Hannover  „Queere Bücherkisten für Kitas“: AfD-Abgeordnete Behrendt will jedes Buch prüfen

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 17.01.2026 16:20 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt kritisiert die „queeren Bücherkisten“ für Hannoveraner Kitas. Foto: dpa/ Julian Stratenschulte
Die AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt kritisiert die „queeren Bücherkisten“ für Hannoveraner Kitas. Foto: dpa/ Julian Stratenschulte
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Alle Hannoveraner Kitas haben „queere Bücherkisten“ bekommen, deren Inhalt auch moderne Familienkonstellationen thematisiert und Geschlechterrollen will. „Kein Kind im Vorschulalter braucht so etwas!“, findet AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt.

Alle 42 Hannoveraner Kitas haben vor einigen Tagen eine „queere Bücherkiste“ bekommen: Je 14 Bücher sollen „queere Lebensrealitäten bereits im frühen Kindesalter sichtbar machen“, teilt die Stadt mit. Es gebe „Menschen unterschiedlichster Körperformen und Hautfarben, mit und ohne Behinderung. Sie haben verschiedene Geschlechter und drücken ihr Geschlecht auf vielfältige Weise aus“, erklärte die Landeshauptstadt dazu. Auch gebe es zahlreiche Familienkonstellationen abseits „der sogenannten traditionellen Vater-Mutter-Kind-Familie“.

Deshalb hat die vom grünen Oberbürgermeister Belit Onay regierte Landeshauptstadt ihren Kitas „vielfältiges und altersgerechtes Material für die tägliche pädagogische Arbeit“ zur Verfügung gestellt. So könnten alle Kinder spielerisch lernen, „Unterschiede zu verstehen und wertzuschätzen“ und „sich selbst und ihre Familien in positiven Geschichten wiederzufinden“.

Ein queerer Mitarbeiter*innenstammtisch der Landeshauptstadt hat unter der Leitung der städtischen Beauftragten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt mehr als 100 Bücher gesichtet; 66 Titel wurden anschließend in eine Empfehlungsliste für Kindertagesstätten aufgenommen. Außerdem werden seit 2018 alle Kitaleitungen und seit 2020 schrittweise alle Kita-Teams zu den Themen LSBTIQ, Bedarfe, Haltung und pädagogischer Umgang mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in Krippe, Kita und Hort geschult, teilte die Stadt Hannover mit. Dadurch sei das Thema in den städtischen Kitas „seit Jahren fest verankert“.

Aber das gefällt nicht allen: „Natürlich ist es wichtig, älteren Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass es verschiedene Lebensentwürfe gibt, und dass es völlig in Ordnung ist, wenn sich Männer zu Männern hingezogen fühlen, oder Frauen zu Frauen“, so die AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt in einer Pressemitteilung. „Selbstverständlich!“ Hier aber „passiert anderes“, behauptet Behrendt: „Kinder werden mit Inhalten konfrontiert, die sie in einer entscheidenden Lebensphase überfordern und verunsichern. Kein Kind im Vorschulalter braucht ‚queere Bücherkisten‘!“

„Wie mit diesen Themen umzugehen ist, muss prinzipiell in der Verantwortung der Eltern bleiben. Übergriffige städtische Mitarbeiter mit ‚woker‘ Agenda haben sich bitteschön auch aus den Köpfen unserer Kinder fernzuhalten“, fordert Behrendt und kündigt an, „jeden der empfohlenen Titel einer ausführlichen Prüfung“ zu unterziehen und dann von der Landesregierung eine Stellungnahme einzufordern.

Mitte letzten Jahres hatte die Politikerin eine Kita in der Samtgemeinde Artland nahe Osnabrück aufgrund eines Sexualkonzepts zur Zielscheibe gemacht, wenig später sorgte ein „Kinderschutzkongress“ zum Thema für Aufsehen. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Göttingen wegen Volksverhetzung, ihre Immunität wurde vom Landtag aufgehoben. Die Landeshauptstadt Hannover wollte sich auf Anfrage nicht zur Kritik der AfD-Abgeordneten äußern, sondern verwies auf eine Pressemitteilung. Dort heißt es: „Die zentrale Botschaft lautet dabei, dass Menschen nicht alle gleich sind, aber alle gleich wertvoll.“

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