Georgsmarienhütte  Kein schriftliches Dividieren mehr an Grundschulen: So finden Lehrer aus der Region Osnabrück den Beschluss

Catharina Peters
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Von Catharina Peters
| 18.01.2026 18:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Matheunterricht gibt es in Niedersachsen demnächst eine Neuerung: Das schriftliche Dividieren wird vom Grundschullehrplan gestrichen. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Im Matheunterricht gibt es in Niedersachsen demnächst eine Neuerung: Das schriftliche Dividieren wird vom Grundschullehrplan gestrichen. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
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In den Grundschulen in Niedersachsen wird es ab dem Jahr 2027 eine Änderung im Unterrichtsfach Mathematik geben: Die Methode des klassischen schriftlichen Dividierens wird nicht mehr gelehrt. Was sagen Lehrer aus der Region Osnabrück zu diesen Neuerungen im Lehrplan?

Multiplizieren, Subtrahieren, Dividieren: All das sind Grundrechenarten, die Kinder in der Grundschule lernen. Doch ab dem Schuljahr 2027/2028 soll der Lehrplan für die Klassen 1 bis 4 ausgedünnt werden: Die schriftliche Division wird dann erst in der weiterführenden Schule Thema werden. Wir haben bei Schulen in Georgsmarienhütte, Hagen aTW und Osnabrück nachgefragt, was das für sie in der Praxis bedeutet.

Grundschüler haben bislang in Niedersachsen gelernt, mit der „Rattenschwanz-Methode“ schriftlich Zahlen zu teilen, zu dividieren. Ein Rechenweg, der laut des niedersächsischen Kultusministeriums zu kompliziert und komplex sei und daher in Zukunft erst in der weiterführenden Schule auf dem Plan stehen soll.

Diese Neuerung im Matheunterricht sei „sehr schade“, findet Lehrerin Angela Hukriede vom Gymnasium Oesede: „Denn am Gymnasium holen wir die Schüler da ab, wo sie stehen. Die schriftliche Division wurde bei uns in Klasse 5 wiederholt und damit wurde das Wissen der Kinder vertieft“, sagt Hukriede, die seit über 20 Jahren die Fächer Mathematik und Physik in Georgsmarienhütte unterrichtet.

„Jetzt müssen wir die schriftliche Division komplett neu mit in den Unterricht integrieren und der Lehrplan ist schon sehr voll“, sagt die Pädagogin. Auch wenn die Schüler in der Grundschule weiterhin die Methode der halbschriftlichen Division erlernen, muss an den weiterführenden Schulen mit einem Mehraufwand für die Lehrkräfte gerechnet werden: „In der Klasse 5 behandeln wir Themen, die wiederholenden Charakter haben und den Kindern Erfolgserlebnisse verschaffen, wenn sie zeigen können, was sie aus der Zeit in der Grundschule schon alles können“, sagt die Mathe-Lehrerin. Dieser positive Lerneffekt falle durch das Streichen des schriftlichen Dividierens in der niedersächsischen Grundschule jetzt teilweise weg.

Einfach andere Themen auszulassen, die bislang in der fünften Klasse des Gymnasiums auf dem Curriculum stehen, sei ebenfalls keine Option: „Mathematik ist ein Fach, das stringent aufgebaut ist und bei dem kein Baustein weggelassen werden kann.“ Daher, so die Klassenlehrerin einer Klasse 5, werde sich der Unterricht für die 10- bis 11-Jährigen verdichten, die frisch auf das Gymnasium Oesede wechseln. „Wir werden daher mit den Grundschullehrern in den Austausch gehen und überlegen, wie wir die Neuerungen umsetzen und das schriftliche Dividieren in den Unterricht integrieren.“

Birgit Kaiser, die Schulleiterin der Erich-Maria-Remarque-Schule in Osnabrück, sieht hingegen kein Problem darin, die aktuell heiß diskutierte Rechenmethode an ihrer Schule neu zu lehren: „Die Kinder lernen ja weiterhin das halbschriftliche Dividieren, darauf bauen wir dann einfach auf“, sagt sie. Kaiser war bis 2018 als Rektorin an der Grundschule Dissen tätig und merkt an, dass es nötig ist, den Lehrplan in der Grundschule den Zeiten angemessen zu aktualisieren: „Es gibt so viele Themen, die an der Grundschule wichtig sind, die Lehrer brauchen dort mittlerweile viel Zeit für andere Dinge“, sagt Kaiser. Sie erklärt, dass an ihrer Schule ein Plan in der Mathefachkonferenz erstellt werde, um die schriftliche Division in den Unterricht einzuplanen: „Das ist für uns kein Beinbruch, wir fangen dann frisch und einheitlich mit der Methode an“, sagt Kaiser.

Für Grundschulen gehört die schriftliche Division laut niedersächsischem Kultusministerium bald nicht mehr zum Kerncurriculum. Das begrüßt Martin Hobelmann, Rektor der Grundschule Sankt Martin in Hagen aTW: „Es ist gut, dass diese fehleranfällige Methode nach hinten verschoben wird und erst in den weiterbildenden Schulen auf dem Lehrplan steht“, sagt Hobelmann. Hintergrund dafür ist laut des Schulleiters, „dass dieser Algorithmus kompliziert ist und von manchen Schülern in der vierten Klasse noch nicht vollständig verstanden wird.“

Auf die faule Haut legen sich Schüler und Lehrer angesichts des ausgedünnten Lehrplans dennoch nicht: „Wir freuen uns, dass wir nun mehr Zeit für andere Themen im Unterricht haben, sodass wir Schülern beibringen können, problemorientiert zu denken“, sagt Hobelmann. Die Anforderungen an den Grundschulunterricht im Fach Mathematik hätten sich gewandelt. Und es gebe noch einen Vorteil, so Hobelmann: Das Erlernen der halbschriftlichen Division könne somit intensiviert werden, was die Grundlage lege für den Unterricht in der weiterführenden Schule. „Ich finde, das Kultusministerium hat richtig reagiert. Ich erhoffe mir, dass die Schüler, wenn sie ein Jahr älter und reifer sind, den Stoff besser durchdringen und verstehen und nicht nur nachmachen, was ihnen beigebracht wird“, sagt Martin Hobelmann über die Neuerung, das schriftliche Dividieren in Zukunft erst ab Klasse 5 zu unterrichten.

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