Osnabrück  Zur Nachtschicht in den Techno-Club Holy Poly in Osnabrück

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 26.01.2026 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitten in der Nacht geht Inga-Luz Müller zur Schicht ins Holy Poly an der Dammstraße in Osnabrück. Aber Arbeit ist das nicht für sie, sagt sie. Foto: Thomas Wübker
Mitten in der Nacht geht Inga-Luz Müller zur Schicht ins Holy Poly an der Dammstraße in Osnabrück. Aber Arbeit ist das nicht für sie, sagt sie. Foto: Thomas Wübker
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Inga-Luz Müller verdient ihr Geld, wenn andere feiern. Sie steht hinter der Theke des Techno-Clubs Holy Poly in Osnabrück. Warum ihr Job für sie keine Arbeit ist.

Hinweis: Dieser Text ist erstmals Ende Januar 2026 erschienen.

„Ich bin total Osnabrück“, sagt Inga-Luz Müller. Zwar wurde sie vor 42 Jahren in Nordenham geboren. Aber sie ist hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat ihr ganzes Leben in der Hasestadt gelebt. Sie sagt, sie identifiziere sich mit der Stadt. Aber sie sagt auch: „Ich versuche, nicht so spießig wie die Osnabrücker zu sein.“

Sonntags nicht den Rasen mähen zu dürfen, über Nachbarn zu tratschen oder mit dem Auto nur eine Spur zu benutzen, wenn zwei vorhanden sind – davon hält Inga-Luz Müller nichts. Aber weil sie selbst Osnabrückerin ist, weiß sie, wie man mit den Eingeborenen umgeht. „Man braucht nur ein paar Momente, um sie zu knacken. Eigentlich sind die Leute hier locker.“

Beim Feiern sind die Menschen sowieso lockerer, bei vielen Partyleuten unterstützen der Alkohol oder andere Substanzen die Lockerheit. Im Holy Poly gehe es aber vor allem um die Musik, sagt Inga-Luz Müller. „Der Techno-Szene wird oft zu Unrecht nachgesagt, dass da viele Drogen konsumiert werden.“ Sie schätzt Osnabrück aber auch eher Rock-lastig ein.

Inga-Luz Müller steht auf elektronische Musik. Dadurch ist sie vor 23 Jahren auch zu ihrem ersten Job in der Club-Szene gekommen. Das war im ehemaligen Impuls. Die Disco war unter der Osnabrückhalle zu finden, wo auch die Heimat des Ekkes war. Vorher habe sie sieben Jahren bei Kentucky Fried Chicken gearbeitet, erzählt sie.

Eigentlich wollte sie gar keinen Job in dem Club. Aber weil sie vor 23 Jahren Mutter wurde und ihr damaliger Partner einen Impuls brauchte, um Arbeit zu finden, hat sie sich auf eine Anzeige des Clubs gemeldet, wo ein Toiletten-Mann gesucht wurde. Also ist sie mit ihrem drei Monate altem Sohn und dessen Erzeuger vorstellig geworden. Da auch noch Personal für die Theke gesucht wurde, hat sie spontan zugesagt. „Das war damals perfekt für mich“, erzählt Inga-Luz Müller. Nach der Trennung von ihrem Freund hat eine gute Freundin auf das Baby aufgepasst. „Wenn ich nach Hause gekommen bin, hat der Kleine noch geschlafen.“

Vor 13 Jahren ist Inga-Luz Müller zum zweiten Mal Mutter geworden und hat das Nachtleben hinter sich gelassen – erstmal. Sie hat im bereits erwähnten Schnell-Restaurant als Schichtleiterin gearbeitet, war Referentin bei einer Drogerie-Kette, war im Textilhandel als Managerin tätig und als stellvertretende Tankstellen-Leiterin.

Als sie vor fünf Jahren mit einer Freundin wieder feiern gegangen ist, ist sie wieder ins Nachtleben eingetaucht. „Ich habe dann einen Abend im Holy Poly ausgeholfen und wieder Blut geleckt.“ Seitdem ist sie wieder dabei. Ihre Tochter muss mittlerweile nicht mehr betreut werden, sie ist alt genug.

„Ich will in einem Club arbeiten, mit Geballer und vielen Leuten“, sagt sie und fügt erstaunlicherweise an: „Das ist keine Arbeit, sondern Ausgleich für mich.“ Wenn sie im Holy Poly hinter der Theke steht, könne sie so sein, wie sie ist, sagt sie. „Ich kriege die tollsten Partys und die tollsten DJs mit und habe meine Ruhe. Ich gehe niemandem mit meiner Hektik auf den Keks und muss keine stundenlangen Gespräche führen.“ Sie sei ein totaler Nachtmensch, sagt sie, und möchte einfach nur die Musik genießen – und das von 1 Uhr bis 8 oder 9 Uhr morgens.

Klar, die Nächte könne sie mit 42 nicht mehr so gut wegstecken wie mit 20, sagt sie. „Ich denke vor jeder Schicht, die Schminke schafft das nicht mehr“, erzählt sie und lacht sich ins Fäustchen. „Aber dann ist doch alles wie immer.“

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