässt sich im Nachhinein so einfach sagen. Wer hätte es im Scheinwerferlicht und vor Publikum sofort gewusst? Rückblickend wirkt die erste Frage geradezu wie ein Omen, denn wer Fugger am Bildschirm verfolgte, dem erscheinen seine Denkprozesse wie in Zeitlupe gedehnt. Jede Sekunde des Zögerns und des Abwägens bei den folgenden Fragen zog sich quälend in die Länge – für die Zuschauer ebenso für ihn selbst, wenn er sagt, „es war wie in einem Martyrium“.

Es war anstrengend. „Ich bin auf dem Stuhl in eine Art Trance gefallen“, erklärt Fugger am Telefon im Gespräch mit der NOZ, gut zwei Monate nach der Aufzeichnung der Sendung, die am 26. Dezember ausgestrahlt wurde. Mittlerweile kann er über die ganze Situation lachen. Aber in dem Moment „hatte ich Panik. Ich konnte mich ja auf den ganzen Monitoren sehen und begriff immer mehr, dass ich da nicht mehr herauskomme, außer wenn ich rausfliege.“

Daran erinnert sich der 36-Jährige, während er mit der Familie einen Ausflug zum Timmendorfer Strand unternimmt. „Wir genießen das sonnige, kalte Wetter.“ Seine beiden Kinder bescheren Trubel. Es scheint lustig zu sein, das kommt selbst durchs Telefon an. Umso besser, denn in der Sendung „war der Spaßfaktor weit hinter meinen Erwartungen geblieben. Ich hatte vielmehr mit meinen Emotionen zu kämpfen.“ Und so kam dann eins zum anderen – alles mündet in eine Rückschau mit Bezug zur Heimat, zwei Prisen Sarkasmus und Besserwisserei und viel Verständnis.

Fugger ging in Osnabrück aufs Carolinum. Dort hat er 2009 sein Abitur gemacht. Die Schule bezeichnet sich selbst als modernes Traditionsgymnasium und nimmt für sich in Anspruch, im Jahre 804 gegründet worden zu sein. Bei den historischen Wurzeln, hätte man da von Fugger nicht erwarten können, dass er stante pede weiß, dass Herodot und Tacitus bedeutende Geschichtsschreiber waren und nicht Erdkunderechner, Bioleser oder Kunstturner? Und dann ausgerechnet Tacitus! Der Gelehrte der Antike gilt als zentrale Quelle für die Varusschlacht am Teutoburger Wald – also quasi ein Heimspiel in direkter Nachbarschaft zu Osnabrück.

Wer weiß das bitte nicht? Ganz ehrlich? Viele! Aber mit KI und mithilfe des Internets lässt sich schnell dicke tun beim Schreiben. Die Realität im Fernsehstudio war für Fugger eine andere: „Anfangs hoffte ich noch, meine Nervosität in den Griff zu bekommen, wenn ich viel Wasser trinke.“ Aber die Leere im Kopf wurde immer größer. „Ich merkte richtig, wie sich die Schlinge immer enger zusammenzog.“

Irgendwie kam er noch auf die richtige Antwort. Und Jauch stellte die Frage zur Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. „Welches Wort verwendet der Evangelist: Schnuller, Rassel, Windeln oder Lätzchen?“ Wieder musste ein Joker helfen, bis Fugger auf die Windeln kam, in die Maria ihr Kind wickelte.

„Ich bin nicht so im Weihnachtsevangelium drin“, gab Fugger in der Sendung zu. Das hörte sich doch bald nach einem späten Geständnis an, die Schulgottesdienste am Caro konsequent geschwänzt zu haben.

Das K.O. oder besser gesagt die Erlösung brachte die 4000-Euro-Frage: „Einem bekannten Spruch zufolge müssen welche beiden ihre Namen büßen – und zwar dort, wo sie sich küssen?“ Fuggers Antwort war Romeo und Julia, auf die Weser ist er nicht gekommen.

Mit Ruhm bekleckert hat er sich wahrlich nicht. Doch, ohne eine Debatte über Schullektüren und Lerninhalte in Geografie lostreten zu wollen: Ganz offensichtlich hat Fugger weder Shakespeare noch Tacitus oder Werra und Fulda gebraucht, um nach seinem BWL-Studium nun in Hamburg als Controller tätig zu sein. In der Hansestadt lebt er mit seiner Verlobten und seinen beiden Kindern. Glücklich.

Die lange Leitung im Scheinwerferlicht ist menschlich. „Klar, bin ich auch enttäuscht“, gibt Fugger im Nachhinein zu. Gelernt haben, wird er am Caro aber nicht nur akademisches Wissen, sondern vor allem auch den Umgang mit Situationen, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist bei einem Test oder einer Klausur.

Das kommt ihm jetzt zugute. Mehr noch, er freut sich darüber, dass sich viele ehemalige Mitschüler bei ihm gemeldet haben, über Messengerdienste. „Die meisten haben mir ihr Beileid zu den merkwürdigen Fragen ausgesprochen.“

Letztlich überwiegt für Fugger das Positive in der Niederlage bei Jauch. Das verdankt er auch seiner Mutter, die im Publikum gesessen hat, „die mir immer, aber vor allem in den vergangenen Monaten besonders viel Kraft gegeben hat.“

Beeindruckt und Mut gemacht, hat ihm sein fünfjähriger Sohn Noah Theo, als er ihn fragte, ob das gewonnene Geld für einen Besuch in der Trampolinhalle reicht? Nach einem prompten Ja, war für den Jungen die Sache klar: „Dann hast du doch alles geschafft, was wir wollten.“

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