Hannover Wenn die FDP wieder aufersteht, dann im Ländle
Sollte der FDP ihre politische Wiedergeburt gelingen, dann in Baden-Württemberg. Und ihre Chancen bei der baldigen Landtagswahl stehen gar nicht so schlecht – wenn die Partei ihre Hausaufgaben macht.
Inzwischen steht die FDP nur noch selten im medialen Rampenlicht. Auch das traditionelle Dreikönigstreffen in Stuttgart, früher ein Highlight im politischen Jahreskalender, hat den Glanz vergangener Zeiten längst verloren. In diesem Jahr dient die alljährliche Zusammenkunft der FDP vor allem der Autosuggestion – die Liberalen wollen und müssen sich selbst beweisen: Wir leben noch, auch wenn wir nicht mehr im Bundestag vertreten sind.
Nach dem Ampel-Aus waren viele Liberale zunächst in eine Aufbruchstimmung verfallen, erlitten mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag allerdings eine harte Bruchlandung. Nun steht die FDP mit der anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg im März vor der alles entscheidenden Prüfung.
Denn wenn die Partei überhaupt noch so etwas wie ein Stammland hat, dann das Ländle: Schon im 19. Jahrhundert veranstaltete der FDP-Vorgänger Demokratische Volkspartei hier ein jährliches Dreikönigstreffen. Später stellte die Partei im Südwesten sogar den Ministerpräsidenten und war über Jahrzehnte immer wieder an der Landesregierung beteiligt.
Nicht in Berlin, sondern in Stuttgart soll deshalb die Wiedergeburt der Partei eingeläutet werden. Bei der letzten Landtagswahl 2021 reichte es noch für mehr als zehn Prozent – ein Ergebnis, von dem die Liberalen heute nur träumen können. Doch man sollte die FDP noch nicht abschreiben. Demoskopen bescheinigen der Partei aktuell immerhin fünf Prozent im Ländle. Es könnte also knapp reichen für den Einzug in den Landtag – das ist zwar eigentlich nicht der Anspruch der Liberalen, aber immerhin.
Sicher ist: Der Ausgang im Südwesten dürfte für die Zukunft der FDP entscheidend sein, auch für die weiteren Landtagswahlen im Verlauf des Jahres. Laut einer aktuellen Civey-Umfrage vermissen 32 Prozent der Bürger die Partei im Bundestag – das heißt aber noch lange nicht, dass sie die Partei auch wählen würden.
Die entscheidende Frage: Wofür vermissen sie die FDP eigentlich? Das müssen die Liberalen nun beantworten, ihr Profil wieder schärfen und den Wählern erklären, wofür es die FDP eigentlich noch braucht. Ob das gelingt, misst sich nicht am Applaus der Parteimitglieder in Stuttgart – sondern im März an der Wahlurne.