Osnabrück Verantwortung ist jetzt: Woran uns der Holocaust-Gedenktag erinnert
Der Montag muss nicht grau sein. In unserer Kolumne „Der gute Start“ finden Sie künftig jeden Montag einen kurzen Impuls, der Mut macht, zum Nachdenken anregt oder einfach für ein Lächeln sorgt. Geschrieben von Menschen aus unserer Region für die Menschen in unserer Region.
Gedenktage sehe ich oft skeptisch – zu leicht wirken sie wie ein Alibi, um sich den Rest des Jahres nicht kümmern zu müssen. Doch in diesem Jahr bin ich dankbar für den 27. Januar, den Tag der Befreiung von Auschwitz vor 81 Jahren.
Dieser Tag ist ein notwendiger Anlass, um eine bittere Wahrheit auszusprechen: Der Terror des Nationalsozialismus begann nicht erst mit den Gaskammern. Er begann mit Worten. Mit der schleichenden Spaltung der Gesellschaft in „Wir“ und „Die“.
Er fing damit an, dass „die“ Schuld daran sind, dass es „uns“ schlecht geht. Es fing damit an, dass Gruppen von Menschen willkürlich Grundrechte aberkannt wurden.
Ich will das alles nicht. Ich will nicht in einem Land leben, das aus seiner Geschichte nichts gelernt hat. Ich will mich dagegen wehren, wenn Menschen wegen ihrer Identität angepöbelt werden – heute wie damals.
Gegen diesen Hass hilft das aus der Bibel abgeleitete Sprichwort: „Du sollst nicht mit zweierlei Maß messen.“ Ja, denn überall, wo immer Menschen glauben, für sie und ihresgleichen gelten andere Regeln als für den Rest der Welt, entsteht jenes Denken, das letztlich nach Auschwitz führte.
Der Holocaust-Gedenktag morgen ruft uns auf, eben nicht mit zweierlei Maß zu messen, sondern zu erkennen: Für alle Menschen gelten die gleichen Rechte. Verantwortung ist jetzt. Hilko Danckwerts, Pastor in der Südstadtgemeinde Osnabrück