Osnabrück  „Froh über graue Tage“: Anke Schwarzbich lebt mit und wegen Multipler Sklerose

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 20.01.2026 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn sie eine Pause braucht oder erschöpft ist, legt sich Anke Schwarzbich mit einem Krimi in ihre Hängematte. Sie engagiert sich in Multiple Sklerose-Selbsthilfegruppen. Foto: Thomas Wübker
Wenn sie eine Pause braucht oder erschöpft ist, legt sich Anke Schwarzbich mit einem Krimi in ihre Hängematte. Sie engagiert sich in Multiple Sklerose-Selbsthilfegruppen. Foto: Thomas Wübker
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Anke Schwarzbich hat Multiple Sklerose. Die Wallenhorsterin lebt aber nicht nur mit der Krankheit. Sie engagiert sich in mehreren Selbsthilfegruppen, um Erkrankte zu unterstützen – und auch sich selbst eine Stütze zu sein.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Nervenschutzhülle angreift. Das führt zu Gefühlsstörungen, Lähmungen, Sehstörungen oder Erschöpfung. Die Krankheit wird meist zwischen 20 und 40 Jahren diagnostiziert. Heute ist sie gut behandelbar, aber immer noch nicht heilbar.

Als Anke Schwarzbich erfuhr, dass sie MS hat, sei sie erst froh gewesen, sagt sie. Damals war sie 28 Jahre alt, alleinerziehend und wusste nicht, was mit ihr los ist. Sie war erschöpft, hatte „Miss-Empfindungen“, also unangenehmen, stechenden oder brennenden Schmerz in ihrer linken Körperhälfte, wenn ihr jemand auf die Schulter klopfte oder ein Hund an ihr schnüffelte. Zudem funktionierte die Motorik ihrer rechten Hand manchmal nicht. Aber sie hörte von den Ärzten nur, sie solle spazieren gehen oder mehr essen. Heute kann sie nicht mehr in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten. Sie hat lediglich einen Mini-Job im Franziskus-Hospital.

Erst durch ihre Diagnose sei sie mit dem Thema MS in Berührung gekommen, sagt die 56-Jährige. Ihr halbes Leben lebt sie nun damit. Die gelernte Krankenschwester sagt, dass sie damit leben kann, wenn ihr Leben planbar ist. „Dann kriege ich viel hin.“ Wenn es aber zum Beispiel heiß ist im Sommer, dann verkriecht sie sich. Die Hitze und das grelle Licht der Sonne verursachen ihr Schmerzen. „Ich bin froh über graue Tage.“

Zum Glück erfährt sie Unterstützung von ihrer Familie. Ihr Bruder hilft ihr, ihr mittlerweile erwachsener Sohn wohnt in der Nähe. Für ihn muss es in seiner Kindheit nicht einfach gewesen sein. „Ihm Fahrrad fahren im Straßenverkehr beizubringen, das ging gar nicht“, erzählt Anke Schwarzbich.

Doch sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Anke Schwarzbich hat sich nicht in ihr Schicksal ergeben, sondern sich für andere engagiert. Recht bald nach ihrer Diagnose hat sie die Leitung einer Selbsthilfegruppe in Osnabrück übernommen. Später kam die Selbsthilfegruppe MS Wallenhorst/Bramsche dazu. Und dann wurde sie Delegierte beim Landesverband Niedersachen der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).

„Ich kann ja nicht nein sagen“, erzählt die sonst so kontrolliert wirkende Frau mit einem Lachen. Dazu gibt es auch eine virtuelle Gruppe, die sich digital über WhatsApp trifft, sagt sie weiter. Die ist gerade für die MS-Patienten wichtig, die nicht mehr mobil sind. „Endlich sehe ich wieder Menschen“, sei die euphorische Reaktion einer Patientin gewesen, berichtet Schwarzbich.

Auch für sie selbst sei die Leitung und die Tätigkeit in den zwei MS-Selbsthilfegruppen hilfreich, sagt sie. Insgesamt gibt es zehn in Stadt und Landkreis Osnabrück. Es ist nicht nur Arbeit, sondern Motivation und der nötige Schub, um aktiv zu werden, etwas zu tun. „Wenn es gar nicht geht, muss ich die Treffen absagen“, sagt sie. Aber ihre Arbeit sei wichtig für die MS-Patienten und ihre Angehörigen. Mittlerweile seien durch die Gruppen auch Freundschaften entstanden, sagt sie weiter. „Der Vorteil in den Gruppen ist: Jeder versteht, was der andere hat.“

Mehr Infos über die MS-Kontaktgruppen in Stadt und Landkreis Osnabrück unter www.ms-kontaktgruppe.de. Mehr Infos über Multiple Sklerose unter www.dmsg.de.

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