Ostfriesland  Landwirte in Sorge vor strengem Frost

Karin Böhmer
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Von Karin Böhmer
| 09.01.2026 09:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Es ist nicht der erste Winter mit Schneefall, den die Landwirte erleben. Vor längerem Frost oder - noch schlimmer - einem Stromausfall haben sie jedoch Respekt. Foto: Pixabay
Es ist nicht der erste Winter mit Schneefall, den die Landwirte erleben. Vor längerem Frost oder - noch schlimmer - einem Stromausfall haben sie jedoch Respekt. Foto: Pixabay
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Die Schneefälle haben auf den Höfen bisher kaum Probleme bereitet – nur mehr Arbeit. Wenn zweistellige Minusgrade kommen, bereitet das schon eher Sorge. Eine Sache fürchten die Landwirte besonders.

Aurich - Große Maschinen und Anpackergeist – die Landwirte in Ostfriesland kann so leicht nichts erschüttern. Auch der Schnee der vergangenen Tage hat sie bislang zwar Mehrarbeit gekostet, aber noch nicht in Not gebracht. Dem angekündigten Schneesturm am 9. Januar 2026 und dem ebenfalls angekündigten anschließenden mehrtägigen harten Frost sehen die Landwirte allerdings mit Respekt entgegen, wie Heiko Andreeßen, Auricher Kreisvorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland, sagte.

Der Milchviehhalter aus Ulbargen berichtete auf Nachfrage, dass die Landwirte durch den Schnee bislang vor allem mehr Arbeit hatten. Damit die Futterlieferungen und die Milchlaster auf die Höfe kommen können, müssen nicht nur die Betriebsstätten, sondern auch die teils langen Zufahrten geräumt sein. Und bei einigen Höfen sei es sogar nötig, die öffentliche Zuwegung freizuräumen, wenn die Gemeinde damit nicht hinterherkomme. Schließlich seien es große Laster, die die Milchtanks und Futtersilos erreiche müssten. Und dass eines der Fahrzeuge liegen bleibe, wolle kein Landwirt verantworten. Deshalb müssten täglich sicher anderthalb bis zwei Stunden Arbeit allein ins Räumen investiert werden.

Harter Frost setzt der Technik zu

Außerdem bedeute der Schnee für einige Landwirte auch einen höheren Aufwand, wenn es beispielsweise um den Transport von Silage in den Stall gehe, so Andreeßen. Die Silostelle müsse sorgfältig abgedeckt, die Wege müssten freigeräumt werden. Tierhalter, die ihre Tiere wie beispielsweise Schafe oder robuste Rinderarten auch im Winter grasen lassen, müssten bei geschlossener Schneedecke stärker zufüttern und die Tiere in den Unterständen versorgen. Und generell müssten die Landwirte natürlich ihre Futterreserven im Blick behalten und mögliche kurze Versorgungslücken wegen der angekündigten Schneeverwehungen oder eines Schneesturms im Vorfeld absichern.

Robuste Rinderrassen sowie Schafe verbringen große Teile des Winters draußen. Bei einer geschlossenen Schneedecke geht das aber nicht mehr. Foto: Pixabay
Robuste Rinderrassen sowie Schafe verbringen große Teile des Winters draußen. Bei einer geschlossenen Schneedecke geht das aber nicht mehr. Foto: Pixabay

Mehr Sorgen macht den Landwirten aber der anstehende mehrtägige Frost, der nachts laut Vorhersage wohl den zweistelligen Bereich erreichen dürfte und tagsüber auch nicht verschwindet. Dann bestehe nicht nur die Gefahr, dass Wasserleitungen einfrieren, sondern dann setze das auch den Melkmaschinen und den auf den Höfen eingesetzten Robotern zu. Die Technik müsse dann mit mobilen Heizungen oder Infrarotstrahlern vor dem Einfrieren geschützt werden.

Keine Angst vor Schneeverwehungen

Ebenso hätten viele Betriebe Mittel, um das Wasser in den Leitungen flüssig zu halten. Doch bei heftigen Minusgraden sei die Gefahr des Einfrierens kaum völlig zu bannen. „Dann geraten die Systeme irgendwann an ihre Grenze“, so Andreeßen.

Auch den Tieren werde bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt natürlich irgendwann kalt. Eine Milchkuh gefalle eine Temperatur von minus 5 Grad aber besser als plus 30 Grad.

Vor den Schneeverwehungen ist dem Ulbarger eigentlich nicht bange. Heutzutage hätten sowohl die Landwirte und Lohnunternehmer als auch die Behörden Geräte, wie es sie bei der sogenannten Schneekatastrophe von 1979 noch nicht gegeben habe.

Längerer Stromausfall ist größte Sorge

Großen Respekt habe man auf den Höfen aber vor einem längerfristigen Stromausfall. Zwar hätten fast alle Betriebe dieselbetriebene Notstromaggregate. Aber diese funktionierten nur, solange es auch Diesel gebe, sagte Andreeßen. Ein mehrtägiger Stromausfall wie nach den Manipulationen an der Infrastruktur nun in Berlin oder wie 2005 nach starken Schneefällen im Münsterland seien „ein Worstcase-Szenario“, sagte der Ulbarger. Falle der Strom länger aus, seien auch die Tankstellen geschlossen - und damit die Notversorgung erledigt. Ohne eine Notfallversorgung komme es schon nach einem Tag zu Schwierigkeiten.

Auf den Höfen funktioniere vieles mit Strom. Am schlimmsten und am schwersten zu kompensieren sei dann wohl ein Ausfall von Melkmaschinen, so der LHV-Kreisvorsitzende.

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