Lotte  Wolfgang Johanniemann aus Lotte gewinnt Heimatpreis des Landes NRW

Ursula Holtgrewe
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Von Ursula Holtgrewe
| 23.01.2026 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Foto mit dem Wersener Bahnhof sitzt Wolfgang Johanniemann auf dem Schoß seiner Großmutter. Foto: Wolfgang Johanniemann
Auf dem Foto mit dem Wersener Bahnhof sitzt Wolfgang Johanniemann auf dem Schoß seiner Großmutter. Foto: Wolfgang Johanniemann
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Überrascht war Wolfgang Johanniemann aus Lotte-Wersen, dass er den Heimatpreis des Landes NRW erhielt. Sein Verdienst ist die Jahrzehnte lange Heimatpflege seines Wohnorts und Region in Worten und Bildern.

„Ich war sehr überrascht, dass ich den Preis bekommen habe“, erzählt Wolfgang Johanniemann in seinem Wohnzimmer. Beim Betreff Heimatpreis in der E-Mail habe er erst an eine Spam-Mail gedacht. Der zweite Gedanke war: „Ich kann ja mal schauen.“

Er las, dass der Preis mit 2.500 Euro dotiert ist und ihm im Lotter Rathaus übergeben werden sollte. „Bei der Verleihung hat der Westerkappelner Friedhelm Scheel zu erkennen gegeben, dass er die Initiative ergriffen und mich vorgeschlagen hat“, berichtet Johanniemann, der vor 77 Jahren im Bahnhof zu Wersen geboren wurde.

Bereits 1977 habe er bei der Neuen Osnabrücker Zeitung angefragt, ob dort Interesse an Fotos bestehe, erinnert sich der leidenschaftlich gern fotografierende Wersener. „Wir suchen händeringend auch Texte“, habe es geheißen. Aus der Anfrage wurde eine etwa zehnjährige Mitarbeit als freier Journalist, während der Johanniemann über Sport und andere Themen aus dem Tecklenburger Land berichtete.

Dazu gehörten auch der Herrenabend des Bürgervereins Wersen, für den er bis heute zur Kamera greift. Johanniemann freute sich dann „hautnah an Prominente heranzukommen“. Bundesweit Bekannte besuchten damals den Keramikbasar in Westerkappeln-Velpe. Der Chef des Keramikwerks Staloton (seit 2010 ABC-Klinkergruppe), Helmut Hensiek, lud als Gründer des Velper Golf- und Country Clubs diverse Prominente in die Gegend ein, darunter Außenminister Walter Scheel, Fußballprofi Wolfgang Overath, Olympia-Turner Eberhard Gienger und andere.

Aufmerksam registrierte der Wersener von früher Jugend an die Veränderungen in seinem Heimatort und dokumentierte diese. Er hütet einen fotografischen Schatz und etliche historische Postkarten aus Lotte. Seine erste Kamera war eine Bilora Bella, die er im Alter von zehn Jahren bekam und die Fotos noch auf einem Rollfilm aufnahm. Es folgte die Agfa Silette und Jahre später die Kult-Spiegelreflexkamera Asahi Pentax Spotmatic, die erste mit Messzellen im Sucher. Heute greift Wolfgang Johanniemann gern zur zoomstarken Kompaktkamera Lumix GC-FZ.

Als gelernter Chemielaborant entwickelte Johanniemann Schwarz-Weiß- und später Farbfilme im heimischen Labor selbst. „Weil ich die einzige Presse vor Ort war, habe ich viele Exklusivbilder gehabe und ein gutes Netzwerk knüpfen können“, sinniert der Heimatpreisträger. Das Labor löste er in 2003 auf, weil auch bei ihm die Digitalfotografie Einzug hielt.

Zu seinem heimatkundlichen Engagement gehört etwa, dass er seit 2013 Beisitzer in Kreisheimatbund Steinfurt war. „Davon habe ich mich nun aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen“, sagt der Preisträger, dem man sein Lebensjahre wahrlich nicht anmerkt. Im Jahrbuch des Kreises Steinfurt stehen regelmäßig auch schwarz-weiß bebilderte Beiträge mit Themen aus Lotte von Wolfgang Johanniemann. In der aktuellen Ausgabe recherchierte er über die Beziehung von Lotte nach Borkum und der Inselbahn dort.

Dass Johanniemann sein Fachwissen über die Vergangenheit der Region bereitwillig in Vorträgen vermittelt, wissen unterschiedliche Gruppen und Vereine auch in Westerkappeln längst – etwa über den Widerstandskämpfer Martin Niemöller, der in Wersen begraben ist und dessen Großvater Gerhard-Heinrich Niemöller, der im dörflichen Wersen Lehrer und Kantor war.

Auch die Arbeiten rund um den Bau des Autobahnkreuzes Lotte-Osnabrück dokumentierte Johanniemann inklusive landschaftlicher Veränderungen. Das Kreuz wurde im Jahr 1968 von Verkehrsminister Georg Leber mit beachtlicher Beteiligung auch von Lotter Bürgern eröffnet. Mit großer Resonanz referierte Johanniemann mit umfassend bebilderten und akribisch recherchierten Vorträgen verschiedentlich darüber.

Bei Stichworten zu Lotte muss Johanniemann nicht lange überlegen. Wissen und Anekdoten sprudeln nur so aus ihm heraus, sachlich und begeistert. Beispielsweise gab es in Wersen einst einen Campingplatz bei einem Heuerhaus von Landwirt Diek-Schwegmann, Adresse Wersen 1. „Dort war damals eine Kneipe und den Billard-Club Karambolage“, schaut er in seine Jugendzeit zurück.

Bis heute ist Wolfgang Johanniemann gern gut gerüstet mit dem Rad auf Foto-Pirsch, denn: „Ohne Kamera fahre ich selten los.“

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