Osnabrück  Eltern-Protest hat Erfolg: Warum Osnabrück flexiblere Abholzeiten an Grundschulen ermöglicht

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 20.01.2026 15:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Für ihre Kinder und die Vereinbarung von Familie und Beruf haben sich Osnabrücker Eltern mehr Flexibilität bei den Abholzeiten in den Grundschulen gewünscht. Die Stadt kommt diesem Wunsch nun nach. Foto: imago images/Shotshop
Für ihre Kinder und die Vereinbarung von Familie und Beruf haben sich Osnabrücker Eltern mehr Flexibilität bei den Abholzeiten in den Grundschulen gewünscht. Die Stadt kommt diesem Wunsch nun nach. Foto: imago images/Shotshop
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Auf Druck Hunderter Eltern hat die Stadt Osnabrück eingelenkt: Schon bald sollen flexiblere Abholzeiten an Grundschulen möglich sein. Eigentlich war die Stadt dagegen. Warum das nun doch gehen soll.

Mehr als 1200 Menschen haben mittlerweile die Online-Petition der Osnabrückerin Eva-Maria Gersch unterzeichnet, die flexiblere Abholzeiten an Grundschulen fordert. Sie will ihrer Tochter, die die zweite Klasse besucht, keine Acht-Stunden-Tage zumuten.

Ihr Dilemma: Entweder, sie bucht den schulischen Ganztag und ihre Tochter darf erst um 15.30 Uhr nach Hause kommen – oder Schulschluss ist schon um 12.45 Uhr, ohne Mittagessen. Das wiederum kann Gersch, die selbst Lehrerin ist, kaum mit ihrem Beruf vereinbaren. Ihr fehlt eine Zwischen-Abholzeit gegen 14 Uhr.

Mit ihrer Petition hat die Osnabrückerin einen Nerv getroffen – und einen Erfolg erzielt: In einer Mitteilungsvorlage für den Schul- und den Jugendhilfeausschuss schreibt die Stadtverwaltung, dass sie schon ab dem Schuljahr 2026/27, also nach den Sommerferien 2026, die Option einer zusätzlichen Abholzeit abbilden werde.

Nun sind die Schulen am Zug. „Die Entscheidung über die Einführung einer zusätzlichen Abholzeit trifft der jeweilige Schulvorstand“, schreibt die Stadtverwaltung. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt Oberbürgermeistern Katharina Pötter, der Verwaltung sei noch nicht bekannt, welche Schulen nun zusätzliche Abholzeiten einführen werden. „Ich bin aber sicher, dass die Schulvorstände den Bedarf der Familien abholen werden.“

Eine zusätzliche Abholzeit soll frühestens 90 Minuten nach Unterrichtsende möglich sein – das wäre dann, je nach Schule, gegen 14 oder 14.30 Uhr. Ist ein Kind an einem oder mehreren Wochentagen zum schulischen Ganztagsangebot ab mittags angemeldet, ist die Teilnahme daran verpflichtend. Anschließend besteht noch die Möglichkeit einer Hortbetreuung, die übrigens ab August 2026 kostenfrei sein wird.

Mit der Öffnung der Abholzeiten folge die Stadt dem „deutlichen Elternwillen“, heißt es in der Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung – „trotz pädagogischer und bildungspolitischer Bedenken“.

Aus pädagogischen Gründen sei die Stadt zunächst skeptisch gewesen, eine zusätzliche Abholzeit einzurichten, erläutert Pötter. Erst seit Sommer 2024 sind alle Grundschulen in Osnabrück Ganztagsschulen – zwei Jahre übrigens vor dem bundesweiten Anspruch auf Ganztagsbetreuung. „Für den Beginn wollten wir den Schulen die Ruhe geben, das Ganztagssystem zu etablieren“, so Pötter. Es gehe dabei auch um konstante Gruppen.

Demgegenüber stehe aber der Elternwille – und der Wunsch nach einer zusätzlichen Abholzeit sei nicht erst durch Eva-Maria Gerschs Petition bei der Verwaltung angekommen. „Wir waren schon mit dem Stadtelternrat und den Grundschulen im Gespräch“, betont Pötter. Der Druck auf die Schulleitungen durch die Eltern sei bereits da gewesen.

Durch die Petition sei das Thema schließlich öffentlich geworden, so Pötter. „Die Akzeptanz der Ganztagsschulen würde, wenn wir sturbleiben, zurückgehen“, vermutet die Oberbürgermeisterin. Anders herum rechne sie nun damit, dass die Zahl der Familien, die am Ganztag teilnehmen, steigen wird.

Zusatzkosten entstehen der Stadt nicht. „Laut geltender Erlasslage des Landes gelten Schülerinnen und Schüler, die an zwei Einheiten à 45 Minuten im Rahmen des Ganztags teilnehmen, als Ganztagskinder, auch wenn sie nicht bis zum Ende des schulischen Ganztags bleiben“, schreibt die Verwaltung. Sprich: Wenn die Kinder 90 Minuten nach Ende des Unterrichts im offenen Ganztag bleiben, bezahlt das Land auch das Personal.

Pötter betont, dass die Petition hilfreich gewesen sei und dass alle Gepräche sachlich und lösungsorientiert gelaufen seien – „ein Prozess, wie er idealerweise läuft“, sagt sie. Eva-Maria Gersch erfuhr am Dienstag erst durch den Anruf unserer Redaktion von der Mitteilungsvorlage der Verwaltung. „Das klingt erstmal gut!“, sagt sie. Im Dezember hatte noch ein Treffen zwischen Stadtverwaltung, Stadtelternrat und ihr stattgefunden. „Ich hatte den Eindruck, unser Anliegen wurde verstanden“, sagt sie.

In der öffentlichen Sitzung des Stadtelternrats am Mittwoch, 21. Januar, um 19 Uhr im Ratsgymnasium steht das Thema auch auf der Tagesordnung.

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