Schleswig-Holstein Ohne Skrupel und Mitleid: Mit dieser perfiden Masche zocken Buchbetrüger Senioren ab
Es klingt verlockend: Ein Händler meldet sich, um ein angeblich wertvolles Buch zu kaufen. Doch dahinter steckt der Beginn eines hinterhältigen Tricks, der insbesondere Senioren um ihr Geld bringt – und viele in die Schuldenfalle treibt.
Die Verbraucherzentrale warnt aktuell davor, dass Betrüger neue Methoden entwickelt haben, um insbesondere ältere Menschen finanziell auszunehmen.
Vermeintliche Buchhändler locken mit dem Versprechen hoher Wertsteigerungen und drängen Senioren zum Kauf teurer Faksimiles (originalgetreue Nachbildungen historischer Dokumente, Bibeln und Ähnlichem), „Ergänzungsbänden“ oder auch zu einer Registrierung in Verkaufsdatenbanken. Doch die Produkte erweisen sich als wertlos und angepriesene Kaufinteressenten gibt es gar nicht. So beschreibt die Polizei die Masche, mit der Betrüger in ganz Deutschland unterwegs sind.
Sie geben sich als Buchhändler, Gutachter oder Vertreter von Handelsunternehmen aus und kontaktieren meist gezielt Besitzer beispielsweise von Brockhaus- oder Bertelsmann-Lexika-Sammlungen, oft zunächst per Telefon. Sie geben vor, Interessenten für einen Ankauf der Buchsammlung zu haben. Um den angeblichen Verkaufserlös zu steigern, müsse die Sammlung jedoch zunächst „komplettiert“ werden – durch den Kauf weiterer, besonders wertvoller „Ergänzungsbände“.
Die angebotenen Bände werden dabei nach Polizeiangaben oft für fünfstellige Euro-Beträge angeboten. Bei Begutachtungsterminen setzen die Betrüger ihre Opfer massiv unter Druck. Immer wieder wird dabei auch zum Abschluss von überteuerten Kreditverträgen gedrängt oder solche Verträge werden ohne das Wissen der Geschädigten abgeschlossen. Die gelieferten Bücher entpuppen sich als wertlos – sie sind nicht einmal einen Bruchteil des gezahlten Preises wert.
„Bücher und Faksimiles sind als Wertanlage nicht zu empfehlen – das sollten Verbraucher sowohl beim Kauf als auch beim Weiterverkauf bedenken“, heißt es von der Verbraucherzentrale. Den Verbraucherzentralen sei kein einziger Fall bekannt, in dem eine Sammlung gewinnbringend verkauft worden sei.
Wie viele Geschädigte es gibt, ist völlig unklar, weil viele Opfer aus Scham keine Anzeige bei der Polizei erstatten oder auch, weil sie den Betrug teilweise auch nach vielen Jahren immer noch nicht erkannt haben. Allein eine Bielefelder Anwaltskanzlei vertritt mehr als 2500 Mandanten, die Opfer dieser Methode geworden sind.
Teilweise verschulden sich Opfer so weit, dass sie sogar ihre Häuser verkaufen müssen. So soll es auch bei einem Senior aus Stapelfeld (Gemeinde in Schleswig-Holstein) gewesen sein, der immer wieder vermeintlich wertvolle Bücher von den Betrügern gekauft haben soll – bis seine Bank ihm kein Geld mehr auszahlte.
Bei den neuen Methoden treten Vertreter zum Beispiel als vermeintliche Gutachter auf, die Bücher vor Ort „begutachten“ oder fotografieren und dafür mehrere Tausend Euro kassieren. Es komme auch vor, dass an der Haustür kostenpflichtige Zertifikate angeboten würden, die die „Vollständigkeit“ der Sammlung bestätigen würden. Die Betrüger behaupten, dass ohne diese Zertifikate ein Wiederverkauf auf Online-Plattformen nicht möglich sei, und verlangen für ein solches Zertifikat ebenfalls mehrere Tausend Euro.
Bei einer weiteren Masche versuchen die Kriminellen, Verbrauchern weiszumachen, sie müssten ihre Buchsammlung kostenpflichtig „registrieren“, um sie verkaufen zu können. Auch bei dieser Masche handelt es sich um Betrug.
Dieser Artikel erschien zuerst auf „OM-online“.