Osnabrück So kommt Theo Magongoma aus Kapstadt als Macbeth ans Theater Osnabrück
Auf der Bühne des Osnabrücker Theaters am Domhof muss Theo Magongoma echte und vermeintliche Gegner niedermetzeln. Beim Tee im Lieblingscafé hingegen erlebt man den Sänger ausgesprochen zugewandt, angenehm und liebenswert.
Den Regisseur Hendrik Müller nennt Theo Magongoma sein „Sweetheart“. Damit beschreibt der Sänger einerseits, wie angenehm es ist, am Theater Osnabrück Giuseppe Verdis Oper „Macbeth“ zu erarbeiten. Noch mehr aber sagt diese liebevolle Bezeichnung über den südafrikanischen Bariton aus: Magongoma begegnet den Menschen und dem Leben mit Liebe.
„Jeder hier gibt mir das Gefühl, willkommen zu sein“, sagt er, deshalb erlebt er seine Umwelt hier sehr positiv. Und weil Magongoma ein durch und durch positiver Mensch ist, erkennt er sogar in der mordenden Titelfigur dieses „Opern-Thrillers“ – so schreibt das Theater selbst über die Oper – einen Rest von Menschlichkeit.
Dieser Macbeth mordet sich auf seinem Weg nach oben zum Königsthron, so, wie es ihm drei Hexen prophezeien. Dass sie ihm auch den eigenen Tod vorhersagen, blendet Macbeth aus. Doch selbst diesem Monster verleiht Verdi ein gewisses Maß an Menschlichkeit, sagt Magongoma. Deshalb liebt der Bariton Verdis Musik so sehr, und das schon ziemlich lange.
„Ich habe mit acht Jahren meine Mutter verloren“, sagt Magongoma. Verarbeitet hat er diesen Schicksalsschlag mithilfe der Musik: Der Knabe sang im Kirchenchor, und er sammelte Schallplatten.
Eines Tages wollte der Priester seiner Gemeinde seine Schallplatten entsorgen, und bevor sie im Müll landeten, nahm Magongoma sie lieber mit nach Hause. Darunter eine Aufnahme von Verdis „La Traviata“ mit der Schweizer Sopranistin Maria Stader in der Titelrolle und dem Dirigenten Hans Schmidt-Isserstedt am Pult des NDR-Symphonieorchesters. „Eine südafrikanische Pressung“, sagt Magongoma dazu.
Für den Achtjährigen eröffnete diese Musik eine neue Welt. „Violettas Leid war wie ein Ausdruck des Leids meiner Mutter“, sagt er, und das half ihm, seinen eigenen Schmerz zu verarbeiten. Außerdem begeisterte er sich für die Arie des Germont aus dem zweiten Akt, die der afroamerikanische Bariton Lawrence Winters in dieser Aufnahme singt. So entstand der Wunsch, selbst Opernsänger zu werden.
Verdi hat ihn dabei nicht nur auf den Weg gebracht, sondern ist ihm auch ständiger Begleiter geworden. Den Grafen Luna aus „Il Trovatore“ hat er gesungen, demnächst übernimmt er am Nationaltheater Mannheim die Titelrolle in „Nabucco“, und am Samstag gibt er im Theater am Domhof sein Debüt als Macbeth.
Regisseur Hendrik Müller und Chefdirigent Christopher Lichtenstein sprechen über „Macbeth“:
Magongoma bereitet sich darauf akribisch vor. In seinem Rucksack hat er den Text von William Shakespeare dabei, auf dem Verdis Oper beruht. Das Libretto von Francesco Maria Piave und Andrea Maffei hat er ebenso akribisch studiert wie die Partitur. Doch das sind nur Vorbereitungen für die Arbeit auf der Bühne im Theater am Domhof. Dabei sind Susann Vent-Wunderlich als seine nicht minder grausame Gattin Lady Macbeth, Dominic Barberi als Banquo und Florian Wugk als Macbeths Gegenspieler Malcolm. Und natürlich Chefdirigent Christopher Lichtenstein als musikalischer Leiter.
Seinen Lebensmittelpunkt hat Magongoma nach wie vor in Kapstadt. Musikalisch ist aber Deutschland mit seinen vielen Opernhäusern das Traumland: Auf den „Nabucco“ in Mannheim folgt ein Engagement bei den Gluck-Festspielen in Bayreuth. Und danach? Theo Magongoma hat große Pläne. Begonnen hat er ja mal als lyrischer Bariton mit Partien wie dem Papageno in Mozarts „Zauberflöte“. 2019 wechselte er ins dramatische Fach, Macbeth ist dafür eine typische Gesangspartie. Von da aus will er sich schließlich die großen Rollen Richard Wagners erschließen.
Dass er damit auf einem guten Weg ist, zeigen die Preise, die er sich bereits ersungen hat, bei Wettbewerben in Italien, den USA und in Wien. Und dass er genau auf der richtigen Spur unterwegs ist, wird deutlich, wenn er über seinen Beruf spricht: „Der Allmächtige hat mich gesegnet“, sagt er, „weil ich meinen Traum leben kann.“ Und weil er ein großer Menschenfreund ist, gesteht er auch einem blutrünstigen Monster wie Macbeth ein Quäntchen Menschlichkeit zu.