Berlin  Blackout in Berlin: Dieses Desaster muss die Politik wachrütteln

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 08.01.2026 14:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Stromausfall mitten im Berliner Winter: Etliche Haushalte im Südwesten der Stadt waren tagelang ohne Elektrizität und Heizung. Foto: dpa/Elisa Schu
Stromausfall mitten im Berliner Winter: Etliche Haushalte im Südwesten der Stadt waren tagelang ohne Elektrizität und Heizung. Foto: dpa/Elisa Schu
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Ganz Berlin hat wieder Strom. Doch der Fall muss ein Weckruf sein: Unsere Infrastruktur ist alarmierend verletzlich. Die Zeit drängt, das zu ändern. Denn es geht um viel mehr als nur Schutz vor Sabotage.

Am Ende war der Stromausfall einen Tag früher beendet als zwischenzeitlich prognostiziert. Auch das gesellschaftliche Engagement war überwältigend. Ohne die Hilfsangebote durch Nachbarn und freiwillige Helfer wäre die Krise noch schlimmer ausgefallen. Aber das war es auch schon mit den positiven Nachrichten.

Fünf Tage Notlage, zehntausende Menschen, die mitten im Winter in unbeheizten Wohnungen hocken mussten. Der Blackout in Berlin ist ein Desaster, das Folgen haben muss. Für die Politik, für Unternehmen.

Spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 wird viel über den notwendigen Schutz von Mobilfunkmasten, Bahntrassen oder eben Kraftwerken diskutiert. Der Fall in der Hauptstadt zeigt, dass all die Debatten um Sabotageaktionen viel zu wenig bewirkt haben.

Wahrscheinlich Linksextremisten ist es gelungen, mit ein paar geschickt platzierten Brandsätzen die Versorgung in mehreren Stadtteilen lahmzulegen. Wer den Tatort besucht, kann erahnen, welch leichtes Spiel die Täter hatten. Die angezündete Kabelbrücke liegt in einer Wellblechhütte, einzig durch einen Zaun und eine Metalltür geschützt. Und die öffentliche Infrastruktur ist nicht nur in Berlin verwundbar, sondern an vielen Orten des Landes, da sind sich Fachleute einig.

Das ließe sich ändern: Zu oft hängt die Stromversorgung an einigen wenigen Kabeln. Gäbe es mehr Wege für den Strom, wäre ein Anschlag wie in Berlin deutlich schwerer zu verüben – sogenannte Redundanzen. Auch zusätzliche Umspannwerke würden die Resilienz der Netze erhöhen. Das wäre langwierig und kostspielig, doch angesichts der Risiken notwendig.

Untätig bleibt die Politik nicht. Mit dem geplanten KRITIS-Dachgesetz will die schwarz-rote Bundesregierung Betreiber kritischer Infrastruktur stärker in die Pflicht nehmen und Anlagen wie Stromnetze, Flughäfen oder Krankenhäuser besser vor Sabotage schützen. Fachleute halten den Entwurf allerdings für zu schwach. Außerdem steckt er seit Monaten im Bundestag fest.

Dass dringend etwas geschehen muss, sollte jedem klar sein. Auch wenn es keine absolute Sicherheit geben kann: Jeder größere Stromausfall schürt Verunsicherung. Und dort, wo die Menschen verunsichert sind, sich hilflos fühlen, wächst der Zuspruch für die politischen Ränder. Wenn sich die verantwortlichen Politiker dann noch unaufrichtig verhalten – in Berlin verschwieg der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), dass er am ersten Krisentag Tennis spielte –, entsteht eine hochgefährliche Mischung.

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