Frau am Freitag Schöner scheitern auf der Kegelbahn

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Eine Kolumne von Ute Nobel
| 16.01.2026 06:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Kegelbahnen lehren jedem, der sich auf sie wagt, Lektionen fürs Leben. Symbolfoto: dpa
Kegelbahnen lehren jedem, der sich auf sie wagt, Lektionen fürs Leben. Symbolfoto: dpa
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In uriger Atmosphäre vermittelt Kegeln der Frau am Freitag überraschende Lektionen. Es geht um Scheitern, Geduld und das tapfere Weitermachen.

Es gibt Sportarten, die im Rampenlicht stehen: Fußball mit Millionenverträgen, Tennis mit intellektueller Punktezählung. Und dann gibt es Kegeln. Kegeln drängt sich nicht auf. Es wartet im Keller, zwischen Holzvertäfelung und Kunstblumen, und flüstert: Wenn du willst, bin ich hier. Diesem Ruf folgte kürzlich die Redaktion – und machte einen Ausflug in ein uriges Ambiente mit dem Charme längst vergessener Zeiten. Die Frau am Freitag hat erst hinterher verstanden: Dieser Ausflug war mehr als ein nettes Beisammensein – denn Kegelbahnen lehren jedem, der sich auf sie wagt, Lektionen fürs Leben.

Die oft in die Jahre gekommenen Bahnen haben in all der Zeit ein Eigenleben entwickelt. Sie wissen am besten, wann es Zeit für den Spieler ist, sich kurz auszuruhen – und sich in Geduld zu üben. Da werden die Kegel an ihren Bändern immer wieder auf- und abgezogen, wie Marionetten in der Augsburger Puppenkiste. Denn nur die Bahn selbst entscheidet: Jetzt steht alles richtig, so kann es bleiben. Zumindest bis zum nächsten Wurf.

Egal ob jung, alt, trainiert oder untrainiert – beim Kegeln haben alle dieselbe Kugel in der Hand und dieselbe Hoffnung im Herzen: Dass man trifft. Manchmal fallen alle Kegel, manchmal bleibt nur einer stehen, aber meistens fallen vier – jedenfalls in unserer Runde. Diese standhaften Kegel fragen: Hast du wirklich dein Bestes gegeben? Und kleinlaut muss man sich eingestehen: Nein, habe ich nicht. Eine Lektion im Scheitern – doch wie die Kegel stellt man sich wieder auf und macht weiter. Aber niemals übermütig. Denn wer glaubt, alles im Griff zu haben, landet zuverlässig in der Rinne.

In einer Zeit, in der alles schnelllebig geworden ist, bringt Kegeln Gelassenheit: Stoisch rollt die Kugel ihrem Ziel entgegen – und verfehlt es mit Würde. Es heißt ja nicht umsonst eine ruhige Kugel schieben. Lektionen in Geduld, Resilienz, für mehr Gelassenheit und tapferes Scheitern – all das kann dieser Sport. Am Ende unseres Ausflugs stehen dort wieder neun Kegel – und warten auf das nächste Mal. Bis dahin setzen wir unsere neu erlernten Weisheiten um und wollen – tapfer bleiben.

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