Moordorf Erst die Tiere, dann die Hochzeit

Holger Janssen
|
Von Holger Janssen
| 05.01.2026 05:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Detert Feddinga mit einer seiner Brieftauben. Foto: Holger Janssen
Detert Feddinga mit einer seiner Brieftauben. Foto: Holger Janssen
Artikel teilen:

Fast sein ganzes Leben widmete Detert Feddinga dem Brieftaubensport – Mit Ehrung überrascht

Moordorf - Es ist immer das gleiche Bild: Während seine Frau Jetta in der Küche bereits den Tee vorbereitet, sitzen Detert Feddinga und zwei seiner Freunde im Garten und starren in die Luft. Kommen sie? Kehren alle zurück? Welche wird die erste sein? Der passionierte Brieftaubenzüchter lebt für sein Hobby und setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass es weiterlebt. Selbst am Tag seiner Heirat schickte er noch seine Tiere auf die Reise, bevor es zur Trauung in die Kirche ging.

Während ihn Tierschützer auch schon mal verbal oder juristisch angreifen, gilt Feddinga innerhalb der Brieftauben-Szene als angesehener und engagierter Mann. Ein Hobby zwischen Auszeichnung und Anzeige. Wie kam es dazu und was treibt ihn bis heute an?

Feddinga nimmt esstets ganz genau

Die Leidenschaft für Tauben packte Detert Feddinga bereits als Kind. Feddinga, Jahrgang 1942, wuchs in Marienhafe auf. Sein Vater war Geflügelzüchter, hielt beispielsweise Hühner. Irgendwann kamen auch Ziertauben hinzu und zogen Feddinga in ihren Bann. Später schenkte ihm ein erfahrener Züchter einige Brieftaubeneier. Feddinga pflegte die Eier, hielt sie warm und kurze Zeit später schlüpften seine ersten Brieftauben. Die Faszination war endgültig geweckt.

Fortan war der heutige Moordorfer in verschiedenen Vereinen aktiv, engagierte sich früh in der Vorstandsarbeit. Bis heute ist er in diesen Funktionen wie auch in der Kommunalpolitik dafür bekannt, dass er es stets besonders genau nimmt. So hatte er es gelernt, einerseits in der Schule und andererseits in seiner späteren Tätigkeit als Bürovorsteher einer Auricher Rechtsanwalts- und Notarkanzlei.

Im Mai 195 heiratete er in Bangstede seine Jetta. Gemeinsam zog das Paar nach Moordorf. Dass sie nicht nur einen Mann, sondern gewissermaßen auch einen ganzen Schlag Tauben geheiratet hatte, dürfte sie damals schon gewusst haben.

Priorität: Taubenschlag vor Badezimmer

Schließlich führte der Weg ihres Verlobten am Hochzeitstag nicht direkt in die Kirche, sondern zunächst zur sogenannten Einsatzstelle für die Brieftauben. Es stand schließlich ein Preisflug an, bei dem Feddingas Tiere auf keinen Fall fehlen sollten. Und auch am gemeinsamen Haus zeigte sich schnell, wie Feddinga seine Prioritäten setzte. Noch bevor das Badezimmer fertig ausgestattet war, baute er auf dem Dachboden über der Garage einen Taubenschlag.

Jetta Feddinga war auch dabei, als ihr Mann und seine Mitstreiter in Walle das Vereinsheim der Reisetaubenliebhaber-Vereinigung bauten. Zuvor hatte man den Schuppen einer Gaststätte genutzt und war dort eigentlich recht zufrieden. Doch der stand genau da, wo sich heute die Kreuzung Bundesstraße 210/Heuweg/Wallster Postweg befindet. Im Zuge des Straßenbaus musste das Gebäude weichen und die Taubenzüchter fanden nur wenige Meter entfernt Platz für ein neues Domizil. Über Jahre kümmerten sich Detert und Jetta Feddinga nicht nur um die Arbeit im Vorstand, sondern auch um die Bewirtung im Vereinsheim. Nachdem Jetta die Helfer während der Bauarbeiten stets versorgt hatte, machte sie nach der Einweihung des neuen Gebäudes einfach weiter.

Vereinsmitgliederforderten die Abwahl

In seiner jahrzehntelangen Vorstandsarbeit erlebte Feddinga allerdings auch Rückschläge. Nicht nur einmal legten sich Tierschützer, beispielsweise von Peta, mit ihm an. Selbst eine Anzeige hat es gegeben, wie er sagt. Nicht etwa, weil er sich in Sachen Tierschutz etwas zuschulden kommen lassen habe, sondern weil er als Vorsitzender eine prominente Figur gewesen sei.

Auch innerhalb der Züchtergemeinschaft lief nicht immer alles rosig. Anfang 2017 kam es zu einem zwischenzeitlichen Bruch. Feddinga war da bereits seit 47 Jahren ununterbrochen Vorsitzender der Auricher Vereinigung. Doch im Zuge eines Streits über die Flugrichtung der bevorstehenden Wettflüge forderten einige Mitglieder seine Abwahl.

Feddinga wurde gezwungen, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Er eröffnete das Treffen und trat danach von seinen Ämtern zurück, womit er einer möglichen Abwahl zuvorkam. 2022 trat man an ihn heran und bat ihn, erneut für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Mit dieser Unterbrechung blickt Feddinga heute auf 50 Jahre als Vorsitzender der Vereinigung zurück.

Anerkennung ganz ohne Nadel und Orden

Im Herbst dieses Jahres folgte für ihn und seine Frau Jetta dann eine große Überraschung. Nachdem Feddinga für seine Verdienste rund um die Brieftauben und seine Arbeit in der Politik bereits verschiedene Ehrungen erhalten hatte, gab es nun eine Würdigung, mit der er nicht gerechnet hatte. Im Zuge einer Preisverleihung wurde das Paar aufgerufen. Keine Ehrennadel, kein Orden, sondern anerkennende Worte des Dankes wurden ihm gewissermaßen überreicht. Dazu gab es einen Reisegutschein.

Wann und wie das Paar aus Moordorf diesen einlösen wird, wird sich zeigen. Ganz sicher ist aber: Vor der Reise sind erst einmal die Tauben dran.

Ähnliche Artikel