Rhauderfehn & Co.  Wie viele Grundschulen sind nötig?

Marion Janßen
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Von Marion Janßen
| 04.01.2026 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Schulstandort am Rajen ist nicht barrierefrei. In der Zukunft könnte diskutiert werden, ob er nicht umgebaut, sondern verlagert werden soll, so Bürgermeister Geert Müller. Foto: Archivbild/Günter Radtke
Der Schulstandort am Rajen ist nicht barrierefrei. In der Zukunft könnte diskutiert werden, ob er nicht umgebaut, sondern verlagert werden soll, so Bürgermeister Geert Müller. Foto: Archivbild/Günter Radtke
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In Ostrhauderfehn gibt es zwei Grundschulen. Westoverledingen hat sieben, Rhauderfehn fünf. Wichtige Fragen für die Gemeinden und ihre Bürger: Was sollen die Schulen bieten? Und wo sollen sie stehen?

Rhauderfehn - Die Neugründung einer Grundschule in Burlage ist vom Tisch. Die Landesschulbehörde hat den Antrag der Gemeinde Rhauderfehn abgelehnt. Das Thema Grundschulen könnte aber in Zukunft noch für Diskussionen sorgen. Denn die Behörde regte an, „eine schulorganisatorische Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigung aller bestehenden Schulstandorte“ vorzunehmen. Auch „mögliche Alternativen zur Errichtung eines zusätzlichen Schulstandorts“ sollten dabei erwogen werden.

Überlegungen zur Standortfrage

Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller schließt eine solche Überlegung nicht aus. „Es ist ja nicht falsch, wenn die Leute sagen, die Standorte der Grundschulen sind – anders als bei den Kindergärten – ungleich verteilt“, sagt er. „Wenn wir künftig über Sanierungen und Investitionen nachdenken, müssen wir auch gucken, ob die Standorte alle richtig sind.“

Die Grundschule Burlage wurde 2016 geschlossen. Foto: Archiv
Die Grundschule Burlage wurde 2016 geschlossen. Foto: Archiv

Bereits in seiner Stellungnahme an die Landesschulbehörde hatte Müller erklärt: „In der Konsequenz sollte der Mut für die politische Aussage gefasst werden, dass der Schulstandort Rajen bei möglichem Wegfall der Übergangsregelung nach § 183 c Niedersächsisches Schulgesetz im Jahr 2030 zu Gunsten des südlichen Gemeindebereiches verlagert wird.“ Denn die Grundschule Rajen ist, wie die Sundermannschule, nicht barrierefrei und könnte nur unter großem Aufwand inklusiv umgebaut werden.

Von acht sind fünf Grundschulen geblieben

Aktuell hat die Gemeinde Rhauderfehn fünf Grundschulen. Früher waren es acht. 2013 empfahl der niedersächsische Landesrechnungshof, vier Rhauderfehner Grundschulen (Klostermoor, Hahnentange, Burlage und Rajen) aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen. Die Gemeinde entwickelte deshalb eine Grundschulstrukturreform. Die Grundschulen Hahnentange, Klostermoor und Burlage wurden in den darauffolgenden Jahren geschlossen. Die Schule am Rajen konnte erhalten bleiben. Im Südbereich der Gemeinde ist seitdem aber keine Grundschule mehr vorhanden.

Die Grundschule Langholt ist mit 300 Schülern die größte in der Gemeinde Rhauderfehn. Foto: Archiv
Die Grundschule Langholt ist mit 300 Schülern die größte in der Gemeinde Rhauderfehn. Foto: Archiv

Derzeit besuchen in der Gemeinde Rhauderfehn 300 Kinder die Grundschule Langholt, 144 die Grundschule Collinghorst, 130 die Grundschule Rhaudermoor, 119 die Sundermannschule und 85 die Grundschule Rajen. „Bei fünf Grundschulen soll es auch bleiben“, sagt Bürgermeister Geert Müller. Weitere Zusammenlegungen seien nicht angedacht. So kommen in Rhauderfehn auf eine Grundschule im Schnitt 155 Kinder. In Ostrhauderfehn mit seinen zwei Grundschulen kommen auf eine Grundschule im Schnitt 245 Kinder. Westoverledingen hat sieben Grundschulen, hier liegt der Schnitt pro Grundschule bei 154 Kindern, wobei die Größenunterschiede der Schulen sehr stark sind.

Weniger Grundschulen in Ostrhauderfehn

In Ostrhauderfehn besuchen 293 Kinder die Grundschule Ostrhauderfehn, 197 die Grundschule Holtermoor. Der frühere Grundschulstandort Idafehn wurde zum Ende des Schuljahres 2008/2009 geschlossen. Grund waren die sinkenden Schülerzahlen. „Bereits vor der Schließung mussten die erste und zweite Klasse zusammengelegt werden. Im Sommer 2007 wurden lediglich elf Schülerinnen und Schüler eingeschult. Es wäre dann nur noch eine Unterrichtsversorgung in zwei Kombiklassen mit jeweils einer Lehrkraft möglich gewesen“, so Ostrhauderfehns Bürgermeister Günter Harders.

In Ostrhauderfehn gibt es neben einer Grundschule im Zentrum (Bild) noch eine weitere in Holtermoor. Foto: Archiv
In Ostrhauderfehn gibt es neben einer Grundschule im Zentrum (Bild) noch eine weitere in Holtermoor. Foto: Archiv

Die beiden noch vorhandenen Grundschulen liegen beide sehr zentral. Und: „Weniger Einrichtungen können aus finanziellen Gründen besser ausgestattet werden und mehr Personal bündeln. Dies ermöglicht ein breiteres und besseres Leistungsangebot sowie eine gute Planung für die Zukunft“, betont er. „Die Entscheidung, die Grundschule in Idafehn zu schließen, war nicht leicht und wurde intensiv vom Rat und den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Rückblickend sieht die Gemeinde die Maßnahme als notwendig und zukunftsorientiert an.“

Sieben Grundschulen in Westoverledingen

Anders hält es die Gemeinde Westoverledingen. Sie hält für Grundschulkinder sieben Einrichtungen vor, verteilt über das gesamte Gemeindegebiet. In Flachsmeer besuchen 250 Kinder die Grundschule, in Ihrhove sind es 212, in Steenfelde/Großwolde 150, in Völlenerfehn 211, in Völlenerkönigsfehn 108, in Ihren 83 und in Völlen 65.

Die Grundschule Völlen besuchen derzeit 65 Kinder. Kleine Schulen, betont die Gemeinde Westoverledingen, haben auch Vorteile. Foto: Archiv
Die Grundschule Völlen besuchen derzeit 65 Kinder. Kleine Schulen, betont die Gemeinde Westoverledingen, haben auch Vorteile. Foto: Archiv

„Es ist politisch gewollt, dass alle sieben Grundschulen erhalten bleiben – nach dem Leitsatz ,Kurze Beine – kurze Wege’. Eine Zusammenlegung von Schulen ist aktuell nicht angedacht“, erklärt Rathaussprecherin Kirsten Beening.

Einen Vorteil „kleiner Schulen“ sehe die Gemeinde etwa in der Zusammenlegung von Klassenstufen. Das könne organisatorische Gründe haben, etwa bei zu wenigen Schülern für eine Klasse. Pädagogische Gründe könne etwa die Förderung sozialer Kompetenzen und individueller Lernfortschritte sein.

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