Osnabrück Alt oder neu: Am Tivoli war für den VfL Osnabrück wenig zu holen
Silberjubiläum am Tivoli: Am Samstag (16.30 Uhr) tritt der VfL Osnabrück zum 25. Pflichtspiel seit 1955 in einem Stadion mit wohlklingendem Namen an. Für Fans des VfL Osnabrück ist ein Spiel bei Alemannia Aachen immer eine Reise wert. Obwohl für die Lila-Weißen selten etwas zu holen war.
Der neue Tivoli hat den Ruf der alten Kampfbahn in die Neuzeit gerettet – ein Ziel, das der VfL sich für den Umbau der Bremer Brücke ebenfalls gesetzt hat. Dazu hat auch ein Osnabrücker beigetragen: Architekt Stefan Nixdorf, der auch die neue Nordtribüne der Bremer Brücke entworfen hat, plante den am 17. August 2009 eingeweihten neuen Tivoli als Einrangstadion mit einem Stehplatzanteil von 30 Prozent bei einem Fassungsvermögen von 32 960. Der Neubau kostete 46 Millionen Euro.
„Der Stehplatzbereich ist das Zuhause eines Stadions“, sagte Nixdorf damals und setzte die Wünsche der Alemannia und ihrer Fans, die am Planungsprozess beteiligt waren, konsequent um. „Eng, steil, laut und gelb“ – das war die Vorgabe in der kürzesten Form. Der Preis für die ambitionierten Pläne und ihre großzügige Umsetzung war hoch: An den Bau- und Unterhaltungskosten geriet die Alemannia in wirtschaftliche Not, denn nach einem kurzen Höhenflug mit Bundesliga-Aufstieg, DFB-Pokal-Final-Teilnahme und UEFA-Pokal-Start kam ein heftiger Absturz.
Der führte 2013/14 sportlich bis in die Abstiegszone der Regionalliga West und wirtschaftlich in zwei Insolvenzverfahren. Gläubigerverzicht, eine kommunale Bürgschaft und schließlich der Kauf des Stadions durch die Stadt, die seitdem alle Unterhaltskosten übernimmt, retteten den Traditionsverein.
Der Ruf der 2009 stillgelegten alten Kampfbahn ist legendär, doch Alemannia Aachen hat es geschafft, das atmosphärische Grundrauschen zu erhalten. Der alte Tivoli mit seiner Enge und Lautstärke, mit seiner altmodischen, aber geliebten Stehplatzhalle und natürlich dem 23-stufigen Stehplatzrang Würseler Wall war ein Sehnsuchtsort für Fußball-Romantiker. Die Alemannia-Fans machten schon früh Stimmung mit Konfetti-Regen und Wunderkerzen-Glitzer. Egal, in welcher Liga: Die Alemannia lag mit ihrem Zuschauerschnitt fast immer im oberen Drittel.
Und so ist es auch im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die 3. Liga: Mit einem Besucherschnitt von 21.500 ist die Alemannia im Zuschauer-Ranking auf Platz drei hinter Hansa Rostock (24 600) und MSV Duisburg (22 500), der VfL ist Fünfter (15 000).
Egal ob alt oder neu: Von 24 Pflichtspielen am Tivoli hat der VfL nur drei gewonnen und 17 verloren. In der vergangenen Saison war das 0:1 am 35. Spieltag ein Rückschlag im Abstiegskampf. Es war das erste Duell mit den Kartoffelkäfern, wie die Alemannen seit Urzeiten wegen ihrer gelb-schwarzen Kluft genannt werden, seit dem 24. November 2012. Damals hatte der Spitzenreiter VfL beim Vorletzten Aachen durch ein Tor von Andreas Glockner mit 1:0 gewonnen und sich die Herbstmeisterschaft vor Preußen Münster und Arminia Bielefeld gesichert.
Die Premiere im neuen Tivoli hatte die beiden Dauerrivalen noch in der 2. Bundesliga zusammengeführt. Bei der 1:2-Niederlage verweigerte Schiedsrichter Bandurski dem VfL nach einem Foul von Tobias Feisthammel an Benjamin Siegert einen Elfmeter – und in der Nachspielzeit erzielte Feisthammel das Siegtor für die Alemannia.
So wartete der VfL weiter auf den ersten Erfolg am Tivoli seit 27 Jahren: Den hatte am 2. April 1983 Ralf Lehmann nach Vorarbeit von Lothar Gans herausgeschossen und Torwart Rolf Meyer mit einer starken Leistung gesichert. Der erste Sieg überhaupt am Tivoli datierte vom 27. November 1976: Ein Kopfballtor von Dieter Greif nach brillanter Vorarbeit von Herbert Mühlenberg reichte zum 1:0-Sieg gegen die Alemannia.
Ausgerechnet eine deftige Niederlage ist mit positivem Erinnerungswert in die VfL-Geschichte eingegangen: Am 30. September 1980 kam der VfL als Spitzenreiter zum Tivoli – und bezog eine denkwürdige Pleite. In einem Klassespiel vor einer Flutlicht-Kulisse mit 25 500 Zuschauern stürzte der Tabellenzweite Alemannia den VfL mit 5:0 vom Thron.
Die Osnabrücker bekamen vom Publikum Applaus für eine couragierte Vorstellung und von Alemannia-Trainer Erhard Ahmann Lob: „Das Ergebnis sagt nicht die Wahrheit, der VfL hat uns alles abverlangt.“ Sein Kollege Werner Biskup reagierte auf seine Weise: Am Tag danach gab es für seine enttäuschte Mannschaft keine Standpauke, sondern ein Sektfrühstück auf Einladung des Trainers.