Oldenburg  Grönlands Verteidigung: Mehr als nur Hundeschlitten und trotzdem zu abhängig von den USA

Luise Charlotte Bauer
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Von Luise Charlotte Bauer
| 11.01.2026 09:00 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Nicht nur Touristen, auch die Streitkräfte in Grönland wollen auf Hundeschlitten nicht verzichten Foto: dpa/imageBROKER/Norbert Eisele-Hein
Nicht nur Touristen, auch die Streitkräfte in Grönland wollen auf Hundeschlitten nicht verzichten Foto: dpa/imageBROKER/Norbert Eisele-Hein
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US-Präsident Donald Trump macht sich über die Fähigkeiten Dänemarks zur Verteidigung der Arktis-Insel Grönland lustig. Doch was hat das Königreich außer Schlittenhunden noch zu bieten?

Der US-Präsident hat in den vergangenen Tagen erneut einen vermeintlichen Anspruch der Vereinigten Staaten von Amerika auf Grönland bekräftigt. Dabei spottet Donald Trump über das Nato-Mitglied Dänemark, zu dem die autonome Insel gehört. „Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung.“ So wird Trump zitiert.

Doch wie stark ist die Verteidigungsfähigkeit Dänemarks und damit Grönlands wirklich? Und wie schafft es das Königreich die riesige Insel in der Aktis vom 3500 Kilometer entfernten Dänemark zu schützen?

Ein Hauch Wahrheit steckt in Trumps Worten. Denn: Zu den dänischen Streitkräften gehört auch die Sirius-Patrouille. Dabei handelt es sich um eine Fernspäh-Einheit, die tatsächlich mit Hundeschlitten in Nord- und Nordostgrönland im Einsatz ist. Zu den Aufgaben der Spezialeinheit gehört unter anderem die Unterstützung bei Such- und Rettungsaktionen, aber auch die Gewährleistung der Einhaltung der Naturschutzbestimmungen und die Überprüfung von Expeditionen.

Auf den ersten Blick erscheint die Sirius-Patrouille wie ein Kuriosum. Doch was zunächst verwundert, hat durchaus Sinn und Verstand, betrachtet man die jeweiligen Einsatzgebiete und Aufgaben. Denn die Schlittenhunde sind gut an ihre Umgebung angepasst und eignen sich zum dortigen Transport von Menschen beziehungsweise Material. Bei der Aufklärung hingegen bieten sie den Vorteil, sich in den unwegsamen Gebieten Nord- und Nordostgrönlands auszukennen, sich gut bewegen zu können und aufgrund ihrer kleinen Einheiten unauffällig zu sein.

Das Arktische Kommando Dänemarks, das zur Verteidigung Grönlands und der Färöer-Inseln dient, besteht nicht nur aus der Sirius-Patrouille. Laut der dänischen Enzyklopädie „Lex – Danmarks Nationalleksikon“ variiert die Kapazität und Personalstärke je nach Jahreszeit. Im Durchschnitt seien demnach etwa 250 bis 300 dänische Soldaten in Grönland stationiert. Rund 17.300 Soldaten gehören insgesamt zu den dänischen Streitkräften. Zudem kann das Arktische Kommando im Konfliktfall auf Unterstützung der restlichen dänischen Streitkräfte sowie der Nato zählen.

Die dänischen Streitkräfte verfügen über mehrere Inspektionsschiffe, die ganzjährig vor Grönland und den Färöer-Inseln patrouillieren. Laut den dänischen Streitkräften sichern die vier Schiffe der Thetis-Klasse die dänische Souveränität, führen Fischereikontrollen durch, beteiligen sich an Seenotrettungseinsätzen und unterstützen die zivilen Behörden sowie die lokale Bevölkerung. Die vier Schiffe stammen aus den Jahren 1989 bis 1992.

Ebenfalls vor Grönland und den Färöer-Inseln unterwegs sind drei Inspektionsschiffe der Knud-Rasmussen-Klasse – den neuesten Schiffen der dänischen Marine in der Arktis. Ebenso wie die Schiffe der Thetis-Klasse sind diese Schiffe jeweils mit einer 76-mm-Kanone ausgerüstet und können bis zu etwa 80 Zentimeter dickes Eis brechen. Darüber hinaus verfügt die dänische Marine unter anderem auch über zwei U-Boot-Jagdfregatten, gebaut zwischen 2003 und 2005, sowie über drei weitere Fregatten aus den Jahren 2008 bis 2011.

Doch wie ist die dänische Luftwaffe aufgestellt? Diese ist stark von den Vereinigten Staaten abhängig. Das zeigt sich bei der Beschaffung der F-35-Kampfjets, die die vorhandenen F-16-Maschinen bis 2027 ersetzen sollen, sowie bei der Ausbildung der F-35-Piloten, die unter anderem in den USA stattfindet. Insgesamt hat Dänemark 27 Kampfjets beim US-amerikanischen Rüstungsunternehmen Lockheed Martin bestellt, von denen sechs dauerhaft zu Aus- und Weiterbildungszwecken dänischer Soldaten in den USA stationiert werden sollen. Die ersten F-35 erhielt Dänemark im September 2023.

Der Abhängigkeit scheint man sich in Dänemark bewusst geworden zu sein: Im Rahmen seiner Aufrüstungsinitiative will das Land circa 7,8 Milliarden Euro in Luft- und Raketenabwehrsysteme investieren, wie das Handelsblatt berichtet. In der Auswahl stünden Verteidigungssysteme von Unternehmen aus Frankreich, Italien, Norwegen und Deutschland, wie die Zeitung Verantwortliche zitiert. Demnach befindet sich kein US-amerikanisches Unternehmen im Wettbewerb.

Der Wille zur Modernisierung zeigt sich in den gesamten dänischen Streitkräften. Bis spätestens 2030 will Dänemark das Zwei-Prozent-Ziel der Nato erreichen. Dafür plant das Land, zwischen 2024 und 2033 insgesamt rund 19,2 Milliarden Euro für die Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit und Sicherheit auszugeben. So soll etwa die Marine modernisiert werden.

Im Januar 2025 hat der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen erklärt, dass das Land knapp zwei Milliarden Euro in die Sicherheit der Arktis investieren will. Im Oktober 2025 gab das Verteidigungsministerium bekannt, dass gemeinsam mit der färöischen sowie der grönländischen Regierung ein zweiter Teil dieses Verteidigungsabkommens über die Arktis und den Nordatlantik beschlossen wurde. Dieser sieht Investitionen von rund 3,7 Milliarden Euro für zwei zusätzliche Arktisschiffe, Seeaufklärungsflugzeuge, ein neues Hauptquartier für das Arktische Kommando, mehrere Drohnen und ein Nordatlantik-Unterseekabel zwischen Grönland und Dänemark vor.

Und auch bei der Sirius-Patrouille macht sich die Modernisierung bemerkbar: Unterstützt wird die Schlittenhund-Patrouille seit Dezember 2025 durch die Arktis-Spezialisten. Diese neue hochmobile Einheit nutzt Schneemobile sowie Schnellboote und kann per Flugzeug oder Fallschirm abgesetzt werden.

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