Vatikan Luxushotel statt Sozialwohnungen? So verdient die katholische Kirche 150 Millionen Euro
Eigentlich sollte die Herberge Domus Internationalis Paulus VI. saniert werden, um weiterhin kostengünstig Geistliche und Gläubige unterzubringen. Doch stattdessen kommt nun ein Vier-Sterne-Hotel. Warum es nun Kritik am „Papst der Armen“ gibt.
Das Haus diente seit dem 15. Jahrhundert als günstige Unterbringung für Geistliche im Vatikan: kein Prunk und kein Protz, nur Betten, ein Schrank, ein Tisch und eventuell noch das Bild eines Heiligen an der Wand. Als Jorge Mario Bergoglio noch nicht das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche war, lebte er eine gewisse Zeit in der Herberge Domus Internationalis Paulus VI. Als Papst Franziskus genehmigte er dessen endgültiges Ende. Das berichten das argentinische Blatt „La Nación“, italienische Medien und das Reiseportal „reisereporter.de“.
Dort, wo sonst Kardinäle, Bischöfe und sogar der „Papst der Armen“ selbst während ihrer Aufenthalte im oder auf der Durchreise durch den Vatikan nach langen Tagen wieder neue Energie tanken konnten, wird bald ein Vier-Sterne-Hotel Gäste aus aller Welt beherbergen. Das geht aus Unterlagen vor, die der argentinischen Zeitung „La Nación“ vorliegen.
Papst Franziskus hatte die Verpachtung dem Bericht zufolge genehmigt. Der Grund: wirtschaftliche Interessen. Eine Sanierung des mehr als 500 Jahre alten Gebäudes hätte den Heiligen Stuhl etwa 20 Millionen Euro gekostet – inklusive Energievorschriften und gehobenen römischen Standards sogar bis zu 60 Millionen Euro. Wie die italienische Zeitung „Il Messagero“ berichtet, sei dies „einfach zu viel“.
Im Gegensatz dazu bringt der auf 30 Jahre befristete Pachtvertrag der Kirche laut dem Bericht eine Summe von fünf Millionen Euro im Jahr ein. Das entspricht einem Gesamtgewinn von 150 Millionen Euro. Mit diesem Geld sollen unter anderem auch die Priester untergebracht werden, die nun ihr Zuhause verlieren.
Denn in der Herberge gibt es auch Prälaten, die dort dauerhaft wohnen. Darunter sind mehrere Kardinäle, die jetzt ebenfalls ausziehen müssen – eine schriftliche Bitte an den Vatikan, das Gebäude nicht zu einem Hotel umzuwandeln, blieb laut italienischen Medien erfolglos. Der Vatikan hatte die Vorgänge nicht selbst kommuniziert, erst der Bericht der argentinischen Zeitung „La Nación“ brachte sie ans Licht.
Doch jetzt regt sich öffentliche Kritik am Vorgehen der Kirche – und am verstorbenen Papst Franziskus. Denn der Argentinier sorgte bereits vor seiner Zeit als Kirchenoberhaupt für Wirbel in der Welt der Katholiken. Immer wieder kritisierte er Ordensgemeinschaften, die leer stehende Immobilien der Kirche in Hotels umwandeln ließen. Franziskus forderte damals, Sozialwohnungen aus den Gebäuden zu machen, um armen Menschen etwas vom Reichtum der Kirche zurückgeben zu können.
Auch wegen Aktionen wie diesen brachte es ihm unter vielen Anhängern der Kirche den Beinamen „Papst der Armen“ ein. Dass er nun das Ende der kostengünstigen Herberge selbst absegnete, sorgt nun für Kritik.
Besondere Bekanntheit erlangte die Domus, lateinisch für Haus, im Jahr 2013, als der frisch gewählte Papst Franziskus persönlich an der Rezeption erschien, um seine Rechnung per Kreditkarte zu begleichen – ein Bild, das um die Welt ging. In Zukunft werden die zu begleichenden Rechnungen jedoch voraussichtlich wesentlich höher sein.