Osnabrück  „Weinen und Lachen gehören zusammen“: Zwei Ehrenamtliche erzählen von der Arbeit im Hospiz

Noah Schnarre
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Von Noah Schnarre
| 05.01.2026 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sabrina Hoffmann (links) engagiert sich seit 14 Jahren im ambulanten Kinderhospizdienst. Bärbel Kusiek begleitet seit 30 Jahren erkrankte Menschen im ambulanten Hospizdienst. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen. Foto: Denise Matthey
Sabrina Hoffmann (links) engagiert sich seit 14 Jahren im ambulanten Kinderhospizdienst. Bärbel Kusiek begleitet seit 30 Jahren erkrankte Menschen im ambulanten Hospizdienst. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen. Foto: Denise Matthey
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Sabrina Hoffmann und Bärbel Kusiek gehören zu knapp 200 Ehrenamtlichen, die sich für das Osnabrücker Hospiz engagieren. Im November sind sie für ihre langjährige Arbeit ausgezeichnet worden. Ein Gespräch über das Abschiednehmen, die Trauer und das Lachen, das manchmal zum Weinen dazugehört.

Wenn Bärbel Kusiek über den Tod spricht, dann tut sie das mit einer Wärme, die einen zunächst überrascht – als spräche sie von einem guten Bekannten. Knapp 100 Menschen hat sie in den vergangenen 30 Jahren als Ehrenamtliche im ambulanten Hospizdienst begleitet. Von einigen kennt sie noch immer den Namen, die Situation, in der sie diese Menschen kennengelernt hat, mit manchen Angehörigen trifft sie sich bis heute zum Kartenspielen.

Als Bärbel Kusiek ihr Ehrenamt begann, hätte sie eigentlich selbst Unterstützung gebraucht. Ein Jahr zuvor hatte sie ihren Ehemann verloren. „Wenn ich ehrlich bin, war ich auf der Suche nach einem Ort, um zu trauern“, sagt sie. Während der Ausbildung, die jeder Ehrenamtliche in der Hospizarbeit absolviert, sei ihr vermittelt worden, dass ihre Tätigkeit nicht zur Trauerbewältigung geeignet sei. „Es hat mir trotzdem geholfen, teilweise aus der Trauer herauszukommen. Weil ich verstanden habe, was zur Trauer dazugehört, dass meine gesundheitlichen Probleme zu dieser Zeit darauf zurückzuführen waren.“

1997, kurz nach der Eröffnung des Osnabrücker Hospizes an der Johannesfreiheit, hat Kusiek ihr Ehrenamt aufgenommen. Zunächst direkt vor Ort im Stationären und meistens nachts, weil es gerade in der Anfangszeit an Personal gefehlt habe. „Ich bin dort hingegangen, wo ich gebraucht wurde“, sagt die 82-Jährige.

Nach zehn Jahren wechselte sie in den ambulanten Hospizdienst; besuchte die Menschen fortan in Pflegeheimen, Krankenhäusern und ihren Wohnungen. „Ich habe vorgelesen, zugehört und manchmal intensive Gespräche geführt. Ich denke, dass wir in der letzten Phase der Begleitung sehr viel mehr von dem sterbenden Menschen erfahren als die Angehörigen“, sagt Kusiek.

Manche Menschen hat Kusiek über ein Jahr lang begleitet, andere nur einige Tage, manchmal waren es nur wenige Stunden. „Danach habe ich immer versucht, mich persönlich von dem verstorbenen Menschen zu verabschieden.“ Viele habe sie oft sehr leidend gesehen, leidend kennengelernt, in schwierigen Situationen erlebt. „Es ist wunderbar, wenn man diesen Menschen dann entspannt und entkrampft daliegen sieht. Natürlich weiß ich, dass es mit der Muskulatur zu tun hat, die sich nach dem Tod entspannt. Aber ich habe immer dieses Bild und den Gedanken mitgenommen: Jetzt hat er es gut.“

Zum Tag des Ehrenamtes ist Kusiek im November 2025 für ihre langjährige Arbeit von Ministerpräsident Olaf Lies ausgezeichnet worden. Zum Ende des Jahres hat die 82-Jährige ihre ehrenamtliche Tätigkeit beendet. So ganz gehe sie aber nicht, sagt Kusiek, was bleibe, seien die Erinnerungen an Personen, denen sie in der letzten Phase ihres Lebens helfen konnte. „Es war eine Arbeit, die mich getragen hat, die ich gerne gemacht habe und die mich für mein Leben gestärkt hat“, betont Kusiek.

Ähnliches berichtet auch Sabrina Hoffmann. Sie engagiert sich seit 14 Jahren in der ambulanten Kinderhospizarbeit. „Die erkrankten Kinder begleiten wir in der Regel über mehrere Jahre“, sagt Hoffmann. Es ist eine Lebensbegleitung, die die gesamte Familie in den Blick nimmt und sich an ihren jeweiligen Bedürfnissen orientiert.

Wie wertvoll diese Arbeit für Familien sein kann, hat Hoffmann selbst erfahren: „2004 ist mein Neffe während eines Urlaubs im Kinderhospiz Löwenherz verstorben. Dadurch habe ich den Kinderhospizdienst kennenlernen dürfen. Auch wenn es eine wirklich schwere Zeit war, haben wir uns gut im Löwenherz aufgehoben gefühlt. Wir haben erfahren dürfen, dass man immer lachen darf, dass Weinen und Lachen eben manchmal zusammengehören. Diese Erfahrungen wollte ich weitergeben.“

Nach ihrem Qualifikationskurs hat Hoffmann ab 2012 für fünf Jahre die Begleitung eines erkrankten Kindes übernommen. Mittlerweile ist sie selbst Mutter von zwei Kindern. Da sie deshalb aus zeitlichen Gründen nicht mehr jede Woche zur Verfügung steht, leitet sie aktuell gemeinsam mit zwei weiteren Ehrenamtlichen die Geschwistergruppe Hopi. Vier- bis fünfmal im Jahr trifft sich die Gruppe in der Trampolinhalle, zum Schlittschuhlaufen oder Lasertag-Spielen.

„Wir haben eine lange To-do-Liste, die stetig wächst“, schmunzelt Hoffmann, für die ihr Ehrenamt zu einer Herzensangelegenheit wurde. „Ich fahre mit einem Lachen in die Begleitung und komme mit einem Lachen wieder zurück. Es ist eine Arbeit, die ich einfach von Herzen gerne mache.“

Für diese Haltung und Kontinuität wurde Hoffmann Mitte November 2025 mit dem Deutschen Kinderhospizpreis ausgezeichnet. Kinderhospizarbeit, das sei für sie, jemanden zu haben: zum Weinen, zum Reden und vor allem zum Lachen. „Denn das Lachen“, sagt Hoffmann, „bleibt immer.“

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