Biathlon-Weltcup Emotionaler Sieg: Giacomel widmet Erfolg gestorbenem Freund

Sandra Degenhardt und Martin Kloth, dpa
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Von Sandra Degenhardt und Martin Kloth, dpa
| 08.01.2026 12:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Emotionaler Sieger: Tommaso Giacomel. Foto: Hendrik Schmidt
Emotionaler Sieger: Tommaso Giacomel. Foto: Hendrik Schmidt
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Vor gut zwei Wochen stirbt Sivert Bakken unerwartet. Der Sprint zum Auftakt des Biathlon-Weltcups in Oberhof steht emotional ganz im Zeichen des Norwegers - besonders durch den Sieger.

Tommaso Giacomel reckte den rechten Arm mit dem Trauerflor nach oben und blickte mit Tränen in den Augen Richtung Himmel. Trotz der tiefen Trauer um seinen plötzlich gestorbenen Freund Sivert Guttorm Bakken gewann der Italiener zum Auftakt des Biathlon-Weltcups in Oberhof das Sprintrennen. 

Giacomel hatte nach zehn Kilometern 13,2 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Philipp Nawrath und widmete Bakken den Sieg. Dritter wurde der Norweger Johannes Dale-Skjevdal (+25,2 Sekunden), den Giacomel im Zielraum umarmte.

Im anschließenden Frauen-Rennen, das wegen erwarteter Wetterunbilden um einen Tag vorverlegt wurde, überzeugten Franziska Preuß und Janina Hettich-Walz als Fünfte und Sechste. Siegerin über 7,5 Kilometer wurde die Schwedin Elvira Öberg vor Suvi Minkkinen aus Finnland und der Französin Julia Simon.

Trotz Sieges keine Freude 

Emotional im Fokus aber stand der vorangegangene Männer-Sprint mit Sieger Giacomel. „Es ist richtig komisch heute. Es ist einer meiner besten Tage im Biathlon und gleichzeitig einer meiner schlechtesten, weil Sivert nicht mehr hier ist. Das macht mich extrem traurig“, sagte der Italiener in der ARD. Auf die Frage, ob es ein Sieg für Bakken war, sagte er: „Ja.“ Trotz des Erfolges könne er sich nicht freuen, so der 25-Jährige, der auch bei der Siegerehrung wie Dale-Skjevdal und dessen Teamkollege Martin Uldal (5.) mit den Tränen kämpfte. Freude kam nicht auf.

Bewegende Zeremonie für Bakken

Gemeinsam mit den Norwegern hatte Giacomel bei einer bewegenden und tränenreichen Zeremonie Bakken gedacht. Gut zwei Wochen nach dem plötzlichen Tod des 27 Jahre alten Norwegers stand der erste Weltcup des Olympia-Jahres ganz im Zeichen der Trauer. Giacomel und die Norweger weinten bei der Gedenkminute, hielten die für Bakken reservierte Startnummer 1 in den Händen, applaudierten tapfer und liefen über die 10 Kilometer mit einem Trauerflor am Arm.

Nawrath war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Arena, wusste aber um die Zeremonie. „Das war alles sehr hart und emotional“, sagte Nawrath. Bei einem Zusammentreffen am Vortag sei Giacomel sehr geknickt gewesen. Das habe er aber richtig gut ablegen können „oder gerade deshalb vielleicht so ein Rennen geliefert“.

Nawrath freut sich über Rang zwei

Der 32-Jährige freute sich trotz der Umstände über seinen zweiten Rang und seinen ersten Podestplatz im Olympia-Winter. „Es ist echt eine Riesenerleichterung“, sagte er. Philipp Horn war als Siebter zweitbester Deutscher. David Zobel wurde guter Zwölfter und schaffte die halbe Olympia-Norm, Lucas Fratzscher belegte Rang 16. Damit verschaffte sich das Quartett eine gute Voraussetzung für die Verfolgung am Samstag (12.00 Uhr/ARD und Eurosport). 

Im Fokus des ersten Rennens nach dem Tod von Bakken standen aber Giacomel und die Norweger. „Wir erwarten nicht viel von uns hier. Wir wollen Sivert ehren“, sagte Vetle Sjåstad Christiansen vor dem Rennen. Der Gesamtweltcupführende Johan-Olav Botn, der seinen Freund am 23. Dezember tot in dessen Hotelzimmer im italienischen Lavazé gefunden hatte, war wegen einer Erkrankung ebenso wie Sturla Holm Laegreid nicht nach Thüringen gereist. 

Die Beerdigung Bakkens ist am kommenden Dienstag in Lillehammer. Viele des norwegischen Teams werden vor Ort sein, wie Teammanager Per Arne Botnan norwegischen Medien bestätigte. Man fliege am Montag nach Norwegen, um nach der Beerdigung am Dienstagabend nach Deutschland zurückzukehren. Am Mittwoch startet der Weltcup in Ruhpolding mit der Frauen-Staffel.

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