Aachen VfL Osnabrück: Warum die Mannschaft auswärts so stark ist - und was daheim noch fehlt
Der VfL Osnabrück ist mit einem 3:0-Sieg in die Rückrunde gestartet. In der Auswärtstabelle der 3. Fußball-Liga ist der Verein damit nun wieder Spitzenreiter. Was die Mannschaft in der Fremde so stark macht und was in der Rückrunde zum wichtigen Faktor werden kann.
Direkt nach dem dritten Tor des Tages wurde es laut im Block des VfL Osnabrück. „Auswärtssieg, Auswärtssieg“, skandierten die knapp mitgereisten 3000 Fans am Aachener Tivoli. Oft durften sie das in der Vergangenheit hier nicht singen. Doch in dieser Saison sind die Lila-Weißen in fremden Stadien eine Macht.
Das 3:0 des VfL Osnabrück bei Alemannia Aachen war der sechste Sieg im zehnten Auswärtsspiel. Nur zweimal gab es eine Niederlage in der Fremde. Direkt am Anfang bei 1860 München und kurz vor Ende der Rückrunde beim 1:4 in Verl. Den SC hat der VfL nun wieder abgelöst als Spitzenreiter der Auswärtstabelle. Die Verler werden es verschmerzen können. Durch den 5:2-Heimsieg gegen Waldhof Mannheim sind sie nun Gesamtspitzenreiter der 3. Fußball-Liga.
Denn im Gegensatz zum VfL, liefert Verl nicht nur auswärts, sondern auch zu Hause fleißig ab. Da wollen die Osnabrücker ebenfalls hinkommen. „Daheim wollen wir eine Macht werden“, hatten Joe Enochs, Direktor Fußball, und Trainer Timo Schultz zum Saisonstart als ein Ziel ausgegeben. Doch ausgerechnet an der Bremer Brücke ist noch Luft nach oben. Auswärts dabei sein macht den Anhängern bisher deutlich mehr Spaß.
Ein Grund dafür ist Robin Meißner. In Aachen wieder einmal Mann des Spiels. Doppeltorschütze Bryan Henning legte er beide Treffer auf. Am Ende belohnte sich der Stürmer für seinen Fleiß, seinen Einsatz, seine Präzision und seine Übersicht dann auch noch mit einem eigenen Tor. Sechsmal hat er bisher getroffen. Immer auswärts. Vier von seinen fünf Vorlagen gab er in fremden Stadien. Hier ist Meißner besonders wichtig für den VfL, der eine Kaufoption für den Leihspieler von Dynamo Dresden besitzt. Diese soll sich in einem erschwinglichen Rahmen bewegen. Vieles deutet darauf hin, dass die Osnabrücker sie wohl ziehen.
Zu Hause sieht zumindest die Bilanz auf dem Papier mit einer Vorlage deutlich mauer aus. Auch deshalb hatte der VfL im Winter Julian Kania von Arminia Bielefeld ausgeliehen. In Aachen gab der 24-Jährige sein Pflichtspiel-Debüt für Osnabrück und lief gemeinsam mit Meißner im Sturm auf. Am Tivoli traten sie meist als Doppelspitze auf. Meißner kann aber auch der Linie dahinter agieren. Vor allem aber kann er gut die Räume nutzen, die Kania - eher der klassische Strafraumspieler - ihm ermöglicht.
Es liegt nicht an der Verpflichtung alleine. Der VfL hat im Winter, und auch schon davor, daran gearbeitet flexibler zu werden. Im Mittelfeld agierte die Mannschaft in Aachen etwa überwiegend mit Bjarke Jacobsen als zentralem Anker und Lars Kehl und Bryan Henning davor - mit Erfolg. Vor allem Henning nutzte die neue Freiheit sehr und erfüllte eine der Forderung von Trainer Timo Schultz in der Winterpause vorbildlich: „Wir wollen mehr Torgefahr in allen Mannschaftsteilen.“ Nach den Einwechslungen von Tony Lesueur und Ismail Badjie wurde wieder umgestellt, um die Schnelligkeit der beiden Profis zu nutzen. Routinier Robert Tesche, der sein zweiter Pflichtspieleinsatz in dieser Saison, kam als Ruhepol in die Partie.
Die Breite des Kaders und die Tatsache, dass aktuell jeder das Bestreben zeigt, seine Rolle anzunehmen und, so gut es geht, zu erfüllen, kann in der Rückrunde zum wichtigen Faktor werden. Sie rührt nicht nur aus der Verpflichtung Kanias, sondern hat ihren Ursprung auch darin, dass der VfL sich in der Hinrunde selbst Alternativen geschaffen hat - und sogar weiteres Potenzial im Kader schlummert. Der Blick auf die Aufstellung in Aachen belegt das. Da fehlten etwa Robin Fabinski (angeschlagen), Fridolin Wagner (Gelbsperre) und Kevin Schumacher (nicht berücksichtigt) - und die Bank bot einige Möglichkeiten auf verschiedene Entwicklungen im Spiel zu reagieren.
Musste der VfL aber nicht, auch wenn es zu Beginn des Spiels kurz einmal anders aussah. Doch kleine Wackler wurden schnell ausgebügelt. So parierte Torwart Lukas Jonsson zweimal stark auf der Linie und die Abwehrleute waren zur Stelle, wenn sie gebraucht wurden. Am Ende stand das zehnte zu Null im 20. Ligaspiel. Ein Fakt, der beim Blick auf drei Tore beinahe unterging. Nach neun Gegentreffern aus zuvor vier Pflichtspielen und vier Gegentoren in den beiden Tests gegen Schalke und Oberhausen (je zwei), sendete der VfL ein wichtiges Signal.
Dass Mannschaft und Trainerteam deswegen noch lange nicht in Euphorie verfallen, wurde ebenfalls deutlich - etwa in der 84. Minute. Da trat Schultz an der Seitenlinie nach einem Patzer von Niklas Wiemann mit einer derartigen Wucht gegen einen Koffer, wie er früher den Ball nur in höchster Not aus dem Strafraum drosch.
Es gibt noch viel zu tun. Die defensive Stabilität soll weiter bewahrt sowie die eigene Torgefahr und Effizienz erhöht werden - und zwar vor allem daheim. Erst neun Treffer erzielte der VfL an der Bremer Brücke in zehn Spielen. Deutlich zu wenig. Auch, wenn immerhin schon vier Heimsiege dabei heraussprangen. Der letzte allerdings (1:0 gegen Ingolstadt) datiert von Ende November. Woher es rührt, dass es zu Hause noch stockt? Das ist die zentrale Frage. Sollte der VfL bald die Antwort darauf finden, dürften die Fans in der Rückrunde nicht nur auswärts Spaß an den Spielen ihrer Mannschaft haben.