Quakenbrück Leben mit autistischen Söhnen: Alleinerziehende aus Quakenbrück kann wieder Hoffnung schöpfen
Wenn Unterstützung durch Familie und Freunde nicht möglich ist, geraten viele Alleinerziehende an ihre Grenzen. Für die Ukrainerin Maria Barkovska aus Quakenbrück war es lange Zeit nicht leicht, doch durch die Hilfe der Caritas blickt sie nun positiv in die Zukunft.
Nachdem sie 2022 aus der Ukraine nach Deutschland gekommen war, trägt die 45-jährige Maria Barkovska inzwischen die Verantwortung für die ganze Familie: Ihre Mutter ist pflegebedürftig und zwei ihrer drei Söhne Autisten. Wie schafft sie es, mit dieser Herausforderung umzugehen? Unterstützung erhält sie auch aus Mitteln der Weihnachtsspendenaktion „Niemand bleibt allein“.
Kalter Wind weht über den Quakenbrücker Markt und nur wenige Passanten halten sich auf dem großen Platz auf. Neben der Marienkirche werfen vereinzelte Sonnenstrahlen ein Lichtspiel auf die Eingangstür eines flachen Neubaus: das Franziskushaus des Caritasverbandes.
Seit jetzt fast vier Jahren kommt Maria Barkovska, eine alleinerziehende Mutter aus der Ukraine, regelmäßig hierher. Neben all den eigenen Verpflichtungen und Bedürfnissen, kümmert sich die 45-Jährige auch noch um ihre Mutter und drei Söhne.
„Meine Jüngsten, Rodion und Naum, haben beide Autismus und deshalb einen großen Bedarf an Aufmerksamkeit und intensiver Zuwendung“, erklärt Barkovska. Anders als sich viele Menschen Autismus vorstellen würden, seien ihre Kinder eher aufbrausend als zurückhaltend und haben Schwierigkeiten damit, sich an Regeln und Absprachen zu halten.
Durch die Charakteristik des Autismus ihrer Söhne fällt es Barkovska schwer, in der Öffentlichkeit unauffällig zu bleiben. „Gemeinsam mit beiden geht es eigentlich kaum, dann stacheln sie sich nur gegenseitig an und auch so sind sie die meiste Zeit sehr laut“, erklärt sie.
Für die Alleinerziehende war lange Zeit nicht klar, wie sie sich in ihrer neuen Heimat zurechtfinden und organisieren soll. Über die Samtgemeinde Artland wurde sie dann aber an Migrationsberaterin Tatsiana Wolf-Aliashkevich vermittelt und die zwei Frauen arbeiten nun seit mehr als drei Jahren zusammen.
„Wir sind, sozusagen, ein gemeinsamer Haushalt geworden“, sagt Wolf-Aliashkevich lachend, als sie in ihrem Büro Platz nimmt. Im Auftrag des Caritasverbandes von Stadt und Landkreis Osnabrück findet sie gemeinsam mit Zugewanderten Strategien, damit sich diese in ihrem neuen Alltag besser zurechtfinden.
„Gerade zu Beginn unserer Zusammenarbeit war der Arbeitsaufwand sehr hoch, denn Erstanträge zu stellen und Frau Barkovskas Leistungsanspruch genau festzustellen hat eine Menge Zeit gekostet“, erklärt Wolf-Aliashkevich.
Die Arbeit des Caritasverbandes wird dabei teils aus öffentlichen Mitteln, zu einem wichtigen Teil aber auch durch Spenden finanziert – so auch aus der Aktion „Niemand bleibt allein“. „Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, welche Unterstützung wir anbieten, denn nur so können sie davon profitieren“, sagt Wolf-Aliashkevich.
Zunächst war das Ziel, den Pflegebedarf von Barkovskas Mutter feststellen zu lassen und anschließend Schwerbehindertenausweise für die beiden Söhne zu beantragen. Doch bis dahin stieß die Alleinerziehende bereits auf zahlreiche Hindernisse.
Gerade an einem Standort wie Quakenbrück können diese schnell zur unüberwindbaren Hürde werden: Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort sei nicht immer ausreichend, und auch die Ausbildung der Kinder gestaltet sich hier schwerer, als in einer größeren Stadt.
Doch genau dahin soll es für die Familie bald gehen, wie Wolf-Aliashkevich berichtet: „Frau Barkovska hat ab Januar eine neue Wohnung in Osnabrück und wir konnten es schaffen, neue Schul- und Therapieplätze für die Kinder zu finden.“
Für Maria Barkovska bedeutet dieser Neuanfang, wieder Hoffnung schöpfen zu können. „Das ist einfach Lebensqualität, die ich hier in Quakenbrück nicht habe und ich bin dem deutschen Sozialsystem so dankbar für diese Veränderungen, denn allein hätte ich das nicht geschafft.“
Die beiden Frauen blicken stolz auf ihre gemeinsame Zeit zurück und wollen auch zukünftig Kontakt halten. Auf Maria Barkovska warten zwar auch weiterhin noch einige Herausforderungen, wie die Kosten für die Renovierung der Wohnung, die das Jobcenter in Quakenbrück gestellt hat.
Inzwischen blicke sie solchen Aufgaben allerdings zuversichtlich entgegen, denn gemeinsam mit der Caritas in Quakenbrück habe sich die Alleinerziehende ein Fundament aufbauen können, das selbst unter großer Anstrengung nicht bröckelt.