Weihnachtsaktion 2025 Spitzensumme für Obdachlose und Altersarme
„Ein Herz für Ostfriesland“ sammelte in den vergangenen Wochen für Einrichtungen, die Obdachlose und Altersarme in Leer, Emden und Aurich unterstützen. Die Spendenaktion übertraf alle Erwartungen.
Ostfriesland - Mit dieser Summe hatte wohl niemand gerechnet. Insgesamt 111.583,13 Euro sind bei der Weihnachtsspendenaktion des Hilfswerks „Ein Herz für Ostfriesland“ (EHFO) in Zusammenarbeit der Ostfriesen-Zeitung, den Ostfriesischen Nachrichten und dem General-Anzeiger zusammengekommen. In diesem Jahr unterstützte die Aktion Einrichtungen, die Obdachlose und Altersarme betreuen. Je ein Drittel der Summe erhalten der Verein „Straßenanker“ aus Westoverledingen, die Tagesaufenthalte des evangelisch-reformierten Synodalverbands Nördliches Ostfriesland in Aurich und Emden und das Übernachtungshaus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Aurich.
„Straßenanker“ organisiert Hilfe für Obdachlose, Bedürftige und Altersarme in Westoverledingen, Rhauderfehn, Leer und im Rheiderland. Die rund zehn Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich dafür, diesen Menschen Nahrungsmittel, Kleidung und bei Bedarf weitere Sachspenden wie Möbel und Hausrat bereitzustellen. In den Tagesaufenthalten sowie im DRK-Übernachtungshaus finden Wohnungslose einen geschützten Raum, in dem sie vor widrigen Witterungsbedingungen und den unmittelbaren Gefahren der Straße zumindest zeitweise sicher sind. Zudem stehen die Sozialarbeiter beratend zur Seite und geben Menschen in ihren individuellen Notlagen so die Möglichkeit, eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.
Gemeinsam für Ostfriesland
Unterstützer und Begünstigte haben sich am vergangenen Dienstag, 20. Januar 2026, im Verlagshaus der Zeitungsgruppe Ostfriesland in Leer zur offiziellen Scheckübergabe getroffen. Dort betonte EHFO-Geschäftsführer Uwe Boden seine Freude über die „rekordverdächtige“ Gesamtspendensumme. Tatsächlich belegt die Aktion des Jahres 2025 derzeit den zweiten Platz unter den EHFO-Weihnachtsaktionen. Getoppt wurde das Spitzenergebnis nur durch die Sammlung zugunsten des Schutzengel-Huus in Uplengen im Jahr 2020 – damals kamen rund 160.000 Euro zusammen.
Doch auch dieses Mal habe man laut Boden „sehr viel positive Resonanz“ von den Lesern erhalten. In diesem Zusammenhang sprach ein Lob an alle Beteiligten aus. „Dieses Lob können wir nur zurückgeben“, sagte Andy Dannecker, Leiter des Emder Tagesaufenthalts für Wohnungslose mit Blick auf die Journalisten Lasse Paulsen, Eva van Loh und Deike Terhorst. „Da waren wirklich tolle Artikel dabei.“ Dieser Meinung schloss sich die Vorsitzende des Vereins „Straßenanker“, Ilona van Santen, an. Sie habe sich während der gesamten Zeit „gut begleitet“ gefühlt. Manche ihrer Schützlinge, zu denen sie über Jahre in mühevoller Kleinarbeit Vertrauen aufgebaut hat, hätten sie schon angesprochen und gefragt, wann sie ein Autogramm bekommen könnten. Aber auch viele andere Menschen – sowohl Bedürftige als auch Spender – hätten sich im Zuge der Aktion bei ihr gemeldet. „Das hat mich sehr berührt“, sagte die 53-Jährige. Malte Mand, dem Leiter des Auricher Tagesaufenthalts, erging es ähnlich. „Nachdem Eva das Porträt über Frank geschrieben hat, sind wir quasi zu seinem Vorzimmer geworden. Viele haben für ihn angerufen, daraus haben sich schon einige neue Bekanntschaften ergeben.“
So wird das Geld eingesetzt
Mit dem Geld aus der Weihnachtsaktion haben die begünstigen Einrichtungen Großes vor. So soll der Transporter von „Straßenanker“, mit dem die Sachspenden zu den Betroffenen gefahren werden, in den finanziellen Verantwortungsbereich des Vereins übergehen. Um dessen Kosten niedrig zu halten, investiert Ilona van Santen derzeit privates Geld für Ausgaben wie TÜV, Reifen, Versicherung und Sprit. Zudem überlegt der Verein, einen Konvektomaten anzuschaffen. Dabei handelt es sich um einen Heißluftofen, mit dem in Großküchen Speisen aufgetaut oder erhitzt werden. Einer der wichtigsten Punkte sei jedoch: „Wir können mit dem Geld sicherstellen, dass das Lager immer voll ist“, sagt van Santen. Beim Einkaufen müsse man nun nicht mehr „auf jeden Pfenning achten“.
Im Emder Tagesaufenthalt möchte man mit dem Geld weiterhin die Kosten für das Mittagessen niedrig halten. Außerdem soll ein überdachter Außenbereich geschaffen und die Kellerwerkstatt „Die Frickelei“ ausgebaut werden. Bereits seit vergangenem Herbst werden Menschen gesucht, die Lust haben, die Werkstatt einmal wöchentlich wieder zu öffnen. Die Reparatur von Fahrrädern steht hier im Fokus, denn gerade Obdachlose müssen weite Wege zurücklegen – und viele von ihnen sind alles andere als gut zu Fuß. Andy Dannecker räumt jedoch ein, dass man von der Spendensumme noch ganz überwältigt und weiterhin dabei sei, Ideen zu sammeln. „Dabei beziehen wir die Besucher selbstverständlich mit ein“, sagt der Sozialarbeiter, der zusammen mit seinen Kollegen täglich rund 70 Menschen betreut.
Der Tagesaufenthalt in Aurich ist in der Hinsicht schon einen Schritt weiter und konnte am vergangenen Dienstag eine ganze Ideenliste präsentieren. Man wolle die Spenden unter anderem für neue Fenster, Türen und Sanitäranlagen sowie für eine Rauchabzugsanlage einsetzen. Außerdem denke man über Fahrradständer, einen Gartenausbau und ein Sommerfest nach, sagte Tagesaufenthaltsleiter Malte Mand. Tagesfahrten nach Groningen oder Borkum und Ausflüge ins Schwimmbad, ins Kino oder zu anderen Tagesaufenthalten seien ebenfalls in Planung.
„Wir brauchen mehr solche Menschen wie Sie“
Bei der Weihnachtsaktion ging es laut EHFO-Geschäftsführer Uwe Boden jedoch nicht nur um Geld, sondern auch darum, Wohnungslosigkeit in Ostfriesland sichtbar zu machen. Diesem Ziel sie man nach Meinung von Ralf Veltjes einen guten Schritt nähergekommen. Der Leiter des DRK-Übernachtungshauses in Aurich bedankte sich insbesondere bei Paulsen, van Loh und Terhorst für den sensiblen Umgang mit den Betroffenen, die ihre Geschichten im Rahmen der Spendenaktion öffentlich gemacht haben: „Es ist schwierig, mit so einer Thematik offen umzugehen. Das habt ihr gut aufgefangen.“ Die Summe sei aber auch eine Anerkennung der Arbeit, die die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der begünstigten Einrichtungen täglich leisten, ergänzte Stephan Schmidt, Chefredakteur der Ostfriesischen Nachrichten. „Und die nötigt einem Respekt ab. Wir brauchen mehr solche Menschen wie Sie.“
Mit den Spenden, die EHFO in Zusammenarbeit mit der Ostfriesen-Zeitung, den Ostfriesischen Nachrichten und dem General-Anzeiger gesammelt hat, können alle Begünstigten nun sorgenfreier in die Zukunft blicken. Da alle Verwaltungs- und sonstige Kosten vom Hilfswerk selbst getragen werden, geht die gesamte Spendensumme nun ohne Abzüge nach Westoverledingen, Emden und Aurich. Laut EHFO-Geschäftsführer Uwe Boden bleibe das Spendenkonto jedoch auch nach der Scheckübergabe geöffnet. Sollten noch mehr Spenden eintreffen, seien Nachüberweisungen jederzeit möglich. Doch bereits jetzt sei klar: Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion habe man erneut „die Herzen der Menschen erreicht“.
Spendenkonto: Ein Herz für Ostfriesland gGmbH IBAN: DE89 2802 0050 7016 6111 01 Oldenburgische Landesbank AG Stichwort: OZ Weihnachtsaktion 2025 Sie können hier auch über PayPal spenden. Ob fünf oder 500 Euro – jede Spende ist willkommen. Die Spendernamen werden bei der Weihnachtsaktion veröffentlicht. Wenn Sie spenden, aber nicht genannt werden wollen, vermerken Sie das bitte. Die Verwaltungskosten werden von der Zeitungsgruppe Ostfriesland getragen. Bei Beträgen ab 199 Euro kann per E-Mail an info@einherzfuerostfriesland.de eine Spendenquittung beantragt werden.OZ-Weihnachtsaktion 2025