Nuuk  Grönland-Ziele von Trump: Dieses Abkommen gibt dem US-Präsidenten bereits freie Hand

Patrick Kern, Finn Determeyer
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Von Patrick Kern, Finn Determeyer
| 08.01.2026 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Donald Trump hat sein großes Interesse an Grönland in den vergangenen Tagen bekräftigt und einen Abkauf sowie ein militärisches Vorgehen als mögliche Optionen in den Raum gestellt. Foto: dpa/Michael Kappeler, AFP/Odd Andersen
Donald Trump hat sein großes Interesse an Grönland in den vergangenen Tagen bekräftigt und einen Abkauf sowie ein militärisches Vorgehen als mögliche Optionen in den Raum gestellt. Foto: dpa/Michael Kappeler, AFP/Odd Andersen
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Donald Trump erhebt Anspruch auf Grönland – das hat er in den vergangenen Tagen wieder sehr deutlich gemacht. Dabei hat er dank eines alten Abkommens bereits erhebliche militärische Möglichkeiten auf der Insel. Was der US-Präsident dort machen darf – sofern er darum bittet.

Für die „nationale Sicherheit“ wollen die USA Kontrolle über Grönland erlangen – so zumindest begründet Donald Trump die Forderungen in Richtung Dänemark, die Insel freizugeben. China und Russland würden mit Schiffen nahe der Insel starke Präsenz zeigen, behauptet der US-Präsident. In diesen Tagen hat Trump einen möglichen Abkauf Grönlands ins Spiel gebracht – aber auch eine Übernahme mit militärischen Mitteln sei nicht ausgeschlossen.

Die Wahrheit ist: Trump braucht gar keine Kontrolle über Grönland, um dort mit eigenen Truppen vertreten zu sein. Abgesehen davon, dass die USA im Nordwesten Grönlands mit der Pituffik Space Base bereits einen eigenen Militärflugplatz mit Raketenwarnsystemen haben, existiert darüber hinaus seit 1951 ein Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Dänemark, das dem US-Präsidenten weitere entsprechende Schritte ermöglicht. Im Jahr 2004 wurde dieses aktualisiert und um das Mitbestimmungsrecht Grönlands erweitert.

Das Abkommen ist eine Ergänzung des Nordatlantikvertrags von 1949. Darin heißt es, dass die USA unter gewissen Umständen Militärstützpunkte auf ganz Grönland errichten und betreiben können. Sie dürfen dort Personal unterbringen, mit Flugzeugen und Schiffen auffahren und noch vieles mehr, was zum Schutz der Insel, der Bewohner und generell des Nordatlantikraums dient.

Mit der Forderung in Richtung Trump, die Drohungen gegen Dänemark und Grönland einzustellen, erinnerte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen selbst vor wenigen Tagen noch an die Vereinbarung von 1951: „Wir haben bereits heute ein Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich und den Vereinigten Staaten, das den Vereinigten Staaten weitreichenden Zugang zu Grönland gewährt.“

Das Ganze kann jedoch nur unter zwei Prämissen geschehen: Die Souveränität Dänemarks muss unbeschadet bleiben – und es muss eine vorherige Absprache zwischen den USA, Dänemark und Grönland gegeben haben.

Der dänische Forscher Mikkel Runge Olesen vom Danish Institute for International Studies sagte gegenüber der „New York Times“, die USA hätten in Grönland „so freie Hand“, dass sie im Grunde „ziemlich viel“ tun könnten – wenn sie „nur nett fragen“ würden.

Auch der dänische Verteidigungsanalyst Peter Ernstved Rasmussen äußerte gegenüber der Zeitung, dass es sich hierbei nur um eine Frage der Höflichkeit handeln würde. Die USA würden in der Praxis bei angemessenen Anfragen „immer ein Ja erhalten“. Jens Adser Sørensen, ein ehemaliger hoher Beamter im dänischen Parlament, meint, dass Trump schon jetzt die Sicherheit Grönlands verstärken könnte, wenn er wollte. Doch es habe bislang keine derartige offizielle amerikanische Anfrage gegeben.

Die Ausweitung der militärischen Kräfte dürfte jedoch nicht das einzige Ziel Trumps mit Blick auf Grönland sein. Auch die strategische Lage ist für die USA interessant: Die weltweit größte Insel liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Ebenso eröffnen steigende Temperaturen und schmelzendes Eis inzwischen neue und kürzere Seewege.

Zudem dürften Trump die wertvollen Rohstoffe im Boden reizen. Laut dem staatlichen Geologischen Dienst Dänemarks und Grönlands verfügt die Insel über 36,1 Millionen Tonnen Seltener Erden – wenngleich davon laut dem United States Geological Survey (USGS) nur etwa 1,5 Millionen Tonnen tatsächlich abbaubar sind.

Neben Seltenen Erden gibt es in Grönland auch Vorkommen von Lithium, Grafit und Kupfer. Auch fossile Brennstoffe wie Öl und Gas schlummern in den eisigen Böden Grönlands.

Mit dpa-Material

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